Würzburg

Gericht: „Gelogen, aber mit hohem Unterhaltungswert“

Mit einem knappen Kilo Drogen erwischte die Polizei einen Mann an der Rastanlage Riedener Wald. Vor Gericht präsentierte der Angeklagte phantasievolle Erklärungen.

Zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren ist ein Mann aus Hamburg von einer Großen Strafkammer des Landgerichts Würzburg wegen Drogengeschäften verurteilt worden. Am Ende des Prozesses machten die Richter dem 26-Jährigen ein ungewöhnliches "Kompliment": Er habe drauflos gelogen, "aber mit hohem Unterhaltungswert". Das konnte allerdings nicht strafmildernd berücksichtigt werden.

Eine Pinkelpause an der Rastanlage Riedener Wald West an der A 7 war der Grund dafür, dass der Fall in Würzburg verhandelt wurde: Mehr zufällig kontrollierte eine Fahndungsstreife einen Pkw mit Hamburger Kennzeichen, fand in einem Rucksack auf dem Beifahrersitz ein Päckchen mit einem Kokaingemisch, knapp ein Kilogramm, und von da an hat der Angeklagte dann, davon waren die Richter überzeugt, Geschichten erzählt.

Er sei als Zusteller unterwegs gewesen, für einen Mann in Hamburg, von dem er nur den Vornamen kennt, sagte der Angeklagte. Für den sollte er ein Päckchen zu einem "Kunden" in Konstanz bringen, der an dem Tag um 14 Uhr vor einer Bank wartend auf und abgehen würde. Für den Mann aus Hamburg habe er die Fahrt unternommen, weil der ihm 10.000 Euro geliehen hatte, dafür wären ihm 2000 Euro  von der Schuld abgezogen worden.

Eine ganze Woche lang nur Suppe gegessen?

Nach der Festnahme baten die Polizeibeamten ihre Hamburger Kollegen, sich mal in der Wohnung des Angeklagten umzuschauen. Die fanden 26.670 Euro in bar, und als das Gericht meinte, das müsse aus Drogengeschäften stammen, sagte der Angeklagte "nein": Das habe er unter anderem durch den Export von Gebrauchtwagen nach Afrika verdient, es habe sich bei dem angespartem Geld um die erste Rate für den Kauf einer Zuckerfabrik in Thailand gehandelt. Von dort aus wollte er nämlich Zucker nach Afrika exportieren.

Die hohe Summe, die der Angeklagte zuhause bunkerte, sei auch, so sein Anwalt, auf eine sehr bescheidene Lebenshaltung zurückzuführen, und der Mandant nannte ein Beispiel dafür: Wenn er Suppe kochte, dann immer eine so große Menge, dass es für eine ganze Woche reichte. Mit Drogen habe er weder gehandelt, noch welche konsumiert. Dafür, dass beim Durchsuchen der Wohnung kleine Rauschgiftmengen gefunden wurden sowie eine Feinwaage und Tütchen, typisches Dealer-Gerät, hatte er sofort eine Erklärung: Gelegentlich leide er unter starken Magenbeschwerden. Da habe er dann immer einen Tee angesetzt, zwei Gramm Pfefferminze und zwei Gramm Marihuana, danach sei er wieder für einige Zeit beschwerdefrei gewesen.

Papiere für sieben Alias-Namen

Das Gericht konnte nicht sicher sein, dass die Personalien des Angeklagten stimmen, ein Personenfeststellungsverfahren läuft noch. Er hat Dokumente für insgesamt sieben Alias-Namen sowie zwei Staatsangehörigkeiten, mit unterschiedlichen Geburtsdaten, wechselnden Vor- und Familiennamen, aber: Bei allen Pässen handelte es sich um Originalpapiere und nicht um Fälschungen.

Nach der  Urteilsverkündung ging es dem Angeklagten vor allem darum, dass er möglichst schnell in die bei Gericht und Straftätern nur als "Santa Fu"  bekannte Justizvollzugsanstalt nach Hamburg verlegt wird: Damit die Lebensgefährtin und das gemeinsame Kind ihn regelmäßig besuchen können. Die lange Fahrt über die Autobahn nach Würzburg wollte er den beiden nicht zumuten, noch dazu, weil sie dann an der Raststätte  Riedener Wald vorbeifahren müssten, die ihm kein Glück brachte.

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