Würzburg

Spannend wie ein Hitchcock-Film: "Schupmann Collection" im Kulturspeicher:

Der Arzt Michael Schupmann besitzt rund 700 Schwarz-Weiß-Fotografien. Das Museum im Kulturspeicher Würzburg zeigt eine Auswahl – und der Sammler erzählt dazu Geschichten.
Michael Schupmann im Museum im Kulturspeicher Würzburg. Eine Auswahl seiner Sammlung wird hier in der Ausstellung 'Schupmann Collection - Fotografie in Westdeutschland' bis 25. Oktober präsentiert.
Michael Schupmann im Museum im Kulturspeicher Würzburg. Eine Auswahl seiner Sammlung wird hier in der Ausstellung "Schupmann Collection - Fotografie in Westdeutschland" bis 25. Oktober präsentiert. Foto: Daniel Biscan

Michael Schupmann ist nicht nur ein leidenschaftlicher Sammler, er ist auch ein unterhaltsamer Erzähler. Das sei doch wie in einem Hitchcock-Film, sagt er beim Rundgang im Museum im Kulturspeicher in Würzburg. Dort wird eine Auswahl von 200 Fotografien präsentiert, die Schupmann in vielen Jahren zusammengetragen hat: die "Schupmann Collection". Insgesamt umfasst die Sammlung des Bad Hersfelders 700 meist analog aufgenommene Schwarz-Weiß-Bilder.

Schupmann, von Beruf Arzt, deutet auf eine Fotografie an der Wand. Ja, die Szenerie ist voller Spannung, auch ein wenig unheimlich - wie bei Hitchcock. Zwei Kinder schauen aus der Heckscheibe eines Autos. Am Himmel fliegen schwarze Vögel am weißen Himmel. Sie spiegeln sich in der blank polierten Karosserie. Verena von Gagern hat das Foto 1979 in Sylt aufgenommen.

"Entscheidend ist, wie wir es sehen, wie es dargestellt ist, nicht nur was wir sehen."
Fotografie-Sammler Michael Schupmann

Auch eine andere Schwarz-Weiß-Fotografie wirkt wie ein Film-Still. Dieses Mal befindet sich der Fotograf im Inneren des Autos. Sein Blick geht durch die Windschutzscheibe auf ein entfernt stehendes weißes Fahrzeug mit geöffneter Türe. Eine Person steigt gerade aus. Dunkle und helle Wolken tauchen die Umgebung in ein geheimnisvolles Zwielicht. Heinrich Riebesehl hat seinem Foto keinen Titel gegeben. Nichts lenkt die Fantasie ab. Was geschieht hier gleich? "Es gibt 1000 Möglichkeiten", meint Michael Schupmann. "Entscheidend ist, wie wir es sehen, wie es dargestellt ist, nicht nur was wir sehen."

Charlotte March: Donyale Luna mit Goldohrringen für twen (1966 / 1999); die Fotografie gehört zur Sammlung von Michael Schupmann.
Charlotte March: Donyale Luna mit Goldohrringen für twen (1966 / 1999); die Fotografie gehört zur Sammlung von Michael Schupmann. Foto: Foto C. March, Courtesy Deichtorhallen/Sammlung Falckenberg

Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt der Nachkriegsfotografie und der wichtigsten künstlerischen Strömungen. Vertreten sind etwa die Bereiche "Mode", "Dokumentarfotografie", "Reportage", "Subjektive Fotografie" oder "Sachfotografie". Mit der "Konkreten Fotografie" gibt es zudem eine Verbindung zur "Sammlung Peter C. Ruppert - Konkrete Kunst in Europa nach 1945" im anderen Flügel des Museums im Kulturspeicher. In diesem Bereich weicht Schupmann von seinem Prinzip ab und verweist auf die wenigen nicht-analogen Werke seiner Sammlung: "Digitale Partituren" von Andreas Müller-Pohle. Eine Ausnahme bildet auch dessen Serie "Hong Kong Waters" - in Farbe.

Heinrich Riebesehls und Verena von Gagerns Werke gehören zum Visualismus. Es sind keine Schnappschüsse. Riebensehl hätte etwa 25 Abzüge gemacht, "bis er das Foto so hatte wie er es wollte", erzählt Schupmann. Licht, Kontraste, all das seien wichtige Elemente. 

Verblüffende Ähnlichkeiten in den Fotografien von Claudia Fährenkemper

Die chronologisch aufgebaute Schau beginnt dokumentarisch mit Hilmar Pabels "Heimkehrer am Bahnhof" von 1947. Erst jüngst erworben hat Schupmann Konzeptfotos von Claudia Fährenkemper von 2009 und 2011. Sie zeigen– nebeneinander gestellt – verblüffende Ähnlichkeiten im Großen wie im Kleinen. So wirkt nicht nur das Muster auf dem Panzer eines Kugelkäfers wie das Vorbild für die Ziselierung auf einer Ritterrüstung. Auch die Form des Käfers wiederholt sich im Visier.

Blick in die Ausstellung 'Schupmann Collection - Fotografie in Westdeutschland' im Museum im Kulturspeicher. An der Wand: Fotos von Peter Keetman (1916-2005).
Blick in die Ausstellung "Schupmann Collection - Fotografie in Westdeutschland" im Museum im Kulturspeicher. An der Wand: Fotos von Peter Keetman (1916-2005). Foto: Daniel Biscan

Besucher der Ausstellung werden zudem viel Bekanntes entdecken. Ikonen der Fotografie wie etwa "Nackte in der Pappkartonstadt" von Will McBride aus dem Jahr 1968. Ebenso Mode-Klassiker von F.C. Gundlach oder Charlotte March, Highlights der Dokumentarfotografie von Bernd & Hilla Becher (1965) oder eine Auswahl der Pressefotografin Barbara Klemm (FAZ).

Den Amateurfotografen und Fotografie-Liebhaber Schupmann interessierten immer auch die Geschichten hinter den Bilder. Seit der Tübinger Studienzeit in den 1970er Jahren war sein Sammeln  persönlich geprägt. Zu fast allen Fotografen seiner Sammlung suchte der Arzt den Kontakt, bei vielen Fotokünstlern war er privat zu Gast, hat sie porträtiert. Auch wenn er zu fast allen Fotografien Geschichten kennt - alles will er nicht erzählen, sondern "ein Geheimnis bei den Bildern lassen." Einiges aber verrät er doch: in Kurzvideos unter www.kulturspeicher.de.

Die Ausstellung "Schupmann Collection. Fotografie in Westdeutschland" ist bis zum 25. Oktober im Museum im Kulturspeicher in Würzburg zu sehen: Di 13-18, Mi 11-18, Do 11-19, Fr/Sa/So 11-18 Uhr. Wer einen Teil der Ausstellung mit nach Hause nehmen möchte: Der opulente Katalog macht's möglich.

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