Zellerau

Die Kirche wird zum Opernhaus

Samstagabend, eine einladende Toccata erklingt in der Zellerauer Friedrichstraße. Die Bläser stehen vor der Heiligkreuzkirche, immer mehr Menschen strömen zum Eingang, gespannte Erwartung liegt in der Luft. Für kurze Zeit – für nur drei Aufführungen von Claudio Monteverdis „L'Orfeo“ – verwandelt sich die Kirche in ein Opernhaus, die Würzburger Kantorei Heiligkreuz St. Elisabeth tritt erstmals als Opernchor in Erscheinung. Eine große Premiere, in vielerlei Hinsicht.

Treibende Kraft dahinter ist die Gründerin der Kantorei, Anke Willwohl, die dafür mit ihren Sängern unzählige Stunden an Abenden und Wochenenden probte. Für die Aufführungen hat sie ein 19-köpfiges Orchester mit teils historischen Instrumenten und acht hochkarätige Solisten an Bord geholt. Inszeniert hat Georg Rootering, der schon an der Wiener und Münchner Staatsoper arbeitete und in den 90er Jahren Leiter des Musiktheaters am Mainfranken Theater war. Für die Beleuchtung war der mehrfach preisgekrönte Lichtdesigner Uwe Belzner verantwortlich.

Die Erwartungen sind also entsprechend hoch, als La Musica (Gunta Smirnova) die Bühne betritt, um im Prolog von Orpheus und der Macht der Musik zu berichten. Lebhaft, fröhlich und voller Energie beginnen die Hirten (Juho Punkeri, Juha Kotilainen und Daekyung Kim) das Spiel, in dem Orpheus (Jonathan Sells) und Eurydice (Anke Endres) zunächst heiraten, um dann durch plötzlichen Tod der Braut getrennt zu werden. Kraft seiner Musik gelingt es Orpheus, in die Unterwelt vorzudringen, um die Gemahlin beinahe zu befreien. Letztendlich scheitert er aber an sich selbst.

„L'Orfeo“ ist eine Achterbahn der großen Gefühle: ausgelassene Freude, tiefe Trauer, Hoffnung und Verzweiflung, Mut und Zaudern – zum Ausdruck gebracht von Stimmen, die unter die Haut gehen. Kostüme und Bühnenbild kommen reduziert daher, überlassen der Musik die Hauptrolle. Zwei Lagen weißer Vorhänge reichen mit geschickter Beleuchtung für den Wechsel zwischen den Szenen, Gefühlen und Welten – die Hirten tragen Jeans und weiße Hemden. Regisseur Rootering hat die Inszenierung behutsam in den Kirchenraum eingepasst. Zwei Tänzerinnen (Sabina Aeschlimann und Hannah Jäkel) komplettieren die Bewegungen auf der Bühne, ohne in den Vordergrund zu treten.

So entstehen starke Bilder: Die schwarz gewandete Botin, die die Nachricht vom Tod Eurydices überbringt (Hiroe Ito), der imposante Fährmann Charonte (Patrick Simper) und schließlich Eurydice, die im Reich der Schatten zurückbleiben muss. Jonathan Sells bringt einen überragenden Orpheus. Und immer wieder der Opernchor, dessen Begeisterung spürbar und ansteckend ist.

Nach zwei Stunden endet die „Favola in Musica“. Stehende Ovationen und mehr als fünfminütiger Applaus, den sich alle Beteiligten redlich verdient haben. Auf weitere Projekte von Anke Willwohl und der Würzburger Kantorei darf man gespannt sein.

Weitere Vorstellungen sind am Samstag, 16. April, um 19 Uhr und Sonntag, 17. April, um 17 Uhr.

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