Würzburg

Erinnerung an Völkermord als Zeichen der Versöhnung

Michael Stolz vom Interreligiösen Gesprächskreis, der bosnische Imam Zahir Durakovic und Pfarrer Klaus Beurle (von links) riefen dazu auf, die Erinnerung an das Massaker von Srebrenica als Mahnung und Zeichen der Versöhnung wach zu halten.
Michael Stolz vom Interreligiösen Gesprächskreis, der bosnische Imam Zahir Durakovic und Pfarrer Klaus Beurle (von links) riefen dazu auf, die Erinnerung an das Massaker von Srebrenica als Mahnung und Zeichen der Versöhnung wach zu halten. Foto: Interreligiöser Gesprächskreis

25 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica hatte der Interreligöse Gesprächskreis zu einer Gedenkstunde auf dem Platz der Versöhnung eingeladen. Eine große Schar bosnischer und deutscher Teilnehmer - Muslime und Christen - konnte Michael Stolz vom Interreligiösen Gesprächskreis dazu vor der Stephanskirche begrüßen, so eine Pressemitteilung. 

Stimmgewaltig eröffnete der bosnische Imam Zahir Durakovic die Gedenkstunde mit einer Koran-Rezitation. Darin ging es um die Klagen der Menschen und das Erbarmen Allahs. Wie es damals dazu kommen konnte, dass über 8200 muslimische Jungen und Männer von bosnisch-serbischen Verbänden dahingemetzelt wurden, stellte der Impuls von Michael Stolz klar: „Der Internationale Gerichtshof hat das als Völkermord eingestuft, der unter den Augen von UNO-Blauhelmen und der Weltöffentlichkeit passierte.“ 25 Jahre danach versammle sich hier eine Versöhnungsinitiative, die die Gräben zwischen den früher verfeindeten Nachbarn zuschütten wolle, so Stolz. „Und wir tun das in aller Unterschiedlichkeit der Religionen und Herkünfte.“

Zwiespältige Rolle der Religionen

In einem zweiten Impuls legte Pfarrer Klaus Beurle die zwiespältige Rolle der Religionen dar, die einem plötzlich ausbrechenden ethnischen Nationalismus gegenüberstanden. Er führte aus: „Die Serben als Nachfolger des Osmanischen Großreiches und des zerfallenden jugoslawischen Nationalstaats wollten sich als die Größten und Mächtigsten ausgeben.“ Aus dieser Hybris heraus seien Hass und Zerstörungswut entstanden. Die Religionen trügen bis heute nichts oder zu wenig dazu bei, dass es in Bosnien-Herzegowina endlich, gegen die Indifferenz des Westens, zur Versöhnung und zu einem gerechten, zukunftsfähigen Frieden kommen könne.

Christen und Muslime trafen sich am Platz der Versöhnung vor der Stephanskirche zum Gedenken an das Massaker von Srebrenica vor 25 Jahren.
Christen und Muslime trafen sich am Platz der Versöhnung vor der Stephanskirche zum Gedenken an das Massaker von Srebrenica vor 25 Jahren. Foto: Interreligiöser Gesprächskreis

Bosnische Stimmen kamen von Erma Ljajic und anderen Mitgliedern der bosnisch-islamischen Gemeinschaft Würzburg. Darin kamen neben dem trauernden Andenken an die Opfer Bitten um Versöhnung und Frieden zum Ausdruck. Am Schluss sprachen Imam und Pfarrer gemeinsame Fürbitten, in denen sie für die Stärkung Europas als Mittel zur Überwindung alter Feindschaften beteten.  

Versöhnung statt Vergeltung

In einem Gespräch danach bekräftigte Zahir Durakovic sein Anliegen: „Wichtig ist, dass wir nicht vergessen und die Erinnerung bewahren. Die Einteilung der Menschen nach Nationen hat keine Zukunft. Srebrenica war der Ort eines grausamen Verbrechens, Srebrenica ist aber auch ein Name für Versöhnung. Es hat keine Vergeltungsmaßnahmen gegeben. Und so ist Srebrenica auch die Hoffnung auf Frieden.“

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