Würzburg

Feinstaub: Dicke Luft in Würzburg

Die Messstation am Stadtring Süd in der Nähe der Kreuzung Rottendorfer Straße. Hier wurden bis zum Donnerstag bereits 19 der jährlich zulässigen 35 Überschreitungen des Grenzwertes für Feinstaub  festgestellt.
Foto: Thomas Obermeier | Die Messstation am Stadtring Süd in der Nähe der Kreuzung Rottendorfer Straße. Hier wurden bis zum Donnerstag bereits 19 der jährlich zulässigen 35 Überschreitungen des Grenzwertes für Feinstaub festgestellt.

Mit 90 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Atemluft im Tagesmittelwert hat Würzburg an diesem Mittwoch den Rekord in Bayern aufgestellt, und die Messungen im Verlauf des Donnerstags deuteten auf eine Überschreitung dieses Wertes. Um 12 Uhr wurden 148 Mikrogramm gemessen. Bis zu diesem Donnerstag ist der zulässige Feinstaub-Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an der Messstation Stadtring Süd nahe der Kreuzung Rottendorfer Straße in diesem Jahr bereits 19 mal überschritten worden. Das heißt, in den ersten sechs Wochen des Jahres ist über die Hälfte der jährlich 35 zulässigen Überschreitungen erreicht worden.

„Die Situation in diesem Jahr ist stark wetterabhängig“, erläutert ein Sprecher des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz (LfU) in Augsburg, das die Messstellen betreibt und auswertet. 2017 habe bislang eine ausgeprägte und lang anhaltende Inversionswetterlage die ersten Wochen bestimmt.

Wie ein Deckel über der Stadt.

Bei einer solchen Inversionswetterlage liegt eine warme Luftschicht über einer kalten und bildet so eine sogenannte Inversionsschicht, die wie ein Deckel über der Stadt im Talkessel liegt und einen Luftaustausch verhindert. Im Jahr 2011 waren so die Höchstwerte in der Stadt Würzburg sogar in 36 Fällen überschritten worden.

„Seit 2012 konnten wir die 35 Tage in Bayern aber flächendeckend einhalten“, so der Sprecher weiter. „Allerdings kommen solche Inversionswetterlagen vor allem im Winter vor. Wie es sich in diesem Jahr entwickelt, müssen wir jetzt sehen.“

Schon in den ersten sechs Wochen des Jahres.

Denn ein Vergleich der Messwerte der vergangen fünf Jahre auf der Webseite des Umweltbundesamtes zeigt nämlich, dass es zwar in den Vorjahren ähnliche Überschreitungswerte gegeben hatte. Diese hatten sich in der Summe zumeist aber auf die Wintermonate des Frühjahrs und Herbstes verteilt und waren nicht, wie in diesem Jahr, schon in den ersten sechs Wochen des Jahres gezählt worden.

An der höher gelegenen Messstation an der Kopfklinik, im sogenannten vorstädtischen Bereich, sind in diesem Jahr erst sieben Überschreitungen gemessen worden. Insgesamt allerdings ist der Mittelwert der Belastung nach Daten des LfU an der Messstation Stadtring Süd in den vergangenen zehn Jahren nur um 0,1 Mikrogramm zurückgegangen.

Ein LKW-Fahrverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen.

Um unter anderem die Feinstaubbelastung in der Stadt zu verringern, hatte der Stadtrat Anfang 2016 für den vierspurigen Stadtring Süd ein LKW-Fahrverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen mit wenigen Ausnahmen erlassen. Dort rollen täglich rund 55 000 Fahrzeuge über den Stadtring. Auch für den Stadtring Nord hatte der Stadtrat dieses Verbot Mitte Dezember 2016 beschlossen, die entsprechenden Sperrschilder sollen nun zeitnah aufgestellt werden, so Rathaussprecher Christian Weiß.

„Solche Fahrverbote für Lkw über 3,5 Tonnen sind zum Beispiel in der Fortschreibung des Luftreinhalteplanes (LRP) durch die Regierung enthalten“, so Weiß weiter. Weitergehende Fahrverbote aufgrund überhöhter Feinstaubwerte könne die Stadt Würzburg nicht erlassen, auch wenn die Höchstzahl der zulässigen Überschreitungen erreicht werde. „Wir können dann nur an die Autofahrer appellieren.“

Umweltzonen sind kein Allheilmittel.

Eine Umweltzone sei auch eine der im Rahmen des LRP diskutierten Maßnahmen.„Diese gelten aber nicht mehr als Allheilmittel“, so Weiß. Denn seit ihrer erstmaligen Einführung vor rund 15 Jahren seien die Autos moderner und sauberer geworden. „Die sind also nicht mehr so wirksam wie damals.“

Die Regierung von Unterfranken arbeite derzeit zusammen mit der Stadt Würzburg an der zweiten Fortschreibung des LRP. Dieser Plan werde eine Vielzahl an geeigneten Maßnahmen enthalten, um die Luftgüte in der Stadt zu verbessern. Klar sei dabei, so Weiß weiter, dass keine Einzelmaßnahme zum Erreichen des Zieles ausreichen werde, sondern nur ein Bündel von Maßnahmen zu einer nachhaltigen Verbesserung der Situation führen werde.

Bürger der Stadt können sich äußern.

„Der Entwurf zur Fortschreibung des Luftreinhaltplanes soll bis zum Frühjahr dieses Jahres vorliegen, damit die städtischen Gremien sich mit ihm befassen können“, berichtet Johannes Hardenacke, Sprecher der Regierung von Unterfranken, auf Anfrage. Im Anschluss daran werde auf jeden Fall eine Öffentlichkeitsbeteiligung stattfinden, bei der die Bürger der Stadt Gelegenheit erhalten sollen, dazu Stellung zu nehmen.

Eine Wiederinbetriebnahme der Messstation an Kardinal-Faulhaber-Platz hatte das LfU wiederholt abgelehnt, hatte Umweltreferent Wolfgang Kleiner vor kurzem im Stadtrat berichtet. Die Ablehnung wurde damit begründet, dass die Stationen Stadtring Süd und Kardinal-Faulhaber-Platz von 2006 bis 2011 parallel betrieben worden waren, so Kleiner weiter.

Deutlich unterhalb der Grenzwerte.

In dieser Zeit seien die Belastungen mit Stickstoffdioxid am Kardinal-Faulhaber-Platz um etwa 25 Prozent unter den Belastungen gelegen, die für den Stadtring Süd ermittelt worden seien und stets deutlich unterhalb der Grenzwerte. Stattdessen wird das LfU Mitte dieses Jahres den Stahlblechcontainer am Stadtring durch den Waschbetoncontainer vom Kardinal-Faulhaber-Platz ersetzen.

Inzwischen seien durch das LfU auch an drei Standorten der Stadt Passivsammler für Stickstoffdioxid aufgestellt und im Dezember 2016 mit den Messungen begonnen worden. Diese laufen bis Ende dieses Jahres. Einer der Standorte liegt in der Theaterstraße. Dort sind nach den Ergebnissen der Feinstaubuntersuchung und der detaillierteren Modellierung des LfU die höchsten Belastungen im direkten Innenstadtbereich zu erwarten.

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