Würzburg

Gedenken an den Deutschen Krieg von 1866 in Greußenheim

Auftaktveranstaltung in Greußenheim: Karen Heußner, Landrat Eberhard Nuß, Ursula Engert, Edgar Martin, Thomas Rützel, Kerstin Celina, Hans-Jürgen Fahn, Karin Kuhn, Schirmherr Regierungspräsident Paul Beinhofer, Alexander Bagus, Ralf Hessel, Volkmar Halbleib und Referent Dirk Kränzlein.
Foto: Herbert Ehehalt | Auftaktveranstaltung in Greußenheim: Karen Heußner, Landrat Eberhard Nuß, Ursula Engert, Edgar Martin, Thomas Rützel, Kerstin Celina, Hans-Jürgen Fahn, Karin Kuhn, Schirmherr Regierungspräsident Paul Beinhofer, ...

Im Gedenken an die kriegerischen Auseinandersetzungen des Bruderkriegs von 1866 fanden in Eisingen, Greußenheim, Helmstadt, Neubrunn, Uettingen und Waldbüttelbrunn über das gesamte Wochenende an den damaligen Kriegsschauplätzen Veranstaltungen statt. Organisiert war das Ganze von einem übergeordneten Arbeitskreis.

„Am Dialog führt kein Weg vorbei, weil Kriege keine Probleme lösen.“
Paul Beinhofer Schirmherr

Die Auftaktveranstaltung in der Geisberghalle in Greußenheim bezeichnete der Schirmherr, Regierungspräsident Paul Beinhofer, als „einen wichtigen Beitrag zur geschichtlichen Aufarbeitung des Krieges von 1866 und für eine Erinnerungskultur, die sich auf unsere Wurzeln besinnt und ein friedvolles Zusammenleben in Europa zum Maßstab allen Handelns macht.“

Denn sinnloses Blutvergießen war auch 1866 untrennbar verbunden mit den kriegerischen Auseinandersetzungen. Gerade durch die Ereignisse der letzten Wochen werde die Bevölkerung mit Kriegsfolgen durch Vertreibung, Flucht und Terror konfrontiert.

Zu den Gästen der Auftaktveranstaltung in Greußenheim gehörten auch Landrat Eberhard Nuß und die Landtagsabgeordneten Kerstin Celina (Grüne), Hans-Jürgen Fahn (Freie Wähler) und Volkmar Halbleib (SPD) „Am dauerhaften Dialog führt kein Weg vorbei, weil Kriege keine Probleme lösen, sondern neue schaffen, und ohne Sinn unschuldige Menschenleben kosten“, sagte Beinhofer.

Musikalisch feierlich umrahmt wurde die Veranstaltung vor 250 Gästen vom Saxophon-Quintett „Sax Emotion“.

Begründet waren die kriegerischen Auseinandersetzungen im Jahr 1866 in der Rivalität zwischen Preußen und Österreich. Es ging um die Vorherrschaft im Deutschen Bund. Rund um die Gemeinden Helmstadt, Waldbrunn und Mädelhofen lag am 25. und 26. Juli 1866 das Schlachtfeld, auf dem es zum entscheidenden Aufeinandertreffen kam. 50 000 Mann des Deutschen Bundes unter dem Vorsitz Österreichs und die preußische Mainarmee standen sich im so genannten Bruderkrieg gegenüber.

Der Sieg der Preußen hatte letztlich die Auflösung des Deutschen Bundes zur Folge. Der beträchtliche Blutzoll des Sieges innerhalb der preußischen Mainarmee betrug rund 3000 Tote, Verletzte und Vermisste. Mit rund 4000 Toten unter dem 7. Bundeskorps der Bayern und weiteren 4200 des verbündeten 8. Bundeskorps waren die Verluste auf der Gegenseite noch weitaus höher. Mit ihren Vorderladerwaffen waren die Soldaten des deutschen Bundes trotz zahlenmäßiger Überlegenheit den moderneren, bis zu dreifacher Feuergeschwindigkeit ausgerüsteten Hinterladern der Preußen weit unterlegen.

Am Tag nach der entscheidenden Schlacht waren am 27. Juli 1866 Teile der Würzburger Festung Marienberg auf Geheiß des Befehlshabers der preußischen Mainarmee, General von Manteufel, in Brand geschossen worden. Im Pfarrhaus in Eisingen wurde am 1. August 1866 ein Waffenstillstand beschlossen, der einen Tag später in Kraft trat.

Drei Vorträge gab es bei der Veranstaltung in Greußenheim: Dirk Kränzlein sprach über Entstehung und Ursachen des Krieges von 1866, Historiker Alexander Bagus schilderte den Kriegsverlauf in Süddeutschland und Thomas Rützel berichtete über die Auswirkungen, speziell in Greußenheim.

Die Gemeinde Greußenheim lag mitten im Aufmarschgebiet und war dennoch nur Nebenkriegsschauplatz. Hier war ein Zentraldepot geschaffen worden. Deshalb wurden an einem Tag 300 Ochsen nach Greußenheim getrieben und hier geschlachtet, berichtete Thomas Rützel. Das Pfarrhaus diente als Brot-Magazin. Bis zu sieben Soldaten waren je Haus im Ort unterzubringen.

„Der ganze Ort glich einem einzigen Lazarett.“
Thomas Rützel Referent

Vom Verbandsplatz bei Neubrunn wurden die Verwundeten nach Greußenheim gebracht. „Der ganze Ort glich einem einzigen Lazarett“, schilderte Rützel. Noch nach dem 26. Juli fanden Kämpfe statt.

„Neben den Opfern durch die Gefechte waren auch noch weitere, durch die von den Preußen aus dem Hamburger Hafen übertragene Cholera, zu beklagen“, berichtete Thomas Rützel Seine Ausführungen gründete er auf Überlieferungen von Theodor Seubert, einem Sohn des damaligen Ortsvorstehers Michael Seubert.

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