Würzburg

Gerda Enk und Rohit Singh im Spitäle

Gerda Enk und Rohit Singh stellen im Spitäle aus.
Foto: Joachim Fildhaut | Gerda Enk und Rohit Singh stellen im Spitäle aus.

400 Pfützenfotos schieben sich in einer schwungvollen Kurve über den Boden der Würzburger Kunsthalle Spitäle. Wirkten sie nicht so ernst, könnte man sie für eine Parodie auf Kalender mit schönen monatlichen Landschaftsbildern halten. Tatsächlich könnten sich einige Aufnahmen der neuen Ausstellung „Enk Singh Pfütze (Installation)“ auch in diesem Rahmen sehen lassen. Die Reflektion eines schwedischen Altweibersommers etwa ist auf ihre Weise ebenso schön wie die schwarzweißen Foto-Grafiken aus Krakau.

Doch was hilft’s, Bedeutung haben die verschütteten Bilder am Boden eher in ihrer Gesamtheit denn als einzelnes Motiv. Das Ganze heißt schließlich Installation und muss mit den weiteren Elementen im Raum zusammen betrachtet werden.

Als Urheber sind Enk und Singh ausgewiesen. Die Winterhausener Künstlerin Gerda Enk ist bekannt für ihre visuellen Konzepte, Foto- und Schriftüberarbeitungen. Rohit Singh stellte sich bei der Vernissage am ersten März-Freitag als Rapper mit indischem Hintergrund vor. Seine Handschrift tragen auch die beiden Schrifttafeln, die sich schwarz auf weiß als vorletzte an jeder Spitäle-Seitenwand gegenüberhängen. Singhs Texte sind nicht vollständig zu entziffern, aber einige Stichwörter wird man nicht nur lesen, sondern auch in Zusammenhang bringen; in den biografischen eines indischen Kinds, das in einem deutschen Dorf aufwächst, und in Zusammenhang mit der umgebenden Installation – letzteres etwa durch das wiederkehrende Wasser-Motiv. Vom Fußballplatz am Bach sind es nur wenige Schritte zu dem Eisenbecken und den schwarzlackierten Flaschen im Würzburger Spitäle. Dann wieder Schrift, extra deutlich: „Ich bin eine Pfütze Immer wenn es regnet“.

Text-Ausdrucke am Boden, vermischt mit den Fotos, geben ebenfalls Bezüge zu den neun Schriftbildern an den Wänden. Diese Bezüge sind für Außenstehende allerdings nicht leicht nachvollziehbar. Man muss sich schon von Gerda Enk erklären lassen, dass sie während ihrer Münchner Studienzeit intensive Besuche im KZ von Dachau machte. Und man muss erkennen, dass die erste Wandtafel links das Porträt eines Dachau-Insassen zeigt. Dann entspinnen Assoziativlinien ein immer dichteres Netz durch das komplette Werk.

„Sie müssen!“, antwortet Gerda Enk im Brustton der Überzeugung auf die Frage: „Muss ich als Betrachter das eigentlich alles verstehen oder darf ich selber denken?“ Selber denken also! Das ist gut zu wissen.

Und auch dieses, dass das Künstlerpaar Singh und Enk bei der gemeinsamen Konzeption der „Pfütze“ viele Menschen fragten, was ihnen spontan zum Titelwort einfällt. „Hüpfen“ sei die signifikant häufigste Antwort gewesen. Davon ließen sich die beiden nicht beeindrucken. Sie hüpften nicht durch den Park von Verdun, der die Bombentrichter in Teiche verwandelte, sondern fragten eher schwermütig, ob diese Löcher auch Pfützen seien. Die letzte schwarze Schrifttafel links zeigt übrigens das historische Foto mit einer Menschenreihe am Rand eines solchen Kraters.

Das muss man nicht wissen. Man soll selbst assoziieren. Das kann am Ende nicht richtig befriedigend sein, soll es aber auch nicht.

Die Ausstellung im Spitäle dauert bis 25. März. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr.

 

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Würzburg
Joachim Fildhaut
Ausstellungen und Publikumsschauen
Installationen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)