WÜRZBURG

Gesucht: Leichen, Mörder und Kommissare

Alter Hase: Heike Geißner
| Alter Hase: Heike Geißner

Ein geköpfter japanischer Tourist liegt zu Füßen des Heiligen Kilian auf der Alten Mainbrücke, ein stadtbekannter Frauenheld treibt leblos im Main und der Hofkellerwinzer und Entdecker der Weinrebe als Potenzmittel Ernst Mostberger wird als Leiche im Weinberg gefunden. Skurril sind die Fälle, die die Ermittler des „Dadord Würzburch“ zu lösen haben. Der konsequent fränkische Ableger des Hochglanz-Fernseh-„Tatorts“ ist hier Kult.

Dies sieht auch Stefan Schmitt so, einer von 67 Kandidaten, die sich zum Vorsprechen für eine der Rollen im Hofbräukeller eingefunden haben. Der junge Mann, der beruflich sein Geld als Krankenpfleger verdient, hat sich bestens auf seine Rolle vorbereitet. Auf die Frage „Haben Sie schon einmal vor der Kamera gestanden?“ hin, muss er mit den Schultern zucken. Auf „Haben Sie schon was von uns gesehen?“ kommt es jedoch wie aus der Pistole geschossen: „Na klar, ich habe alle Filme im Kino angeguckt und die DVDs stehen zu Hause.“ Besonders die absurden Storys faszinieren ihn.

Allein die Personen, die den ganzen Tag über im Hofbräukeller vorsprechen, bieten genug Stoff für eine ganze „Dadord“-Staffel. Da ist die zwölfjährige Schülerin, die die Mutter geschickt hat und die als Zicke in der Schultheater-AG schon Bühnenerfahrung gesammelt hat, oder der „Berufskomparse“ (Christian Kelle) mit Charakterkopf, der bereits eine ganze Liste von Film-Auftritten vorzuweisen hat, seine Rolle aber so leise lispelt, dass selbst das Hörgerät auf Anschlag nichts mehr bringt. „Den könnte man in eine Polizeiuniform stecken“, kommentiert Kameramann Bastian Samfaß. Von rechts: „Erstmal eine haben.“ Eine andere Kandidatin hat ihre Großfamilie mitgebracht. Ein dreijähriges Kind, das sich wie Oscar fühlt, und ein Schoßhündchen, das immer mal wieder dazwischen kläfft.

Jeder Prüfling muss einen Fragebogen ausfüllen. Name, Vorname, Haarfarbe und Schuhgröße. Schwieriger wird es bei „Sprachen/Dialekte“, ob man auch für „Nachtdrehs“ zur Verfügung steht oder bei der Frage „Würden Sie sich auch nackt filmen lassen?“ Ein wenig Sex & Crime gehört freilich zu jeder „Dadord“-Produktion von Radio Rimpar.

Aber, nein – Schmuddelfilme drehen die Damen und Jungs von Radio Rimpar natürlich nicht. Zumindest nicht solche Sachen, wie die, die eine junge, talentierte Schauspielerin in Österreich erlebt hat. Ihr Agent hatte ihr ein Engagement dorthin vermittelt. Doch was ihr als Sprung zu einem Schauspielstudium in Berlin erschien, entpuppte sich als Luftschloss, der vermeintliche Regisseur als vorbestrafter Sexualstraftäter.

Bei Radio Rimpar geht es seriöser zu, die acht Juroren blicken teils ernst, teils demonstrativ gelangweilt drein, während einer nach dem anderen auf dem in der Mitte des Raums aufgestellten Stuhl Platz nimmt.

Nach dem Vorsprechen sparen sie nicht mit Kommentaren wie „Die hat sich gedacht, sie kommt halt mal vorbei“, „interessiert und freundlich“ oder „Bei uns ist alles just for fun – aber mit Anspruch“.

„Da drin fühlt man sich wie ein Kaninchen auf dem Präsentierteller“, schildert die Studentin Elisabeth Krug ihren Eindruck. Kein Wunder: ein Kameramann filmt den Auftritt, ein anderer schießt mit einem Profifoto mit einem Objektiv vom feinsten Porträts. Gerade draußen, wirkt sie noch immer etwas verwirrt, der rot angelaufene Kopf ist dabei, seine Farbe zu verlieren. „Bei den Casting-Shows im Fernsehen sieht das alles so einfach aus.“

Rampenlicht erfahren ist dagegen Heike Geißner, eine waschechte Würzburgerin, die von ihrer Wohnung nur wenige Hundert Meter bis zum Casting hat. Ihre erste Hauptrolle hatte sie als Jugendliche als kopfloses Gespenst. Seither hat sie das Showbusiness nicht mehr losgelassen: Als Solosängerin bei Ilona Christen und Oliver Geissen. Den Text will die, für die Kameras stark geschminkte Frau frei sprechen und hat nur Stichpunkte bei sich: „Sonst bleibt schauspielerisch zu viel auf der Strecke“, sagt sie und kündigt im gleichen Atemzug an. „Ich bleibe mindestens eine halbe Stunde da drin.“

Will es probieren: Stefan Schmitt.
| Will es probieren: Stefan Schmitt.
„Frischling“: Elisabeth Krug
| „Frischling“: Elisabeth Krug
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