Würzburg

Geldstrafe für rechtsextreme Archäologin

Es war heftig, was eine 29-Jährige auf ihrem google-Account geschrieben hat. Da wurden Muslime mit „Kötern“ verglichen, da wurde der Holocaust geleugnet, da wurden dunkelhäutige und homosexuelle Menschen verunglimpft, da wurde ein Hakenkreuz veröffentlicht – und es wurden Kommilitonen der Frau, die nach eigenen Angaben damals an der Universität ihren Master in Archäologie machte, als „Pfannkuchengesicht“ und „Neuzeit-Faschisten“ bezeichnet.

Nun ist die 29-Jährige vor dem Amtsgericht Würzburg angeklagt. Volksverhetzung, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Beleidigung wirft die Staatsanwaltschaft ihr vor.

Internet als Agitationsplattform

Aus ihrer rechtsextremen Gesinnung macht die Angeklagte aus Würzburg auch im Prozess kein Hehl. „Ich hab ein Problem damit, dass die Flüchtlinge hier sind“, sagt sie. Sie sei Sportlerin und traue sich kaum noch, ihrem Hobby nachzugehen, „weil jede Woche eine Joggerin vergewaltigt“ werde. Was den Holocaust angehe, so sei ihr klar, dass „Judenverfolgungen stattgefunden haben“.

Dass es sechs Millionen Opfer gegeben habe, bezweifle sie aber. „Ich studiere Archäologie“, sagt sie, „ich kann sachlich recherchieren“. Die 29-Jährige bestreitet auch, ein Hakenkreuz gepostet zu haben. Das sei eine „Swastika“ gewesen, sagt sie, ein Glückssymbol des Hinduismus. Dann behauptet sie, man lege ihr „was in den Mund“.

Zu den Beleidigungen ihrer Kommilitonen steht sie. Sie habe „offenbar Gefühle verletzt“. Und das bereue sie „aus tiefstem Herzen“. Auch wenn die Fachschaftsvertretung der philosophischen Fakultät der Uni Würzburg sich gegen sie „zusammengerottet“, sie in „ein Büro gelockt“ und dort auf ihr „rumgehackt“ habe. Im Internet sei sie nicht mehr aktiv. „Ich habe meinen letzten Blog vor drei Wochen eingestellt“, sagt sie. Bei Facebook und den „mainstream-Medien“ sei sie „schon lange gesperrt“. Ein Kripobeamter bestätigt, dass der Link, unter dem sie gehetzt hatte, jetzt unter einem anderen Namen geführt werde. Bislang, so der Beamte, sei die Frau in der rechten Szene, „bei Pegida oder dergleichen nicht auffällig“ gewesen. Sie hat auch keine Vorstrafen.

Nach der Zeugenaussage des Polizisten wird die Angeklagte schnippisch.„Ich habe meinen politischen Kompass dabei“, sagt sie zur Richterin, „da bin ich links unten angesiedelt“. Dann tut sie kund, dass sie nichts von der AfD halte und die Grünen als „rechtsautoritär“ ansehe.

Der Staatsanwalt bescheinigt der 29-Jährigen eine „rechtsextreme Gesinnung“. Sie nutze das Internet „als Plattform für ihre Agitation“ – und auch wenn sie ihre Veröffentlichungen „pseudointellektuell verbrämt“, handele es sich dabei um „bloße Hetze“. Sein Antrag: Acht Monate Freiheitsstrafe, zur Bewährung ausgesetzt – und 120 Stunden soziale Hilfsdienste.

Auf Plädoyer pampig reagiert

Die Archäologin reagiert pampig: „Haben Sie mir überhaupt zugehört?“, fragt sie aufgebracht den Staatsanwalt, „rede ich chinesisch?“. Sie habe doch „Sachen richtig gestellt“. Während die Richterin das Urteil schreibt, schmiert sie sich die Lippen mit Glos ein und schaut auf die Uhr. Das Amtsgericht verurteilt die 29-Jährige zu einer Geldstrafe von 125 Tagessätzen zu je 25 Euro, insgesamt 3000 Euro.

Ein Tagessatz entspricht einem Dreißigstel des Nettomonatseinkommens. Die Frau hatte angegeben, dass sie als „geringfügig Beschäftigte“ in einem Kosmetiksalon „750 bis 800 Euro“ verdiene. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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