WÜRZBURG

„Ein Beitrag zur Versöhnung“

Sudetenland im Blick: Alexander Kolbow (v. li.) mit Hendryk Spieker von der tschechischen Bürgerinitiative Antikomplex und Hans-Peter Dörr, Vorsitzender der Ackermann-Gemeinde.
Foto: C. Penning–Lother | Sudetenland im Blick: Alexander Kolbow (v. li.) mit Hendryk Spieker von der tschechischen Bürgerinitiative Antikomplex und Hans-Peter Dörr, Vorsitzender der Ackermann-Gemeinde.

Wie entwickelt oder verändert sich eine Landschaft, wenn die Menschen sie verlassen haben? Wird sie neu in Besitz genommen oder verwaist sie? Wie sich die Landschaft im deutsch-tschechischen Grenzgebiet seitdem die Sudetendeutschen vertrieben wurden, verändert hat, zeigt die aktuelle Ausstellung im Rathaus. Konzipiert wurde sie von der tschechischen Bürgerinitiative Antikomplex.

Die deutsche Geschichte in Böhmen, Mähren und Schlesien aus tschechischer Sicht aufzuarbeiten, ist das Ziel der Initiative, die 1998 von tschechischen Schülern und Studenten gegründet wurde. Seit 2002 wird die Bilderschau von Antikomplex in Tschechien, Polen, Deutschland und Österreich gezeigt. Fotografien aus dem Sudetenland bilden die Grenzregion vor 1945 und in der Gegenwart ab und zeigen den Umbruch in der Kulturlandschaft. Die gegenübergestellten Fotos sollen zur Diskussion anregen. Denn auch heute noch erinnert die Grenzregion an die ehemaligen Bewohner.

Nach Würzburg ist die Ausstellung auf Initiative der Ackermann-Gemeinde gekommen, die sich wie Antikomplex für grenzüberschreitende Versöhnung einsetzt. Als einen „gelungenen Beitrag zur Versöhnung zwischen dem deutschen und dem tschechischen Volk“, bezeichnete Alexander Kolbow, Fraktionsvorsitzender der SPD im Würzburger Stadtrat die Foto-Schau. Kolbow hatte die Eröffnung an Stelle von Oberbürgermeister und Bürgermeistern übernommen, die terminlich verhindert waren. „Nur Erinnerung ermöglicht Versöhnung“, betonte der Stadtrat und erinnerte daran, dass Deutsche und Tschechen in dieser Grenzregion jahrhundertelang zumeist friedlich und in fruchtbarem Austausch zusammengelebt hatten. „Als Partner im vereinten Europa können wir heute wieder daran anknüpfen.“

Eine besondere Keimzelle biete die Städtepartnerschaft zwischen Würzburg und Trutnov, dem tschechischen Trautenau. Der Riesengebirgler-Heimatkreis, die Ackermann-Gemeinde, der Freundeskreis deutsch-tschechischer Versöhnung und die Sudetendeutschen Landsmannschaft sind in Würzburg weiter um die Versöhnung bemüht.

Die Ausstellungseröffnung im Rathaus bildete den Auftakt für ein deutsch-tschechisches Studentenseminar. Jeweils 15 Studenten der Julius-Maximilians-Universität und der Jan-Evangelista-Purkynì-Universität in Usti nad Labem/Aussig in Tschechien beschäftigen sich seit Mittwoch mit dem Thema „Neue Nationalismen – Europäische Einigung“. Am Freitag, 9. Mai, hält Professor Matthias Stickler in diesem Rahmen um 10 Uhr im Rathaus einen Vortrag über „Österreich-Ungarn als Beispiel für die EU? Führt ein Weg von Kleineuropa zur großen EU?“. Der Europaabgeordnete Martin Kastler spricht bei der Veranstaltung im Wappensaal über die EU heute. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft bietet zur Ausstellung eine Lesung an: Am 15. Mai liest Professor Rudolf Jansche im Falkenhaus um 15 Uhr aus seinem, Buch „Damit kein Gras darüber wächst“.

Die Ausstellung „Das verschwundene Sudetenland“ ist im Foyer des Würzburger Ratssaales bis 30. Mai zu sehen: Mo-Do 8-18 Uhr und Fr 8-14 Uhr.

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