GROMBÜHL

Finnische Folklore und heißer Tango

Das Felix-Fechenbach-Haus war bis auf die Notplätze gefüllt, als der Schirmherr Oberbürgermeister Georg Rosenthal die 27. Auflage des Würzburger Jazz-Festivals eröffnete. Er unterstrich in seinem Grußwort die stilistische Vielfalt und hohe Qualität der lokalen und regionalen Jazz-Szene, aus der immer wieder überregional bekannte Stars, wie zuletzt etwa Michael Wollny, entwachsen seien.

Gerade diesen regionalen Schwerpunkt hat die veranstaltende Jazz-Initiative in diesem Jahr wieder in den Vordergrund gerückt, ohne dabei die Verbindungen zur bundesweiten Jazz-Szene und der internationalen Jazz-Welt zu vernachlässigen.

Beispielhaft verdeutlichte das bereits der Festival-Opener, das „Hubert Winter Quartett“. Kitzingen, Bad Kissingen und München sind die Wohnorte der drei Musiker Bernhard Pichl (Klavier), Wolfgang Kriener (Bass) und Bastian Jütte (Schlagzeug) um den vielfach preisgekrönten Würzburger Ausnahmesaxophonisten Hubert Winter, der sein Können zuletzt mit einem Stipendium in den USA perfektionierte. Ihr Programm „Round about Piazzolla“ verbindet auf faszinierende Weise Tango und Jazz: Aus den Kompositionen Astor Piazzollas, des weltberühmten Erneuerers der Tango-Kultur, entwickelte das Quartett einen hinreißendes, sich geradezu in die Gehörgänge einschmeichelndes Repertoire, das die düster-melancholischen mit den poetischen Elementen versöhnt. Gelungener hätte der Einstieg ins Festival kaum sein können.

Der Würzburger Elektrobassist Georg Kolb und der Münchner Saxophonist Wolfgang Roth sind die führenden Köpfe des Projektes „Conference of the Birds“, das beim Hafensommer 2010 erstmals auf der Bühne stand. Und wie es sich für eine ordentliche Konferenz gehört, nehmen jeweils unterschiedliche Musiker an ihr teil, mit unüberhörbaren Auswirkungen auf die entstehenden Klangbilder. Das Septett, bei zwei Songs zusätzlich verstärkt durch die Sängerin Carola Thieme, ist auf dem besten Weg als „United Jazz- and Rockensemble Würzburg“ ein neuer musikalischer Botschafter der Stadt zu werden.

Wildes Grenzgängertum, überbordende Spielfreude und eine gehörige Portion Ironie sind die Markenzeichen der höchst flüggen Jung-Vögel, die der auch als launiger Moderator agierende Georg Kolb im Felix-Fechenbach-Haus versammelt hat: neben den Genannten sind es der eigenwillige wie virtuose Drumm-Frickler Gerwin Eisenhauer als skurriler Publikumsliebling, der Pianist und Keyboarder Werner Goldbach und die drei in Jazz-Formationen eher selten Instrumente Cello (Eugen Bazijan), Cymbal (Michael Leontchik) und Posaune (Michael Buttmann).

Dafür, dass es nicht zu wohlig wird, hatte die nachhaltig arbeitende Programmkommission der Jazz-Initiative zum Ausklang des Samstagabends den in Berlin lebenden, leicht exzentrischen Finnen Kalle Kalima verpflichtet. Er spielte einst in der Band „Baby Bonk“ des Ex-Würzburgers Martin Klingeberg, kam jetzt aber mit dem Leipziger Kontrabassisten Oliver Potratz und dem Nürnberger Schlagzeug-Maniac Oliver Steidle nach Würzburg. Im Trio „Klima Kalima“ heizten sie dem Publikum mächtig ein – mit einer brodelnden Mixtur aus finnischer Folklore, traurigem Blues, schrägem Rock-Jazz und live ertrommelten, fiebernden Technorhythmen, hinter deren nur scheinbarer Monotonie jederzeit der nächste Break herausbrechen kann. Es ist das Überraschende, das Unvorhersehbare, das Anarchische, das „Klima Kalima“ auszeichnet: Material von Jimi Hendrix über Beatles bis zu finnischen Polkas verarbeiten sie zu einem wunderbar schrägen,gelegentlich auch rotzigen Programm, dessen intensivem Drive sich niemand entziehen konnte.

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