WÜRZBURG

„Der Innenstadt droht die Verwahrlosung“

Die unschönen Auswüchse einer Disko- und Kneipenmeile von der Augustiner- bis zur Gerberstraße sorgen weiter für Unmut bei Innenstadt-Bewohnern. Gut 60 Betroffene kamen zu einem Bürgergespräch der Stadträte Uwe Dolata (ÖDP) und Josef Hofmann (FWG) ins Hotel Strauß und beschwerten sich erneut vehement über die Untätigkeit von Polizei und Stadtverwaltung.

Sie wollen eine Bürgerinitiative gründen, um ihre Interessen durchzusetzen.

Das Zentrum des Widerstands befindet sich offenbar in der Karmelitenstraße: Über 90 Protest-Unterschriften wurden hier bei Anwohnern und Geschäftsleuten innerhalb weniger Tage gesammelt. „Im Rathaus hat man noch nicht begriffen, wie zornig die Leute sind. Ich bin zum Protest bereit", betonte Geschäftsmann Bernd Mars.

Die vorgebrachten Beschwerden wurden so oder so ähnlich schon bei einer SPD-Veranstaltung Ende August zum gleichen Thema vorgebracht (wir berichteten): Alkoholisierte junge Menschen feiern auf den Straßen lautstark bis in die frühen Morgenstunden und rauben den Anwohnern regelmäßig ihre Nachtruhe.

Die Betroffenen sind sauer und fordern unter anderem, Diskotheken aus der Innenstadt zu verbannen. Von der „Odeon Lounge" in der Augustinerstraße zieht sich die Problemzone nach den Aussagen der Anwesenden durch die mit Gastronomie gut ausgestattete Karmelitenstraße und Untere Juliuspromenade bis zum „KamiKatze-Club" in der Gerberstraße.

Die Auswüchse seien kaum noch zu ertragen, klagen die Anwohner: „Gastronomie und Vergnügen müssen sein, aber diese Zustände haben damit nichts zu tun", sagte Dieter Hanakam aus der Pleich.

Die Verschmutzung ihrer Straßen, Gassen und Häuser durch Erbrochenes und Urinlachen haben die Betroffenen mit über hundert Fotografien dokumentiert. „Morgens muss man mit dem Dampfstrahler sauber machen. Der Innenstadt droht die Verwahrlosung", sagte ein Hauseigentümer.

Dazu kommen immer häufiger Fälle von Sachbeschädigung und Vandalismus: Gleich zweimal in einem Jahr musste eine Ladeninhaberin in der Karmelitenstraße ein großes Schaufenster auswechseln. „Es ist auch eine ganz unsichere Sache, wenn man nachts aus dem Haus gehen will", sagte sie.

Billiger Alkohol im Straßenverkauf


Als einen der Hauptgründe haben die Teilnehmer des Bürgergesprächs den Straßenverkauf von billigen alkoholischen Getränken ausgemacht. An einem Imbiss in der Juliuspromenade werde „noch um fünf Uhr früh Schnaps für einen Euro verkauft", sagte Christian Wolz, Juniorchef des Hotel Strauß. Und in der Gerberstraße hat er beobachtet, wie am Freitag 70 Kästen Bier angeliefert wurden, die dann nachts auf der Straße verkauft werden: „Das muss ausgetrocknet werden!"

Die Vorwürfe richten sich hauptsächlich gegen Polizei und Stadtverwaltung. Bei der SPD-Veranstaltung Ende August hatte Kommunalreferent Wolfgang Kleiner versprochen, jeder einzelnen Beschwerde persönlich nachzugehen. Getan hat sich in den Augen der Bürger in den vergangenen zwei Monaten nichts.

Auch die Polizei schaue dem Treiben auf der Straße häufig tatenlos zu: "Die trauen sich nicht aus dem Auto und fahren vorbei", hieß es von mehreren Seiten. Gefordert wurden Überwachungskameras in den betroffenen Straßen und eine deutlich stärkere Präsenz von Polizei und kommunalem Ordnungsdienst.

Alle Teilnehmer der Versammlung wollen sich an einer Bürgerinitiative beteiligen. Vehement gefordert wurde eine Bürgerversammlung für die Innenstadt, um OB Georg Rosenthal und seinen Referenten die Probleme persönlich vortragen zu können.

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