Würzburg/Schweinfurt

Reichen die Niederschläge in Unterfranken?

In den vergangenen Tagen hat es in Unterfranken immer wieder geregnet. Hat das Natur und Landwirtschaft geholfen?
Das Frühjahr ist in Unterfranken aus Sicht der Landwirtschaft viel zu trocken ausgefallen. Nicht für alle Pflanzen wird der Regen des Tiefs im Mai ausreichen, um das auszugleichen.
Das Frühjahr ist in Unterfranken aus Sicht der Landwirtschaft viel zu trocken ausgefallen. Nicht für alle Pflanzen wird der Regen des Tiefs im Mai ausreichen, um das auszugleichen. Foto: Heiko Becker

Seit einigen Wochen ist das Wetter in Unterfranken wechselhaft, immer wieder ziehen Regenschauer auf. Für die Natur sind die Niederschläge immens wichtig, denn die vergangenen Monate waren – den Februar ausgenommen – viel zu trocken. Doch reicht der Regen aus, um damit sich Pflanzen erholen und die Landwirte der Region aufatmen können?

Schlechte Ernte in Aussicht

Für einige Pflanzen sei der Regen definitiv zu spät gekommen, sagt Stefan Köhler, der unterfränkische Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV): "Die Winterkulturen wie Raps, Weizen und Gerste werden das ertraglich nicht mehr aufholen." Künftiger Regen könne zwar beim Wintergetreide noch für schwerere, volumiösere Körner sorgen. Die Schäden durch das trockene Frühjahr könne das aber nicht mehr wettmachen. Auch insgesamt betrachtet geht der BBV für das laufende Jahr von einer schlechteren Ernte als im langjährigen Mittel aus. Wie stark die Einbußen sein werden, sei aber noch nicht absehbar, so Köhler.

Dennoch habe die Landwirtschaft von den Regenfällen profitiert, sagt er. Insgesamt seien am vergangenen Wochenende durchschnittlich etwa 30 Millimeter Niederschlag in Unterfranken gefallen – und das recht gleichmäßig verteilt in allen Regionen. Mais und Zuckerrüben, die erst vor einigen Wochen gesät wurden, können durch den Regen besser aufgehen und wachsen. "Bleibt das Wetter jetzt wechselhafter, haben diese Sommerkulturen noch das Potenzial für normale Erträge", sagt Köhler.

Wurzeln sterben ab

Auch die Wälder in der Region haben massiv unter der Frühjahrstrockenheit gelitten. Peter Naumann spricht von einer katastrophalen Lage. "Nach vier bis sechs Wochen ohne Niederschläge erleiden die Bäume nachhaltige Wurzelschäden", sagt der Forstingenieur des Bergwaldprojekts. Diese seien zwar meist nicht irreversibel, doch bis abgestorbene Feinwurzeln wieder nachgewachsen sind, dauere es  Jahre. Deshalb seien die Folgen einer Trockenperiode erst sehr verzögert erkennbar, sagt Naumann. Der Regen der vergangenen Woche reiche für einen langfristigen Effekt deshalb nicht aus.

Ein weiterer Faktor verschärft die Situation zumindest im Raum Würzburg zusätzlich. "Die Böden sind hier sehr steinig und bestehen zu 40 Prozent aus Ton. Das für Pflanzen verfügbare Wasser ist deshalb gering", erklärt Naumann. Bei stärkerem Regen, laufe das Wasser auf diesen Böden zudem einfach ab. Um die Situation des heimischen Waldes nachhaltig zu verbessern, sei wechselhaftes Wetter mit wiederkehrenden Niederschlägen über Wochen hinweg notwendig. Mit Blick auf die vorangegangenen sehr trockenen Sommer hält Naumann eine solche Wetterlage jedoch für unwahrscheinlich.

Zu viel Feuchtigkeit schadet Wein

Genügend Niederschlag spielt – besonders in den Frühjahrsmonaten – auch für den Weinbau in Unterfranken eine wichtige Rolle. Allerdings seien besonders ältere Rebstöcke auch nicht so anfällig für Trockenstress, sagt Daniel Heßdörfer, Leiter der Forschungskoordination am Institut für Weinbau und Oenologie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg). Einen Vorteil, den die Rebe gegenüber einer Obstplantage hat, ist Heßdörfer zufolge ihr intensives Wurzelwachstum: "Dadurch sind auch tiefere Bodenregionen erschlossen."

Bisher hat der Wein in der Region das trockene Frühjahr deshalb gut überstanden. Weitere Regenfälle seien zwar wünschenswert, zu viel Feuchtigkeit in den kommenden Monaten könnte sich jedoch sogar nachteilig auswirken, erklärt Heßdörfer. Denn das begünstige etwa Pilzkrankheiten. "In den Sommermonaten hoffen die Winzer sogar auf moderat trockenes Wetter", sagt der Fachmann.

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