Hopferstadt

Die Biogas-Anlage im Rucksack

Hilfe zur Selbsthilfe. Katrin Pütz stellte bei der KLB Kreisversammlung in Hopferstadt das 'Biogas im Rucksack' vor. 22.11.2017Bildtext
Foto: – | Hilfe zur Selbsthilfe. Katrin Pütz stellte bei der KLB Kreisversammlung in Hopferstadt das "Biogas im Rucksack" vor. 22.11.2017Bildtext

Auch die rund 25 Teilnehmer der zirka 100 Mitglieder zählenden KLB, die Diözesanvorsitzende Barbara Düchs aus Gaurettersheim zur Kreisversammlung im Pfarrheim willkommen hieß, waren begeistert.

Katrin Pütz ging vor der Vorstellung der von ihr entwickelten Methode zur Biogasgewinnung und des Transportes auf die Lebenssituation der Menschen in den ärmeren Ländern ein. Das falsche Verständnis der – wie sie sagte – „hellen Welt“ gegenüber der „dunklen Welt“ ruft zahlreiche Hilfsorganisationen auf den Plan.

Selbst etwas tun

Eben so wenig wie mit finanzieller Entwicklungshilfe, die oft an der falschen Adresse landet, wird den Menschen dadurch geholfen, dass sie verbesserte Kachelöfen geschenkt bekommen. Statt immer nur Hilfen anzunehmen, sollten nach ihren Worten die Menschen selbst etwas tun können.

Mit der Gründung der Firma (B)energy, bietet die Agraringenieurin eine Kombination aus einfacher Biogasproduktions- und -Transporttechnik und ein Geschäftsmodell, durch das für die Kunden Biogas in ärmeren Ländern zu einer wahren Alternative zu holzbasierter Kochenergie und außerdem einer Verdienstmöglichkeit wird.

Das Ziel von (B)energy ist es, dort Zugang zu sauberer und lukrativer Kochenergie zu schaffen, wo bisher auf offenen Holz- und Holzkohlefeuern gekocht wird. Ruß belastete Küchen und das schwere und zeitaufwändige Holzsammeln sind eine starke gesundheitliche Belastung besonders für Frauen.

Bedrohung fürs Klima

Da in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas Holz die einzige Energiequelle für das tägliche Kochen ist, belastet das Verbrennen von Holz sowohl die Menschen wie auch die Umwelt.

Dazu droht durch die alarmierende Entwaldung eine immer größer werdende Bedrohung für das Klima. Um möglichst schnell, möglichst viele potenzielle Kunden zu erreichen und sie für die Umstellung auf Biogas zu begeistern, bietet (B)energy ein mehrstufiges Business-Model an.

Dabei werden, wie sie anschaulich erläuterte, das Know-How und die Technologie aus Deutschland an lokale Franchisepartner und Händler übertragen. In einem dreitägigen Seminar kann ein künftiger Repräsentant von (B)energy alle Grundkenntnisse für den Aufbau seines eigenen (B)energy Geschäftes in seinem Land erlangen.

Sobald (B)energy Produkte und Services durch den Franchise-Nehmer lokal verfügbar gemacht worden sind, können eigenständige Installateure die Endkunden bedienen.

Diese investieren 400 bis 600 Euro in ein Biogassystem, mit dem sie die maximal mögliche Menge Biogas aus dem ihnen zur Verfügung stehenden Substrat wie Tierdung, organische Abfälle und menschliche Fäkalien Gas produzieren. Neben dem Eigenbedarf können die Betreiber überschüssiges Gas im Rucksack verkaufen.

Die Armut besiegen

Die speziellen Rucksäcke, die zirka 1000 Liter Gas fassen, werden in der Ladungssicherung-Firma Rothschenk im Auber Stadtteil Baldersheim gefertigt. Da laut Katrin Pütz die Armutsbekämpfung das Ziel jedes Social Business ist, hat sich (B)energy ein zusätzliches Ziel gesetzt: die Armut mit einem maximalen Maß an Unabhängigkeit für die ursprünglich finanziell Armen würdevoll und auch nachhaltig zu besiegen.

Und deshalb verschenkt (B)energy kein Geld, sondern plant es zu verleihen. „Wir umgehen konventionelle Banken, die unsere Zielmärkte nicht bedienen, und binden sozial engagierte Darlehensgeber ein“ erklärte sie.

Spendenaktion

Für die Kredit-Linie, aus der mit einem Darlehen der Eintritt in das Biogas-Geschäft ermöglicht wird, startet Katrin Pütz in der Weihnachtszeit eine Spendenaktion, durch die dann der Grundstock für das geplante Vorhaben gelegt werden soll.

Weitere Informationen gibt es unter: (B)energy, Katrin Pütz, Tel. (0 15 78) 3 91 00 19 oder per E-Mail unter info@be-nrg.com

Zur Person

Katrin Pütz, die aus dem Westerwald stammt, ist studierte Agrartechnikerin und gelernte Schreinerin. Die 36-Jährige, hat an der Universität

Hohenheim eine Technik entwickelt, bei der vorwiegend Kuhdung als Energiequelle genutzt und das Gas in einem Rucksack transportiert wird. Vor wenigen Tagen wurde sie von der Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer als eine der Preisträgerinnen „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2017 ausgezeichnet.

Mit dem Biogasrucksack zählt (B)energy zu den zwei innovativen Preisträgern des Wettbewerbs aus rund 1000 eingereichten Bewerbungen als eines von 100 herausragenden Projekten zum Jahresmotto „Offen denken – Damit sich Neues entfalten kann.“ Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und die Deutsche Bank richten den Innovationswettbewerb seit zwölf Jahren gemeinsam aus. hag

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