WÜRZBURG

Der Turm findet kein Hotel

Wird den Turm jemals ein Hotelgast betreten? Auch wenn zur Zeit der Eingangsbereich gepflastert wird – am Turm selbst wird nicht weiter gebaut und die Zukunft des halbfertigen Hotelturms am Berliner Ring sieht knapp zwei Jahre nach der Pleite der Euro-Gruppe immer noch düster aus.
Hotelturm       -  Am Fuß des Hotelturms werden die Pflasterarbeiten vorbereitet. An der Fassade wird nicht gearbeitet.
Foto: FOTO THERESA Ruppert | Am Fuß des Hotelturms werden die Pflasterarbeiten vorbereitet. An der Fassade wird nicht gearbeitet.

Seit Februar 2005 wird der Hotelturm am Berliner Ring nicht weiter gebaut. Zwei Winter ohne Wetterschutz hat der Rohbau bereits hinter sich. Und seit über eineinhalb Jahren findet sich kein Hotel für den Turm.

Würzburger Immobilienmakler suchten ebenso erfolglos wie der neue Besitzer „Würzburg Estate S.A.“ nach einem Betreiber. Die Tochter der britisch-schweizerischen Investorengruppe Montague Goldsmith AG hatte Turm nebst Nebengebäude im April 2006 nach der Pleite der Euro-Gruppe für rund zehn Millionen Euro gekauft.

Seitdem tut sich nichts, denn der Investor investiert kein Geld – knapp 20 Millionen Euro – in die Fertigstellung, bevor er nicht einen Vertrag mit einer Hotelkette in der Tasche hat. Aber: Den Betreiber, der die Zimmermiete garantiert, die so hoch ist, dass der Fertigbau rentabel wird, hat Jens Liebhauser von der „Würzburg Estate S.A.,“ bislang nicht gefunden.

Problematisch ist unter anderem, dass dem Turm ausreichend große Konferenzräume sowie eine zweite Fluchttreppe fehlen. Letztere fordern amerikanische Hotelketten nach dem 11. September in Hochhäusern. Schon Insolvenzverwalter Bruno Fraas hatte die Erfahrung gemacht, dass aufgrund der fehlenden Sicherheitseinrichtungen interessierte Käufer abgesprungen waren, die nach der Pleite der Euro-Gruppe an der Immobilie interessiert waren.

Luxuswohnungen oder Büros

Aber nicht nur der Fertigbau zum Hotel ist schwierig. Auch die möglichen Alternativen sind es. „Luxuswohnungen in den oberen Stockwerken“ hatte Liebhauser im Juni als neue Nutzungsidee verkündet. Allerdings hätten diese Luxuswohnungen weder Balkon noch Terrasse und nicht einmal Fenster, die gekippt werden können – die Glasfassade hat keine Öffnungen. Außerdem wären Umplanungen nötig, die den Ausbau wiederum so teurer machen würden, dass die erzielbaren Mieteinnahmen, diese Investition wahrscheinlich nicht rentabel machen.

Das gleiche gilt für die Alternative Büros. Auf fast 30 Millionen Euro schätzen Immobilienspezialisten die Kosten für diese Ausbauvariante. Unter anderem müssten die Deckenhöhen verändert und die geplante Klimaanlage völlig umkonzipiert werden. Außerdem sind die Flächen laut Immobilienmakler nicht optimal, da zu klein: Statt in Stockwerken verteilt würden Büros ihre Schreibtische lieber auf einer Ebene unterbringen. Geht man von den in Würzburg üblichen Quadratmeterpreis für Büros aus, kommt auch bei dieser Rechnung nicht viel heraus.

Was noch längerer Leerstand für die Substanz des Rohbaus bedeutet – ihm steht der dritte Winter ohne Dach bevor und die oberen Etagen sowie Teile der Rückfront sind offen, erläutert Eduard Hartmann, Würzburger Sachverständiger für Bau und Immobilien. „Geschädigt werden nur frostempfindliche Materialen“, erklärt Harmann. Gefährdet seien Elemente des Innenausbaus – sofern sie schon eingebaut wären.

„Dem Beton sowie der Glasfassade macht das dagegen dem Grund nach nichts aus“, so Hartmann. Allerdings könnten Kalkauswaschungen aus dem Beton zu Schlieren auf den Gläsern führen.

Für die Zukunft des Turms sehen manche Branchenkenner dennoch schwarz. „Auf dem deutschen Markt ist die Immobilie ausgebrannt,“ erklärte ein Würzburger Wirtschafts- und Immobilienspezialist, der nicht als „Nestbeschmutzer gelten und deshalb seinen Namen nicht nennen will.

Da er sich nicht vorstellen kann, dass sich noch ein Investor findet, der in das Hochhaus investieren will, „bleibt langfristig wohl nur der Abriss“.

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