Würzburg

Fastenbrechen: Fest der Geselligkeit wird zum Fest der Einkehr

Das dreitägige Fest der Muslime zum Ende des Ramadan ist abermals von der Pandemie überschattet. Unsere Autorin durfte trotzdem einige der Süßigkeiten probieren.
Der reich gedeckte Tisch, wie hier bei Mamdouh aus Syrien und seiner Mutter, bildet in jeder Familie den Mittelpunkt der drei Festtage des Fastenbrechens.
Foto: David Catalunya | Der reich gedeckte Tisch, wie hier bei Mamdouh aus Syrien und seiner Mutter, bildet in jeder Familie den Mittelpunkt der drei Festtage des Fastenbrechens.

Die einen feierten Vatertag, die anderen Christi Himmelfahrt. Und wieder andere feierten das Fest des Fastenbrechens: Für Muslime endete am Donnerstagmorgen der Fastenmonat Ramadan mit der Feier des zweitgrößten Festes im islamischen Kalender – in Deutschland bekannt als Zuckerfest.

„Das ist eine Übersetzung aus dem Türkischen, wo das Fest manchmal wegen des vielen süßen Gebäcks so genannt wird. Für uns Syrer hat das Fest nichts mit Zucker tun“, erklärt mir Mamdouh, der mit seiner Mutter im Umkreis von Würzburg feiert – getrennt von seinen vielen Geschwistern, die auch in der Region leben. „Es ist das Fastenbrechen, das drei Tage lang dauert.“

Mamdouh aus Syrien erklärt die Bräuche zum Fastenbrechen am Ende des Ramadan.
Foto: David Catalunya | Mamdouh aus Syrien erklärt die Bräuche zum Fastenbrechen am Ende des Ramadan.

Auch bei Mamdouh und seiner Mutter gibt es selbstgebackene Baklava – gerollte Süßigkeiten aus Honig, Mandeln und Pistazien im Blätterteig, die wir in Deutschland oft als türkisches Gebäck kennen. Ich darf probieren und kann dabei einen Blick auf den gedeckten Tisch werfen: Es gibt Obst in Fülle, kleine Leckereien aus Pistazien, Schokolade und viel Kaffee. Dieser Tisch bildet während des Festes den Mittelpunkt des Zusammenseins.

Die drei Festtage werden sonst zu gleichen Teilen auf Familie, Verwandte und Freunde aufgeteilt

Das Fastenbrechen ist ein geselliges Fest, das auch diesmal wegen der Pandemie viel stärker auf den Kreis der Familie fokussiert ist als sonst. Die drei Festtage werden normalerweise zu gleichen Teilen auf Familie, Verwandte und Freunde aufgeteilt, die einander gegenseitig besuchen gehen. „Wir sind angehalten, dieses Jahr nicht alle Verwandten zu besuchen. Außerdem dürfen wir unsere Gebete zuhause machen“, sagt Mamdouh.

Für das morgendliche große Gebet am ersten Festtag mit hunderten Gläubigen musste man sich dieses Jahr in der Moschee anmelden. In Würzburg etwa wurde zu drei verschiedenen Zeiten gebetet, um den Coronaauflagen gerecht zu werden. Der Ramadan ist der Monat, in dem Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fasten und erst danach eine Mahlzeit zu sich nehmen dürfen. Das Fest steht am Ende dieser Anstrengung, beinhaltet aber noch eine andere Pflicht: Vor der Feier soll gespendet werden an die Ärmeren. Dies wird oft von den Gemeinden organisiert, pandemiebedingt findet auch die Spendenorganisation dieses Jahr meist privat statt. Anstelle eines Besuchsfestes mit Kaffee und Süßem ist es heuer eher ein Fest der Einkehr.

Der neue Monat im islamischen Kalender beginnt mit dem Neulicht der Mondsichel

Der Zufall wollte es, dass das Fest des Fastenbrechens 2021 auf einen deutschen Feiertag fiel, so dass sich Muslime nicht extra Urlaub nehmen mussten. Kurios mag erscheinen, dass bis Dienstagabend noch nicht endgültig entschieden war, ob das Fest nun auf Mittwoch oder auf Donnerstag fallen würde: Der neue Monat im islamischen Kalender beginnt mit dem Neulicht der Mondsichel nach dem Neumond. Ausschlaggebend ist die tatsächliche Sichtung des Mondes, weshalb immer wieder Abweichungen und kurzfristige Planänderungen vorkommen.

Ramadan ist der neunte von zwölf Monaten im islamischen Kalender, mit dem Fastenbrechen beginnt der zehnte: „Unser Fastenmonat rückt jedes Jahr zehn bis zwölf Tage nach vorne, weshalb wir im Laufe unseres Lebens mal im Sommer und mal im Winter fasten. Wegen der vielen Sonnenstunden ist das Fasten im Sommer fordernder als im Winter, und so gleichen sich die Fastenzeiten der Muslime auf die Dauer eines Lebens betrachtet auf der ganzen Welt aneinander an“, erklärt Mamdouh die Wechselwirkung zwischen westlichem Sonnen- und islamischem Mondkalender. Kinder, Schwangere und Stillende sind vom Fasten ausgenommen, das Fastenbrechen findet allerdings für alle statt.

Die Vorbereitungen für das Fest waren diesmal besonders schwierig

Auch auf das größte islamische Fest kommen wir zu sprechen: Hadsch, das Opferfest, das immer genau acht Wochen nach dem Fastenbrechen stattfindet. Es dauert sogar fünf Tage und bewegt sich ebenfalls im Sonnenkalender nach vorne. Dieses Jahr wird es Mitte Juli stattfinden.

Zurück zum Fastenbrechen: Ein großes Fest braucht auch viel Vorbereitung. Nisreen, Schwester von Mamdouh, und ihr Mann Majid, die mit ihren Kindern ebenfalls im Umkreis von Würzburg wohnen, erzählen, dass die Anschaffungen dieses Jahr sehr herausfordernd waren. Für die Kinder gibt es nämlich Geschenke, und das Neueinkleiden vor dem Fest konnten Nisreens Kinder kaum erwarten: „Wir mussten für die Festtagskleidung dreimal nach Würzburg fahren, denn die Öffnungszeiten der Geschäfte sind anders und die Terminbuchungen sehr schwierig.“

Ein Satz, der dieser Tage oft fällt: „Durch Corona ist alles sehr schwierig.“ Der Gastfreundschaft der Familie jedoch kann Corona nichts anhaben, denn ich darf eine ganze Schale Baklava mit nach Hause nehmen – zum Teilen mit meiner Familie.

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