Würzburg

Die Straße ist nicht nur für Autos da

Massenbewegung auf dem Röntgenring: Die „Critical Mass“-Radler waren am Freitag wieder unterwegs.
Foto: Patrick Wötzel | Massenbewegung auf dem Röntgenring: Die „Critical Mass“-Radler waren am Freitag wieder unterwegs.

Sie treffen sich jeden zweiten Freitag im Monat, um im Feierabendverkehr ein sichtbares Zeichen für die umweltschonende und gesunde Form der Fortbewegung zu setzen: Dieses Mal bestand die „Critical Mass“, die es in Würzburg bereits seit fast vier Jahren gibt, bei strahlendem Sonnenschein aus gut 120 Radlern, die im Verband durch die Stadt fuhren und damit zeigten, dass die Straßen nicht nur für Autos, Lkw und Motorräder da sind.

Manfred Dürr, Projektingenieur für Windenergie und passionierter Radfahrer, war zum dritten Mal dabei und fasste vor dem Start das Prinzip „Critical Mass“ (deutsch: Kritische Masse) wie folgt zusammen: „So selbstverständlich wie Autofahrer denken, dass ihnen die Stadt gehört, können das auch Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer für sich in Anspruch nehmen. Die ,Critical Mass‘ ist so etwas wie ein Symbol dafür.“

Nach deutschem Verkehrsrecht ist die „Kritische Masse“ an Radfahrern ab 16 Teilnehmern erreicht: Dann gilt die Gruppe als Verband und die Radler dürfen darf laut § 27 der Straßenverkehrsordnung nebeneinander auf der Straße fahren – auch da, wo Radwege vorhanden sind. Und: Wenn der Pulk an einer Ampel bei Grün losfährt, gilt er quasi als ein Fahrzeug, so dass alle Teilnehmer weiterfahren dürfen, auch wenn die Ampel wieder auf Rot geschaltet hat.

„Es ist eine Aktionsform, die es weltweit in vielen größeren Städten gibt. Die Fahrrad-Community trifft sich einmal im Monat, um Präsenz zu zeigen“, sagt Stefan, der seit gut einem Jahr dabei ist. Nachnamen sind bei der „Critical Mass“ überflüssig – es steht kein Verein, keine Organisation und kein einzelner Verantwortlicher dahinter.

Das gemeinsame Anliegen der lockeren Gruppe von Radlern, die ihre Treffen über Facebook organisieren: „Wir fordern eine bessere Infrastruktur für Radfahrer in der Stadt, wollen aber auch generell mehr Aufmerksamkeit für Radler als Verkehrsteilnehmer“, betont Stefan. Die erste Würzburger „Critical Mass“ fand im Juni 2012 mit rund 150 Teilnehmern statt. Seit Januar 2015 treffen sich die Radler an jedem zweiten Freitag im Monat um 18 Uhr am Frankonia-Brunnen vor der Residenz. Die Teilnehmerzahlen wachsen stetig. War es zu Beginn noch teilweise schwierig, die nötigen 16 Teilnehmern zusammen zu bekommen, waren im vergangenen Herbst schon 70 Radler dabei. „Ich radle hier mit, weil ich die Sichtbarkeit von Fahrradfahrern im Würzburger Stadtverkehr erhöhen möchte. Es hängt aber immer auch vom Wetter ab“, sagte einer der Teilnehmer.

Unter den Radlern sind alle Altersgruppen vertreten. „Es ist schön, mit vielen netten Menschen zusammen auf der Straße zu radeln. Es geht aber auch darum zu zeigen, dass wir zum Verkehr und auf die Straße gehören. Würzburg ist ja nicht unbedingt die beste Stadt, um Fahrrad zu fahren“, sagte Walter. Der 52-Jährige ist fast jedes Mal dabei und einer der erfahrenen Teilnehmer, die den Verband beim Abbiegen an den Seitenstraßen absichern – „Corken“ heißt das im Jargon der „Critical Mass“. Gelassenheit und ein dickes Fell sind von Vorteil, wenn man genervten Autofahrern erklären muss, dass die Radfahrer ganz legal im Verband auf der Straße fahren.

Fest steht bei der „Critical Mass“ nur der Treffpunkt. Die Strecke wird im Vorfeld nicht geplant, sondern von den Radlern an der Spitze des Verbands spontan festgelegt. Ein Fixpunkt ist allerdings der Berliner Ring – so auch an diesem Freitag, als die 120 Teilnehmer den Kreisverkehr ein paar Mal umrundeten. Ihre gute Laune ließen sie sich auch durch Gehupe und die eine oder andere Beleidigung genervter Pkw-Lenker nicht verderben. „Sei nett zu nervösen Autofahrern“, lautet eine der wenigen Regeln, die auf der Internetseite „cmwue.de“ zu lesen sind.

„Ich radle nicht für mich, sondern für die Stadt“, betonte Manfred Dürr. Seine Botschaft ans Rathaus: „Verändert die Stadt so, dass es auch Autofahrern Spaß macht, das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel zu nutzen.“ Nach einer entspannten und gemütlichen Tour traf die „Critical Mass“ nach eineinhalb Stunden wieder am Residenzplatz ein. Die nächste „Critical Mass“ ist für Freitag, 13. Mai geplant.

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