Gerbrunn

Gerbrunns Jugend bekommt 365-Euro-Ticket komplett erstattet

Die Linie 14 verbindet Gerbrunn mit der Stadt: Die Jugend im Ort soll künftig kostenlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren dürfen.
Foto: Jörg Rieger | Die Linie 14 verbindet Gerbrunn mit der Stadt: Die Jugend im Ort soll künftig kostenlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren dürfen.

Seit Wochen steht das sogenannte APG-365-Euro-Ticket auf Tagesordnungen in den Gemeinderatssitzungen in der Region, so auch in Gerbrunn. Dabei geht es darum, dass das für den öffentlichen Nahverkehr zuständige Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg zusammen mit den Gemeinden eine solche Jahresbusfahrkarte für Schüler und Auszubildende ab dem Schuljahr 2021/22 bezuschussen will.

Rund 40 Orte haben bisher für das vom KU vorgeschlagene Modell gestimmt, dass beide Seiten jeweils 100 Euro jährlich dazugeben – und ein Eigenanteil von 165 Euro bei den Jugendlichen verbleibt. Drei Gemeinden, darunter Rimpar, machen nicht mit.

Der Gerbrunner Rat hat sich am Montagabend als Erstes dafür entschieden, die kompletten restlichen Kosten von 265 Euro jährlich zu übernehmen.

Bürgermeister ist gegen komplette Kostenübernahme

Bürgermeister Stefan Wolfshörndl (SPD) hatte zuvor mit deutlichen Worten davon abgeraten. Bei aktuell etwa 165 Auszubildenden und Schülern in Gerbrunn (Anm. der Red.: die nicht unter die Kostenfreiheit des Schulweges fallen) müsste man jährlich 42 400 Euro in die Hand nehmen. "Wenn man damit erst einmal anfängt, dürfte es schwierig sein, wieder auszusteigen, wenn die Finanzlage noch angespannter werden sollte."

Die 7000-Einwohner-Gemeinde ist relativ gering verschuldet, auch wenn sie in den letzten Tagen ein Darlehen von 1,7 Millionen Euro aufgenommen hat. "Ein weiteres Problem ist, dass wir den zusätzlichen Zuschuss wohl selbst über das Rathaus auszahlen müssten", erklärte Wolfshörndl, der auch der SPD-Fraktion im Kreistag vorsteht. "Ich würde empfehlen, die breite kommunale Familie an dieser Stelle nicht zu verlassen."

Das alles brachte die Mehrheit der Räte nicht von ihrer Linie ab. Vertreter der Freien Wähler und der Grünen sprachen sich beherzt für die komplette Kostenübernahme aus. "Die Schüler und Azubis sollten uns das wert sein. Ich denke, dass es auch nur dann angenommen wird, wenn es nichts kostet", sagte etwa Wolfgang Stier (FWG). Auch sein Fraktionssprecher Reinhard Kies fand: "Städte wie Bologna haben längst eine Vollfinanzierung des ÖPNV. Es braucht eine Abkehr vom Pkw – und dafür müssen wir die Jugend gewinnen."

Zwölf Räte entschieden dafür, acht dagegen

Wolfshörndl wandte ein, dass Gerbrunn nicht Bologna sei – und man Gemeinden nicht mit Städten vergleichen dürfe. "Es handelt es sich im Übrigen um eine rein freiwillige Leistung der Gemeinden. Die Träger des Nahverkehrs sind in Deutschland die Städte und Landkreise", so der Gerbrunner Bürgermeister. Sein Fraktionskollege Stephan Herbst ergänzte: "Ich finde es bedarfsgerecht, wie vorgesehen die 100 Euro dazuzugeben. Die Jugend ist erwachsen genug, um zu entscheiden, ob sie ÖPNV fährt und den Eigenanteil übernimmt." Für solche Familien, die sich das nicht leisten könnten, gebe es bereits andere Unterstützungsleistungen.

Sarah Kehr (Grüne) wollte gerade in diesen Corona-Zeiten und wegen des Klimawandels das Zeichen gesetzt wissen, das 365-Euro-Ticket komplett zu übernehmen. Letztlich entschieden sich zwölf Räte dafür, acht dagegen. Damit bezuschusst Gerbrunn als erste Gemeinde im Landkreis die Busfahrkarte künftig auf Antrag vollständig. Die Laufzeit des Vertrages mit dem KU soll stets ein Schuljahr betragen.

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