Würzburg

Die Linie verbindet

Passt! Roswitha Vogtmann, Kathrin Feser und Kristin Finsterbusch (von links) bereiten ihre Ausstellung in der Volkshochschule vor. Foto: Joachim Fildhaut
| Passt! Roswitha Vogtmann, Kathrin Feser und Kristin Finsterbusch (von links) bereiten ihre Ausstellung in der Volkshochschule vor. Foto: Joachim Fildhaut

Am Samstag eröffnet eine Ausstellung auf drei Stockwerken der Volkshochschule in der Münzstraße. Das hat Seltenheitswert, denn gewöhnlich wird nur die zweite Etage behängt. Aber diesmal sind gleich drei Künstlerinnen begeistert von der Örtlichkeit: Roswitha Vogtmann, Kristin Finsterbusch und Kathrin Feser. „Das Licht!“, sind sie sich einig: „Viel Wand. Und trotz der Flursituation genug Abstand zwischen Betrachter und Bild.“

„Stopgucker Kraftraum“ heißt die Schau, für die das Trio und die Kuratorin Brigitte Meister-Götz auch Namen erwogen hatten wie „Zeichensetzung“, „Puzzledung“ und „Wums“. Der Raum spielt keineswegs die Hauptrolle auf den Bildern, sondern die Linie. Vogtmanns Pinsel fegt kalligrafische Zeichen auf die Fläche, Finsterbusch bildet fiktive Welten oder zumindest deren Landkarten, Feser konstruiert penibel traumhafte Ornamente. Sehr verschieden gehen die Damen mit der Linie um, und trotzdem haben ihre Linien eins gemeinsam: viel Schwung.

„Man merkt den Arbeiten an, dass wir uns fast ausschließlich mit der Linie beschäftigen“, sagt Kristin Finsterbusch, die seit vorigem Jahr die Druckerei des Künstler-Berufsverbands leitet. Und sie begrüßt die Gelegenheit, hier eine recht große Ausstellung mit Zeichnungen mitzubestreiten. Denn diese Technik bekomme in der Provinz selten eine große Öffentlichkeit: „Sonst werden Zeichnungen nur in den Metropolen richtig gut präsentiert.“

Genau 20 Jahre ist es her, da veranstaltete Galeristin Meister-Götz eine Ausstellung von Roswitha Vogtmann in ihrer Kitzinger Galerie, in die sie später auch Kathrin Feser holte. Nach einem Zufallstreffen der beiden Frauen entstand die Idee, man müsste mal etwas zusammen, und diesmal gleichzeitig, machen. Voraussetzung dafür war, dass Feser wieder einmal am Main weilte. Die meiste Zeit des Jahres wohnt und arbeitet sie nämlich in San Francisco. Vogtmann und Feser stellten ihrer Kuratorin dann die Kollegin Kristin Finsterbusch vor, die 1999 von Braunschweig nach Würzburg übergesiedelt war.

Ein guter Fang. Schließlich brachte Finsterbusch die Idee ein, in der Münzstraße solle nicht jede je einen Flur für sich beziehen. Es wäre doch besser, die Werke zu mischen. Meister-Götz findet das stimmig: „Vom Geist und von der handwerklichen Orientierung stimmen die drei überein.“ Und die höchst unterschiedlichen Linienführungen steigern sich gegenseitig, machen auf die Eigenarten der benachbarten Bilder aufmerksam.

Die Konstellationen der Ausstellung entstanden erst vor Ort in der Münzstraße, wo Feser, Finsterbusch und Vogtmann die Hängung improvisierten. Da fügen sich in einer Reihe die Kompositionen zusammen, die mit der Grundform eines Kreises arbeiten. An einer besonders langen Wand im dritten Stock zeigt Vogtmann auf eins ihrer kraftvollen Blätter, spricht von einem „Gewurrle“ und macht Gesten nach oben hin. Eine ähnliche Dynamik haben auch die benachbarten Bilder.

Gut 25 Werke brachte jede in die Mischung ein. „Dicht und zart“, „auseinanderwuselnd“, „Dynamik und Energie“ - solche Begriffe fallen bei einem Treffen mit den drei Künstlerinnen, wenn es darum geht, nach welchen Kriterien die Bilder betrachtet werden können. Und: „Konzentration, Schnelligkeit und Kraft.“ So, wie sich die Bilder gegenseitig steigern und aufschaukeln, bilden sie dann auch genau den Kraftraum, den der Titel nennt.

Was es mit dem „Stopgucker“ auf sich hat? Nun, am Premierenabend werden im Treppenhaus vor jedem Flur Musiker stehen und die Gäste zum Anhalten anhalten: ein Opernsänger, ein Mundharmonikaspieler und ein multiinstrumentaler Bildhauer. Und jeder von ihnen spielt für alle drei Künstlerinnen.

„Stopgucker Kraftraum“: Eröffnung 5. März, 19 Uhr, mit Dierk Berthel, Jörg Meister und Oliver Munique. Bis 13. Mai Mo-Fr 9-19 Uhr, Sa 9-18 Uhr.

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