Estenfeld

Estenfelder stimmen über die Zukunft der Kartause ab

Nach dem Brand in der Estenfelder Kartause Engelgarten am Dienstagmorgen ist das Areal gesperrt. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Bürger entscheiden nun am 29. April über die Zukunft des Gebäudes.
Foto: Angie Wolf | Nach dem Brand in der Estenfelder Kartause Engelgarten am Dienstagmorgen ist das Areal gesperrt. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Bürger entscheiden nun am 29. April über die Zukunft des Gebäudes.

Selten war bei einer Gemeinderatssitzung in Estenfeld die Stimmung so gedrückt wie am Dienstagabend. Nach dem Brand im Wirtschaftshof der Kartause Engelgarten am Dienstagmorgen stimmte das Gremium mit 9:7 dafür, dem Bürgerbegehren gegen das Rathaus in der Kartause ein Ratsbegehren gegenüberzustellen. Nun haben die Estenfelder und Mühlhäuser am Sonntag, 29. April, die Gelegenheit, sich entweder für ein Rathaus oder eine Ausbildungsstätte für das Handwerk zu entscheiden.

Eingangs sprach Bürgermeisterin Rosi Schraud allen Einsatzkräften ihren Dank aus. „Die Zusammenarbeit aller Beteiligten lief reibungslos, sie haben Schlimmeres verhindert.“ Sie selbst war vom Feuerwehrkommandanten Konrad Hasch früh morgens informiert worden und eilte zur Brandstelle. Mittlerweile hat die Kripo die Ermittlungen aufgenommen. Das Areal darf nicht betreten werden, denn es wird von Brandstiftung ausgegangen.

Die von verschiedenen Medien geäußerte Vermutung, es gebe einen Zusammenhang mit der Debatte über die Kartause, „sieht hier bei uns niemand, und es kann und darf auch nicht sein, dass hier jemand unseren Streit nutzt und ihn auf diese Art und Weise befeuert“, sagte Schraud.

Gemeinsamer Neuanfang

Es sei eigentlich „das wertvollste Gebäude des Areals, seine Ursubstanz, unwiederbringlich zerstört worden“, fuhr Schraud fort, „wir wollen es wieder restaurieren, aber es ist ein ganz wichtiger Teil der Geschichte der Kartause zerstört.“ Dann appellierte sie an alle Seiten: jeder solle die von ihm favorisierte Nutzung beiseitelegen. „Wir sollten gemeinsam und mit den Bürgern neu anfangen und eine Nutzung finden, die alle mittragen.“ Unter dem Punkt „Bekanntgabe“ teilte Schraud später mit, dass bei der Bürgerversammlung in Estenfeld am Dienstag, 20. März, auch der Verfasser des Nutzungskonzeptes, Michael Hauck, anwesend sein wird. Die Bürger wurden von der Bürgermeisterin ermuntert, zahlreich zu erscheinen, „damit Sie Informationen aus erster Hand bekommen, und Sie dürfen auch kritische Fragen stellen“.

Archäologen fanden Kanäle aus der Barockzeit

Die Debatte über das von der UWG-Fraktion beantragte Ratsbegehren (Rathaus in der Kartause) verlief, mit Ausnahme eines kleinen verbalen Geplänkels zwischen den Fraktionssprechern Albin Wolz (CSU) und Günther Grimm (SPD) sehr sachlich. Lisa Krein, kommissarische Geschäftsführerin der Verwaltungsgemeinschaft (VG), erklärte zuvor Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen Rats- und Bürgerbegehren in Bezug auf die Mitgliedschaft der Gemeinde und die Verlegung der Geschäftsstelle der VG.

Für eine Verlegung der Geschäftsstelle müsse ein „dringendes öffentliches Bedürfnis vorliegen, und die Verwaltungsversammlung der VG2“ müsse darüber beschließen. Ihren ursprünglichen Plan, über mögliche Kosten für einen Umbau des Gebäudes in der Kartause zu berichten, musste Krein aufgeben. „Schon nach einem Meter Tiefe fanden die Archäologen Grundwasser- und Abflusskanäle aus dem barocken Zeitalter, ein Festtag für die Archäologen“, so Krein.

Weil zwei Tage nach dem Entscheid der 1. Mai ist und der Montag von vielen als Brückentag genutzt würde, plädierte Ulrike Roth (CSU) auf eine Vorverlegung um eine Woche. Krein bat den Rat, das nicht zu machen. „Wir arbeiten in der Verwaltung ohnehin schon am Anschlag, den Entscheid müssen wir ganz alleine stemmen und demnächst gehen noch Mitarbeiter in Elternzeit – wir brauchen diese eine Woche Entschleunigung“, so Krein.

Rund um Bürgerentscheid und Ratsbegehren

Am Sonntag, 29. April (8-18 Uhr) sind zwei Wahllokale geöffnet: die Mittelschule in Estenfeld und das Dorfgemeinschaftshaus in Mühlhausen. Findet dort eine private Feier statt, wird die alte Schule das Wahllokal. Weiterhin ist eine Briefwahl möglich. Die Verwaltung erstellt einen Vordruck für die beiden Fragen des Bürgerentscheids und des Ratsbegehrens.

Die Fragestellung des Bürgerbegehrens lautet: „Sind Sie dafür, dass die Sanierung der Gebäude und des Areals des ehemaligen Wirtschaftshofs der Kartause Engelgarten und die Entwicklung als Kultur- und Begegnungszentrum nach dem vorliegenden Nutzungskonzept erfolgen und insbesondere nicht für den Neubau eines Rathauses genutzt werden soll?“

Die Fragestellung für das Ratsbegehren lautet: „Sind Sie dafür, dass bei der Sanierung des ehemaligen Wirtschaftshofes der Kartause Engelgarten ein Kultur- und Bürgerzentrum mit integriertem barrierefreiem Verwaltungsgebäude (Rathaus) geschaffen wird und insbesondere keine Ausbildungsstätten für das unterfränkische Handwerk mit Übernachtungsmöglichkeiten und Kantine entstehen?“

Jede der beiden Fragen ist mit Ja oder Nein zu beantworten. Zusätzlich gibt es eine Stichfrage, in der die Wahlberechtigten entscheiden müssen, ob sie in der Kartause lieber ein Rathaus oder eine Ausbildungsstätte für das Handwerk haben wollen.

Laut Gemeindeordnung ist eine Begründung für ein Ratsbegehren nicht notwendig, und es muss am selben Tag abgehalten werden wie auch der Bürgerentscheid (Sonntag, 29. April, 8 bis 18 Uhr).

Als Wahlleiter wählten die Räte mehrheitlich auf Vorschlag von Bürgermeisterin Rosi Schraud den VG-Kämmerer Frank Fiebig, als seinen Stellvertreter den Leiter des Einwohnermeldeamtes, Bertram Eydel. Beide, so Schraud, würden den Respekt der Mitarbeiter der Verwaltung und des Gemeinderates genießen und über genügend Erfahrung mit Wahlen aller Art verfügen. gch

Der Wirtschaftshof ist zerstört. Die Gemeinde will den teil aber wieder restaurieren lassen.
Foto: Angie Wolf | Der Wirtschaftshof ist zerstört. Die Gemeinde will den teil aber wieder restaurieren lassen.
Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Estenfeld
Guido Chuleck
Archäologen
CSU
Frank Fiebig
Handwerk
Rosi Schraud
SPD
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!