KÜRNACH

Eine mutige Frau, die nicht nur in Kürnach Geschichte schrieb

Ein Geschenk: Eine Kopie der Tafel, die das alte Pfarrhaus in Kürnach ziert, überreichte Bürgermeister Thomas Eberth Christine Demel zu ihrem 80. Geburtstag.
Foto: Wilma Wolf | Ein Geschenk: Eine Kopie der Tafel, die das alte Pfarrhaus in Kürnach ziert, überreichte Bürgermeister Thomas Eberth Christine Demel zu ihrem 80. Geburtstag.

Als die kleine Frau den Saal betritt, klatschen die Besucher Beifall. Sie geht durch die Reihen, schüttelt Hände, nimmt Glückwünsche entgegen und ist sichtlich bewegt: Christine Demel, Rektorin der Volksschule Kürnach a. D., Europa-Anhängerin, Ortschronistin, Mutter von vier Kindern und Großmutter dreier Enkel, wurde 80 Jahre alt und an ihrem Jubiläum gefeiert.

Zum runden Geburtstag ihrer Ehrenbürgerin hat die Gemeinde einen Empfang im Alten Rathaus organisiert. Über 100 Menschen kamen. Vertreter der örtlichen Vereine und Verbände, des Gemeinderates, der Schule und des Kindergartens wünschten der Kürnacherin Glück.

Christine Demel ist voller Elan und Engagement. „Eine kleine Frau mit einem großen, heißen, europäischen Herzen“, beschreibt sie Anton Halbich, Vorsitzender der Europaunion Kreisverband Würzburg, der 30 Jahre mit ihr zusammenarbeitete. Und: Eine Meisterin der Motivation sei sie zudem. Viel habe sie bewegt, nicht nur für Kürnach, auch für Europa.

Ihre Verdienste um die Erhaltung des Friedens in Europa sind legendär. Wie auch der spektakuläre Einsatz 1950 in Germanshof an der deutsch-französischen Grenze, als sie gemeinsam mit anderen jungen Föderalisten die Zollschranke durchsägte. Das war lebensgefährlich, damit hat sie Geschichte geschrieben, sagt Halbich.

„Menschen wie Sie haben mit mutigen Aktionen eine europäische Einigung erst möglich gemacht“, würdigte Bürgermeister Thomas Ebert die Jubilarin. Darüber hinaus habe sie sich um die Geschichte bemüht und diese den Menschen in ihren zahlreichen Broschüren und Chroniken näher gebracht. Sie habe versucht, die Vergangenheit festzuhalten, zu erforschen und dokumentieren. Bei ihrer Arbeit habe sie stets geschichtliches Wissen und schriftstellerische Begabung vereint, so der Bürgermeister. Auch mit vielen eigenen Kunstwerken, beispielsweise dem Tonrelief im Rathaus, habe sie die Geschichte Kürnachs für die Nachwelt konserviert.

Als Menschenfängerin bezeichnete sie Marita Zeisner von den Steckenpferdreitern, deren Gründerin die im Sudetenland geborene Jubilarin ist. Heute sind die von ihr ins Leben gerufenen Ausstellungen der Hobbykünstler weithin bekannt.

Für MdL Manfred Ländner, der als Bürgermeister viele Projekte mit ihr machte, ist die Pädagogin eine „Botschafterin der Menschlichkeit“.

Für alle Vereine überreichte Jutta Mälzer, Ehrenvorsitzende des Sportvereins, einen gesammelten, finanziellen Beitrag zu Demels aktuellem Projekt. Seit sie 1978 zum ersten Mal in einer alten Flurkarte ein sogenanntes Patriarchenkreuz entdeckte, ließ sie es nicht mehr los, sagt Demel. So beschloss sie zu ihrem 80. Geburtstag, ein solches sechs Meter hohes Doppelkreuz aus Holz errichten zu lassen. Als Dankeschön an alle Kürnacher, die sie vor fast 50 Jahren herzlich aufnahmen. Und als Dankeschön an die Gemeinde, die ihre zweite Heimat wurde.

Den Festakt umrahmten die „Körnier Ruckser“ und die Volkstanzgruppe in Trachten, die die Jubilarin 1981 entworfen hatte.

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