Würzburg

Ein Botschafter für den Öko-Landbau

Im Gespräch über den Kartoffel-Anbau: ILE-Sprecher und Waldbrunns Bürgermeister Hans Fiederling, Thomas Schwab vom Bioland-Betrieb „Remlinger Rüben“ und Bernhard Schwab, Fachberater beim Amt für Landwirtschaft Bamberg.
Foto: Herbert Ehehalt | Im Gespräch über den Kartoffel-Anbau: ILE-Sprecher und Waldbrunns Bürgermeister Hans Fiederling, Thomas Schwab vom Bioland-Betrieb „Remlinger Rüben“ und Bernhard Schwab, Fachberater beim Amt für ...

Bei Bio-Kartoffeln gibt es keine herausragenden Sorten. Eine entscheidende Rolle spielt jedoch das Terroir, also der Boden. Wegen der schweren Böden in der Region und vor allem witterungsbedingten jährlich veränderten Voraussetzungen ist Sortenvielfalt beim Anbau von Bio-Kartoffeln Voraussetzung dafür, sich dauerhaft auf dem Markt zu etablieren. Und hier ist der Bio-Landbetrieb „Remlinger Rüben“ von Thomas Schwab in Remlingen bundesweit etwas besonderes. Durch besondere Lagervoraussetzungen ist es dem Bio-Landwirt möglich, ganzjährig Bio-Kartoffeln auf gleich bleibend hohem Qualitätsstandart zu liefern.

Auf die Kühlung kommt es an

Statt der konventionell chemischen oder durch Begasung erzeugten Haltbarkeit setzt Betreiber Thomas Schwab auf eine Lagerung bei konstanten vier Grad Celsius. Erstaunlich dabei: den Großteil der Kühlung übernimmt die Sonne. Denn der zum Betrieb der Kühlaggregate benötigte Strom liefert eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Betriebsgebäudes der „Remlinger Rüben“. Von den jährlich produzierten 440 000 Kilowattstunden (kw/h) an elektrischer Energie werden 260 000 kw/h zur Kühlung benötigt. Der Mehrertrag an elektrischer Energie aus der Fotovoltaikanlage wird ins Netz eingespeist. „Rund“ wird der Bio-Kartoffelanbau im Bio-Landbetrieb Schwab durch eine so genannte Futter-Mist-Kooperation.

Im Vergleich zum konventionellen Anbau reduziert sich der Ertrag beim Anbau von Bio-Kartoffeln auf die Hälfte. Übergrößen werden bei der Ernte ausgesondert zur Weiterverarbeitung in Schälbetrieben, die aus diesen Kartoffeln Pommes oder Chips produzieren. Kartoffeln, die nicht die Norm der Handelsklasse erfüllen, werden darüber hinaus Tafeln überlassen zur Weitergabe an sozial minder Bemittelte. So genannte Futterkartoffeln werden von Schäfereien verwertet und an Schafe verfüttert. Der Mist der Schafe wird unter Zusatz von Pferdemist und Grünschnitt zurückgeführt zur Kompostierung. „Derartige erfolgreiche Betriebe wie die Remlinger Rüben“ sind nach Überzeugung von Bernhard Schwab, Fachberater für ökologischen Landbau beim Amt für Landwirtschaft im Bamberg, „beste Botschafter für den Öko-Landbau“.

Die unterfränkischen Böden sind für den Anbau von Bio-Kartoffeln Herausforderung und Segen gleichzeitig. Trotz des hiesigen geringen Niederschlags speichern diese Böden Wasser hervorragend. Probleme bereitet die außergewöhnliche Bodenbeschaffenheit allerdings bei der maschinellen Ernte. Nach Aussage von Thomas Schwab können Vollernter dabei nur mit halber Geschwindigkeit arbeiten wie die von Mitkonkurrenten in anderen Bundesländern bei siebfähigen, sandigen Böden.

Der Bio-Landbetrieb „Remlinger Rüben“ von Thomas Schwab in Remlingen ist eines von 20 Mitgliedern einer bäuerlichen Liefergemeinschaft in Unterfranken. Sechs dieser Mitgliedsbetriebe sind im ILE-Gebiet „Waldsassengau im Würzburger Westen“ angesiedelt. Nach Überzeugung von ILE-Sprecher und Waldbrunns Bürgermeister Hans Fiederling war dies ein wesentliches Kriterium zur Anerkennung als Öko-Modellregion (im Frühjahr 2015) durch das bayerische Landwirtschaftsministerium. Die ILE wurde im Herbst 2012 unter Beteiligung von 13 Gemeinden aus Altertheim, Eisingen, Greußenheim, Helmstadt, Hettstadt, Holzkirchen, Kist, Kleinrinderfeld, Neubrunn, Remlingen, Uettingen, Waldbrunn und Waldbüttelbrunn gegründet.

Die Arbeitsweise der Öko-Modellregion entspricht nach Aussage von Agrar-Ingenieur Jochen Diener – seit Jahresbeginn 2016 Projektmanager – grundsätzlich der gleichen wie in der Regionalentwicklung. Unterstützung bietet die Öko-Modellregion bestehenden Betrieben bei der Direktvermarktung. Diese sind aufgeführt in einem gemeinsamen Flyer. Im kommenden Jahr soll in Hettstadt ein „Grüner Markt“ organisiert werden. Auch die Organisation von Bildungsveranstaltungen wie Öko-Erlebnistage, Kochkursen, Bio-Radl-Tour, sowie der Begleitung von konkreten Projekten gelten der Bewusstseinsbildung der Öffentlichkeit. Eine weitere Herausforderung sieht Projektmanager Jochen Diener in der Schaffung einer Lagermöglichkeit für Bio-Getreide.

Ein Tag der Öko-Modellregion

Bei einem Tag der Öko-Modellregion Waldsassengau präsentieren sich am 1. Oktober von 13 Uhr bis 18 Uhr Öko-Landbaubetriebe der Öko-Modellregion mit ihren Produkten und Projekten auf dem Bioland-Betrieb der Familie Ramnick in Greußenheim. Angeboten werden neben Infos rund um den Öko-Landbau Mitmach-Aktionen, Kräuter-Workshops und eine Brot-Verkostung.

Bio-Kartoffeln

Der Anbau von Kartoffeln beschränkte sich ab den 1970er-Jahren bis zum Jahrtausendwechsel lediglich auf den Eigenbedarf. Nach den Beobachtungen von Thomas Schwab, Betreiber des Bio-Landbetrieb „Remlinger Rüben“ verkam Unterfranken zur Kartoffel-Diaspora. Öko-Landbau: In den vergangenen Jahren allerdings stieg der Kartoffel-Anbau vor allem unter dem Aspekt des Öko-Landbau in Unterfranken beständig an. Auslöser dafür ist die zunehmende Umstellung von konventioneller Landwirtschaft in Bio-Landbetriebe. Nach Aussage von Schwab eignet sich der Kartoffelanbau als Einstieg dazu besonders. Schädlinge sind in erster Linie regelmäßig auftretende Kartoffelkäfer. Einen gewissen Schutz bietet ein ausreichender Abstand der Flächen von mindestens 500 Metern gegen die Windrichtung zu denen des Vorjahres. Der Bio-Landbetrieb „Remlinger Rüben“ setzt bei der Schädlingsbekämpfung auf Nützlinge wie Marienkäfer, Präparate aus Naturstoffen und Ansaat von Blühstreifen, um Insekten als natürliche Schädlingsbekämpfung Lebensraum zu bieten. Über die Qualität der Kartoffel entscheiden beim Anbau laut Bernhard Schwab, Fachberater beim Amt für Landwirtschaft Bamberg, Standortwahl, Sortenwahl, Fruchtfolge, Bodenbearbeitung und das Legen.
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