Heidingsfeld

Ein Würzburger Daimler in der Wüste

Dust-and-Diesel: Von Würzburg nach Nordafrika – Ein Heidingsfelder nahm an der Benefiz-Rallye teil und spendet Auto und Geld für ein Kinderprojekt.
Stolz präsentieren Holger Marold und Lebensgefährtin Anja Schmälze ihren 124er Mercedes, mit dem sie 6500 Kilometer zurücklegten.
Foto: Thomas Barcatta | Stolz präsentieren Holger Marold und Lebensgefährtin Anja Schmälze ihren 124er Mercedes, mit dem sie 6500 Kilometer zurücklegten.

Was macht ein Auto mit Würzburger Kennzeichen mitten in der staubigen Wüste Afrikas? Diese Frage kann man sich schon stellen, wenn man dem Heidingsfelder Holger Marold in Mauretanien begegnet. Der Orthopädie-Techniker ist einer von 60 Teilnehmern, die Ende Dezember 2016 zu einer Benefiz-Rallye aufbrachen. Mit Abenteurern aus ganz Deutschland startete Marold zusammen mit seiner Lebensgefährtin am ersten Weihnachtsfeiertag die Reise, die er nie wieder vergessen wird.

Ein Oldtimer in spe

Einige Wochen zuvor kaufte sich der afrikaerfahrene Autoliebhaber einen alten weißen 124er Mercedes mit der 250er Dieselmotor-Variante. Nach leichten Reparaturen und dem Einbau einer besserer Federungen, packte Marold den Oldtimer in spe mit Proviant und Konserven bis oben hin voll.

„Das Auto war schon toll und hat die Reise gut überstanden“, erinnert sich Marold mit strahlenden Augen an den Trip. Über Frankreich ging es nach Valencia, Malaga und nach Tarifa, die südlichste Stadt Spaniens. „Dort haben wir uns mit den anderen Teilnehmern getroffen“, sagt Marold. Die Reisegruppe der „Dust-and-Diesel“ Tour lauschte dort den weiteren Anweisungen des Organisators Florian Schmidt.

Der Würzburger leitet seit vielen Jahren jeweils im Mai und im Dezember die Benefiz-Rallye. Der Plan ist, dass alle Teilnehmer ihre Autos in Afrika verkaufen und den Erlös dann an ein Kinderhaus in Nouadhibou, Mauretanien spenden.

Teilnehmer aus der Region

Dieses Jahr waren unter den Teilnehmern zehn Reisende aus dem Raum Würzburg mit dabei. Im Dezember bereits berichtete diese Zeitung über vier Hausener, die sich auf die Rallye vorbereiteten. „Ich habe mein Navi leider schon nach der ersten Etappe verloren“, sagt Holger Marold lachend. Nachdem die Autos mit einer Fähre von Spanien an die Küste Marokkos gebracht wurden, musste die Würzburger Fahrgemeinschaft also mit Landkarten auskommen. „Das war schon eine andere Welt“, erinnert sich der Orthopädietechniker an Marrakesch und die vielen Orte in Marokko und den anderen afrikanischen Ländern. So richtig verfahren hätte er sich selten, versichert er. „In der Wüste verirrten wir uns aber schon manchmal“, sagt Marold schmunzelnd. Dort hätte man vor lauter Staub und Sand kaum das vorausfahrende Auto erkannt.

Ein besonderer Höhepunkt war für den 49-Jährigen ohne Zweifel die Strecke durch Mauretanien selbst. Das von Armut geprägte Land liegt am Atlantik und bietet grenzenlose Strände. Marold und seine Lebensgefährtin Anja Schmälze fuhren direkt am Wasser entlang. „Da wo die Wellen ausliefen, war der Sand fest genug und wir konnten dort hunderte Kilometer entlangfahren“, erinnert sich der Würzburger. Die Reisegruppe musste auf die Ebbe warten und hatte dann auf der Fahrt das einzigartige Panorama zwischen Meer und Sahara. Gerade das Leben der Menschen berührte den Orthopädietechiker besonders. „Die haben nichts und machen trotzdem das beste draus“, sagt er und erinnert sich an ärmlichste Zustände. Aber auch heitere Erinnerungen bleiben ihm. „Am Strand sind uns Kinder begegnet, die einen echten Hammerhai stolz umhertrugen“, so der Würzburger staunend. Auch die Affen und die Warzenschweine auf den Zeltplätzen würde er niemals vergessen können.

In Mauretanien besuchten die Teilnehmer dann auch das Kinderhaus. „Das schönste ist, wenn man seinen Urlaub mit einer guten Sache verbinden kann“, so Marold. Die AEPN Mauretanienhilfe kämpft seit 2006 gegen Kinderarmut und finanziert sich hauptsächlich auch aus den Benefiz-Rallyes der Deutschen. „Ich habe gesehen, wie fröhlich die Kinder waren“, erzählt Marold gerührt. Insgesamt kamen durch den Verkauf der 30 Autos 26 000 Euro zusammen. „Davon kommt die Einrichtung mit ihren 14 Mitarbeitern ein halbes Jahr aus“, weiß Marold.

Eine Tour für den guten Zweck

Er sammelte zusätzlich in Würzburg Spenden und überreichte stolze 1000 Euro an das Kinderhaus. „Für den Mercedes hätten wir uns noch etwas mehr erhofft“, verrät er. Der Händler zahlte knapp 800 Euro für den Wagen. „Es hat schon sehr wehgetan“, sagt Marold über den Verkauf seines Autos. „Er ist mir ans Herz gewachsen“, so der Würzburger weiter. Dennoch habe er ihn für den guten Zweck gerne aus der Hand gegeben.

Einen Sieger gibt es bei den „Dust-an-Diesel“-Fahrten übrigens nie. Ziel ist es, sich immer wieder an den abgemachten Etappenzielen zu versammeln, die Zelte aufzuschlagen und gemeinsam ins Gespräch zu kommen.

Bevor die Teilnehmer ihre Autos tatsächlich abgeben mussten, ging die Reise noch weiter in den Senegal. Nach der letzten Etappe und der Abgabe der Autoschlüssel ging es dann mit dem Flugzeug zurück in die Heimat.

Heimkehr nach Würzburg

Am 20. Januar war Marold zurück in Würzburg. „Das Besondere war, dass wir aus dem weihnachtlichen Winter immer weiter in den Sommer fuhren“, sagt Marold. Schon in Frankreich und Spanien sei es immer angenehmer geworden. „Als wir dann in Afrika waren, war es plötzlich Sommer“, so der 49-Jährige begeistert. „Zurück in Deutschland froren wir bei minus sieben Grad“, erinnert sich Marold an den Kälteschock.

Nach 6500 gefahrenen Kilometern und 25 Nächten im Zelt blickt Holger Marold glücklich auf den mehrwöchigen Urlaub zurück. „Es war sehr anstrengend aber für einen guten Zweck und ich würde es gerne wieder machen.“

Dust-and-Diesel Rallye

Amateurrallye für jedermann: Die Dust-and-Diesel Rallye ist eine Amateurrallye für jedermann, die zweimal jährlich mit Pkw nach Westafrika führt. Am Ende der Fahrt werden die Fahrzeuge verkauft und der Erlös einem Deutsch-Mauretanischen Hilfsprojekt für benachteiligte Kinder in Mauretanien gespendet. Informationen zur Rallye und den Anmeldungen unter: www.dust-and-diesel.com

AEPN heißt (übersetzt) „Organisation zur Unterstützung von Kindern und bedürftigen Eltern“. In Nouadhibou, der zweitgrößten Stadt der islamischen Republik Mauretanien, betreibt der Verein AEPN-Mauretanienhilfe zusammen mit lokalen Projektpartnern eine Kindertagesstätte mit Nachmittagsbetreuung für derzeit 75 Kinder und Jugendliche (von drei bis 14 Jahren). Dieses eigene Haus wurde 2013 gebaut. Infos: www.aepn.de. Für Spenden: AEPN Mauretanienhilfe e.V., IBAN: DE22 7905 0000 0044 9300 48,

BIC: BYLADEM1SWU, Bank:

Sparkasse Mainfranken, Würzburg.

Zwischenstopp: Holger Marold und Anja Schmälze gönnen ihrem alten Mercedes eine Verschnaufpause in der Wüste.
Foto: Thomas Barcatta | Zwischenstopp: Holger Marold und Anja Schmälze gönnen ihrem alten Mercedes eine Verschnaufpause in der Wüste.
Besuch der Teilnehmer im Kinderhaus: Der Erlös der verkauften Rallye-Autos kommt der AEPN Mauretanienhilfe zugute.
Foto: Thomas Barcatta | Besuch der Teilnehmer im Kinderhaus: Der Erlös der verkauften Rallye-Autos kommt der AEPN Mauretanienhilfe zugute.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Heidingsfeld
Nicolas Bettinger
Daimler AG
Oldtimer
Rallyes
Sparkasse Mainfranken Würzburg
Wüstengebiete
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (1)