Würzburg

Geograf Schenk: „Parkplätze gibt es ausreichend“

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„Schade, dass keine Vertreter der Gegenseite da sind, wir hätten gerne mit ihnen diskutiert“, sagte Aljoscha Labeille vom Aktionsbündnis „Grüner Platz am Theater“ am Ende der Info-Veranstaltung mit Verkehrsexperten Tilman Schenk. In der Tat wäre es interessant gewesen, was die Befürworter des Ratsbegehrens „Grüner Platz: Innenstadt für alle“ der Darstellung entgegengesetzt hätten.

Denn Schenk, gebürtiger Würzburger, Agenda-21-Mitstreiter und Geografie-Professor an der Uni Wuppertal, nahm die Pläne von OB Christian Schuchardt und der Stadtratsmehrheit aus CSU, SPD, FDP-Bürgerforum, FWG und WL am Montagabend vor rund 100 Besuchern in den Greisinghäusern kritisch unter die Lupe. Die Stadt plant, den Faulhaber-Platz teils zu begrünen, teils zu bebauen und mit einer Tiefgarage zu unterkellern. Für Schenk ist die Tiefgarage der falsche Weg.

42 Prozent aller Wege per Auto

„Städte haben die Wahl“, erklärte der Geograf, „entweder sie investieren in den Autoverkehr oder in den ÖPNV, in Fußgänger- und Radwege.“ Durch Studien seien die Auswirkungen belegt: Je mehr der ÖPNV ausgebaut werde, desto mehr Leute fahren Bus oder Straba.

In Würzburg sei das nicht passiert. Die Folgen: „Heute werden 42 Prozent aller Wege in der Stadt mit dem Auto zurück gelegt. Vor zehn Jahren waren es noch 36 Prozent.“ Gleichzeitig gingen – im Gegensatz zum bundesweiten Trend – die Fahrgastzahlen der Straßenbahn zurück.

Deshalb bräuchte es Investitionen in Radwege, ÖPNV und Park&Ride statt in eine neue Tiefgarage. „Auf kurz oder lang werden alle Städte Maßnahmen ergreifen müssen, um die Feinstaubbelastung zu verringern“, prognostizierte Schenk.

„Parkplätze gibt es ausreichend in der Würzburger Innenstadt“, hat Schenk errechnet: Mit 7800 Stellplätzen plus 1000 auf der Talavera liegt die Stadt an der Spitze vergleichbarer Großstädte. Der Wegfall der rund 70 Parkplätze auf dem Faulhaber-Platz macht nur ein knappes Prozent aus. „Die Erreichbarkeit der Innenstadt ist also nicht gefährdet.“

„Wenn die Stadt schon eine neue Tiefgarage will, dann nicht an dieser Stelle“, sagte Schenk. Denn die Feinstaubbelastung sei in Theaterstraße und rund um den Faulhaber-Platz extrem hoch. 800 Busse und 13 000 Autos würden diesen Bereich täglich passieren. Durch eine Tiefgarage würde man diesen Zustand langfristig zementieren.

Dass eine neue Tiefgarage den Parksuchverkehr reduziere, glaubt Schenk nicht: „Der richtet sich vor allem auf Oberflächenstellplätze.“ Wer eine Tiefgarage ansteuere, findet einen Platz. „Nur die Marktgarage ist oft voll, ansonsten gibt es auch zu den Spitzenzeiten freie Stellplätze.

“ So seien zum Beispiel der Residenzplatz höchstens zu 80 Prozent ausgelastet und das Parkhaus hinter dem Theater in der abendlichen Spitze mit maximal 70 Prozent.

Schadstoffbelastung verringern

Die Zahlen lieferte Schenk die WVV sowie die Stadt. Er wertete in Auftrag gegebene Gutachten zum Parkraumtarifkonzept (2013), zum Integrierten Klimaschutzkonzept (2012) und zur Feinstaubuntersuchung (2014) aus. Eigene Untersuchungen erstellte der Geograf nicht.

Für das Aktionsbündnis, das mit dem Bürgerentscheid 2 einen echten Park und keine Tiefgarage am Faulhaber-Platz will, ist das Thema Verkehr zentral. „Denn nur mit einer Reduzierung des Autoverkehrs können wir die Belastung der Innenstadt mit Schadstoffen verringern“, erklärte Sprecher Jörg Töppner: „Uns geht es um die Gesundheit der Menschen die dort leben, arbeiten oder einkaufen.“

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