Würzburg

Ein Jaensch wächst mit Wachs

Eine Ausstellung in ihrer Heimatstadt Würzburg ist auch für eine fleißige Künstlerin wie Nikola Jaensch etwas Besonderes - hier vor ihrem Bild "Seehaus".
Foto: Joachim Fildhaut | Eine Ausstellung in ihrer Heimatstadt Würzburg ist auch für eine fleißige Künstlerin wie Nikola Jaensch etwas Besonderes - hier vor ihrem Bild "Seehaus".

Nikola Jaenschs Ausstellung "...und Zeit eilt hin zum (W)Ort" öffnet am Samstag in der BBK-Galerie an der Veitshöchheimer Straße. Die Mainzer Künstlerin, aufgewachsen in Würzburg, kombiniert in den meisten ihrer 26 Werke Collage, Zeichnung, Druck und Malerei zu offenen Ganzheiten voller Figuren, Räumen, Schrift.

Fast immer öffnet sich eine Hintergrundebene in der Bildfläche, manchmal auch der Untergrund unter den Füßen des Personals. Das wirkt nie witzig, mitunter gar etwas bedrohlich und stets in Vergangenheit versunken. Letzteres ergibt sich aus dem collagierten Material, historischen Zeitungsausschnitten, Tapetenresten, Stadtplänen oder Schriftstücken. Außerdem verwahrt sie in den Kisten ihres Ateliers eigene Zeichnungen, mit denen sie ursprünglich nichts anfangen konnte. Zwischen allerhand fremden Fundstücken gelagert, treten ihr die alten Skizzen nach Jahren wieder wie neu entgegen und finden plötzlich einen neuen Kontext.

So wächst ihr Werk kontinuierlich, und dann kann es geschehen, dass sie es obendrein wachst. Denn bei einer ihrer Collagetechniken tränkt sie die Papiere in Wachs und bringt sie auf Sperrholzplatten auf. Dabei werden die Partien halbdurchsichtig, auch die darunterliegenden grafischen Elemente können durchschimmern und zu weiteren Schritten animieren.

Ehemaliger Lehrer besuchte die Ausstellung der Künstlerin

"Das ideale Material regt mich dazu an, weiterzuspinnen", sagt die Künstlerin. In dieses organische Verfahren greift sie dann vielleicht mit weiteren Zeichnungen ein. Oder sie übermalt einige Flächen opak: die "Zeit eilt", wie der Ausstellungstitel sagt. Nun ja, allzu schnell geht das nicht, aber in jedem Fall entstehen dabei Räume, also der titelgebende "Ort". Und auch das Wort redet mit, einmal in den eingeklebten Schriftstücken und zum zweiten in der Benennung des fertigen Bilds; die Werktaufe ist für Nikola Jaensch Teil des Schöpfungsprozesses.

Alle Jaenschs hängen unverglast in der Galerie, und das ist sehr gut so. Fällt der Blick nämlich in spitzem Winkel schräg auf die Bildoberfläche, zeigt sich ein seidiger, hier und da stumpf marmorierter Glanz – und kontrastiert mit den fleckigen Arbeitsspuren an den Sperrholzkanten: lauter Spuren des gediegenen Handwerks hinter der Kunst. Wegen des hohen Wachsanteils sollten die Werke nicht in der prallen Sonne hängen, auch wenn sie mit einem Lichtschutzfirnis überzogen sind. Bei Preisen durchweg im vierstelligen Bereich wird der stolze Käufer aber eh vorsichtig sein.

Zur Hängung besuchte Jaenschs früherer Kunsterzieher Jürgen Hochmuth seine Ex-Schülerin, froh und stolz über seinen Lehrererfolg. Der nicht sein einziger ist. Hochmuth erzählte, aus den Kunst-Leistungskursen am Mozartgymnasium hätten 20 Prozent aller Schüler in Kreativberufen Fuß gefasst.

Die Werke sind bis 8. November freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr in der BBK-Galerie zu sehen.

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