Unterpleichfeld

Gibt es noch eine Chance für s. Oliver in Unterpleichfeld?

Das Modeunternehmen möchte ein Logistikzentrum bauen. Doch der Gemeinderat fühlt sich nicht ausgiebig informiert. Der Landrat versucht zu vermitteln.
Blick von Kürnach auf Unterpleichfeld über das flache und fruchtbare Ackerland. Im Vordergrund am Unterpleichfelder Ortsrand, etwa zwischen dem Bauhof (links) und der Kirche im Hintergrund, hatte die Verwaltung einen Ort für das neue Logistikzentrum der s.Oliver-Group vorgeschlagen.
Blick von Kürnach auf Unterpleichfeld über das flache und fruchtbare Ackerland. Im Vordergrund am Unterpleichfelder Ortsrand, etwa zwischen dem Bauhof (links) und der Kirche im Hintergrund, hatte die Verwaltung einen Ort für das neue Logistikzentrum der s.Oliver-Group vorgeschlagen. Foto: Irene Konrad

Am 7. Juli hat es der Gemeinderat Unterpleichfeld mit 8:8 Stimmen abgelehnt, ein neues Gewerbegebiet in Angriff zu nehmen. Die s.Oliver-Group wollte am Ortsrand in der Nähe des Bauhofs ein neues Logistikzentrum mit Outlet-Center bauen. Die äußerst knappe Entscheidung spiegelt die Zerrissenheit des Gemeinderats und der Bevölkerung wider.

Seit Februar dieses Jahres hatte Bürgermeister Alois Fischer mit den Vertretern des Modeunternehmens Kontakt. Er selbst war begeistert davon, dass sich ein Weltunternehmen dieses Formats in Unterpleichfeld ansiedeln möchte. Bis zu 600 Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten, hohe Gewerbesteuereinnahmen, Kaufkraft für einheimische Unternehmen, tolle Entwicklungschancen für den Ort – ein Hauptgewinn.

Ein Schritt zurück in die Vergangenheit

Bürgermeister Fischer ist Freier Wähler und all seine Parteikollegen im Gemeinderat haben für s.Oliver gestimmt. "Wenn es der Gemeinde gut geht, geht es auch den Bürgern gut", ist Klaus Stuntz überzeugt. Vielleicht wären eine "kleine Ortsumgehung" möglich gewesen oder weitere Busverbindungen. Für Gemeinderat Stuntz ist die Ablehnung "ein Schritt zurück in die Vergangenheit und näher an den Abgrund".

Anders sehen es die Gemeinderäte der CSU und der Ökologischen Liste/SPD. Sie haben das Logistikzentrum des Modekonzerns abgelehnt. Wie alle Ratsmitglieder sah Aurelian Völker (CSU) zwar durchaus Vorteile. Aber der stellvertretende Bürgermeister wollte ein Zeichen setzen gegen die dauerhafte Flächenversiegelung bester Ackerböden und das höhere Verkehrsaufkommen.

"Es war keine reflexhafte Ablehnung eines Großprojekts, sondern das Abwägen der Vor- und Nachteile."
Winfried Schraut, Ökologische Liste

"Es war keine reflexhafte Ablehnung eines Großprojekts, sondern das Abwägen der Vor- und Nachteile", erklärt der dritte Bürgermeister Winfried Schraut (Ökologische Liste). Ob die Steuereinnahmen wirklich so hoch geworden wären? Wie viele Arbeitsplätze wären tatsächlich gekommen? Eine Halle mit 350 Metern Länge und 285 Metern Breite auf neun Hektar gutem Ackerland und "ein noch höheres Verkehrsaufkommen im Ort", da habe er nicht zustimmen können.

Offensichtlich war der Zeitdruck einfach zu hoch für eine Entscheidung dieser Tragweite. Bürgermeister Fischer stand zwar seit Februar dieses Jahres in Kontakt mit den Vertretern von s.Oliver. Aber der Gemeinderat hatte erst Anfang Juni im nichtöffentlichen Teil zum ersten Mal von der Anfrage gehört und damit nur vier Wochen Bedenkzeit. Werner Hortig, der Managing Director der Freier Group Logistics, wollte in der Gemeinderatssitzung am 7. Juli eine Entscheidung haben.

Informationspolitik war zu kurzfristig

"Warum wurden wir nicht früher informiert?", fragt der zweite Bürgermeister Völker. Freilich sind die Kommunalwahl und die Corona-Pandemie dazwischen gekommen. Aber "bei einem so großen Vorhaben" hätte sowohl "das alte Gemeinderatsgremium" als auch die Bevölkerung bei der Entscheidungsfindung mitgenommen werden müssen.

"Es gab zu viele Vielleichts und Eventuells", stimmen die Gäste der Sitzung zu. Gemeinderat Alex Kimmel (CSU) haben "Hintergrundinformationen zum Geschäftsmodell von s.Oliver gefehlt". Ob die Gewerbesteuereinnahmen angesichts sinkender Umsätze wirklich so reichlich geflossen wären? Er habe auch Fragen zu den Entlassungen am Standort Rottendorf oder der Produktion im Niedriglohnsektor und in Billiglohnländern ohne Standards gestellt.

"Ich will natürlich, dass so ein tolles Unternehmen in der Region bleibt."
Landrat Thomas Eberth

Dass sich Landrat Thomas Eberth nicht mehr eingesetzt hätte für den Standort im Landkreis Würzburg, ist in den Gesprächen mit den Dorfbewohnern immer wieder gefallen. "Ich habe sowohl im Vorfeld als auch nach der Entscheidung in Unterpleichfeld persönlich bei s. Oliver vorgesprochen und will natürlich, dass so ein tolles Unternehmen in der Region bleibt", sagt der Landrat.

"Schockiert und enttäuscht" habe er seine Gesprächspartner nach dem Abstimmungsergebnis erlebt. Die Lage in Unterpleichfeld an der B 19 und der Autobahnabfahrt an der A 7, das flache Gelände mit seiner kleinen Mulde, die kurzen Wege zum Gewerbegebiet Windmühle bei der Erschließung und die Nähe zum Standort Rottendorf hätten s.Oliver gefallen.

Für Landrat Eberth ist das Thema "noch nicht gänzlich abgeschlossen". "Ich stehe noch im Dialog mit dem Modeunternehmen", sagt er. Vier Wochen Zeit in Unterpleichfeld, das sei wirklich sehr kurz. "Die Bevölkerung muss mitgenommen werden bei den sensiblen Themen wie Ökologie, beste Böden, Feldhamsterschutz, Verkehrsaufkommen und Konzeption", hofft Eberth auf weitere Gespräche.

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