Lengfeld

Die Müllöfen sind in die Jahre gekommen

Rauchzeichen: Der Kamin der Würzburger Müllheizkraftwerks, dessen beiden älteste Ofenlinien in den nächsten Jahren erneuert werden müssen.
Foto: Gerhard Meißner | Rauchzeichen: Der Kamin der Würzburger Müllheizkraftwerks, dessen beiden älteste Ofenlinien in den nächsten Jahren erneuert werden müssen.

Schuldenfrei und mit einem gut gefüllten Rücklagenkonto startet das Würzburger Müllheizkraftwerk (MHKW) ins neue Jahr. Über eine rekordverdächtig niedrige Verbrennungsgebühr profitieren auch die Privathaushalte in der Stadt Würzburg und den Landkreisen Würzburg und Kitzingen von der günstigen wirtschaftlichen Situation. Wie lange dies so bleibt, ist allerdings ungewiss. Die ältesten beiden der insgesamt drei Müllöfen sind in die Jahre gekommen. In den nächsten Jahren muss der Zweckverband Abfallwirtschaft vermutlich tief in die Tasche greifen, um sie wieder auf den neuesten Stand zu bringen.

Seit 1984 sind die beiden ältesten der drei Ofenlinien in Betrieb. Inzwischen war zwar viel Geld in die Verbesserung der Rauchgasreinigung investiert worden. Im Kern sind die beiden Öfen aber 30 Jahre alt und müssen in den nächsten Jahren erneuert oder ersetzt werden, wie Verbandsgeschäftsleiter Alexander Kutscher in der jüngsten Verbandsversammlung mitteilte.

Beste Lösung finden

Das kommende Jahr soll deshalb dazu genutzt werden, um die für das Würzburger Müllheizkraftwerk beste Lösung zu finden. Im MHKW am Faulenberg werden Haus- und Sperrmüll verbrannt. Aus der gewonnenen Energie werden Strom und Dampf erzeugt und in die öffentlichen Netze eingespeist. Dank dieser gleichzeitigen Nutzung von Kraft und Wärme gilt die Anlage als besonders effizient. die Energie als nachhaltig.

64 000 Tonnen des pro Jahr verbrannten Mülls stammen aus dem Verbandsgebiet, also der Stadt Würzburg und den Landkreisen Würzburg und Kitzingen. Knapp 80 000 Tonnen liefern die Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, Ansbach, Gunzenhausen, Bad Kissingen sowie der schwäbische Ostalbkreis nach Würzburg. Die entsprechenden Abnahmeverträge waren im vergangenen Jahr erst für weitere 15 Jahre erneuert worden. Der Zweckverband kann seine alte Ofenlinien also nicht einfach stilllegen, sondern braucht die vorhandenen Kapazitäten auf Dauer.

Möglicherweise ändern sich die Anforderungen für den Betrieb demnächst. Im Raum steht ein generelles Verbot für die Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft. Der Schlamm aus den Kläranlagen, der wegen Rückständen von Arzneimitteln in Verruf geraten ist, müsste dann ebenfalls verbrannt werden.

Etwa die Hälfte des Klärschlamms aus der Würzburger Großkläranlage verbrennt das MHWK bereits heute – jährlich rund 6000 Tonnen. Die im organischen Schlamm enthaltene Feuchtigkeit unterstützt die Reinigung der Rauchgase. Würde allerdings mehr nasser Schlamm verbrannt werden, ginge die Energie verloren, die für die Verdampfung des Wassers erforderlich ist.

Informationsfahrt in die Schweiz

Der Entscheidungsfindung über die Zukunft der beiden alten Ofenlinien dient eine Informationsfahrt, die die Verbandsräte im Frühsommer in die Schweiz unternehmen wollen. In Bern war 2013 ein modernes Müllheizkraftwerk in Betrieb genommen worden, das zusätzlich auf die Verbrennung von Biomasse ausgelegt ist und nach Auskunft von Verbandsgeschäftsführer Alexander Kutscher Spitzenwerte bei der Energieeffizienz aufweist.

Weil die Schulden getilgt und die Altanlage weitgehend abgeschrieben sind, steht dem Zweckverband 2015 ein wirtschaftlich ruhiges Jahr bevor. Dem Betriebsaufwand in Höhe von Knapp 24 Millionen Euro stehen Einnahmen von 8,1 Millionen Euro für die Verbrennung des Mülls aus fremden Gebietskörperschaften gegenüber. 3,2 Millionen Euro nimmt der Zweckverband voraussichtlich aus der energetischen Verwertung von Gewerbeabfällen ein. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Strom und Dampf für das Würzburger Fernwärmenetz sind mit 3,4 Millionen Euro veranschlagt.

Unter Berücksichtigung verschiedener weiterer Einnahmen, bleibt eine Deckungslücke von 5,1 Millionen Euro. Entsprechend der angelieferten Müllmengen muss die Stadt Würzburg davon rund 2,3 Millionen Euro bezahlen, der Kreis Würzburg 1,8 Millionen Euro und der Landkreis Kitzingen eine Million. Umgerechnet auf die Müllmenge entspricht das Verbrennungskosten von 80 Euro je Tonne. In wirtschaftlich schwierigeren Zeiten lagen die Verbrennungsgebühren über 200 Euro pro Tonne.

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