Giebelstadt

Giebelstadt: Ein Parkplatz für eineinhalb Millionen Euro

Giebelstadt soll einen neuen Parkplatz bekommen. Warum wird dieser so teuer? Gemeinderat diskutiert über 70 Bäume für je 1000 Euro und Mülleimer für 1100 Euro das Stück.
Vor dem ehemaligen Gutshof am nördlichen Ortseingang von Giebelstadt soll der neue Großparkplatz entstehen.
Vor dem ehemaligen Gutshof am nördlichen Ortseingang von Giebelstadt soll der neue Großparkplatz entstehen. Foto: Gerhard Meißner

Mit der Entscheidung für den Bau eines Großparkplatzes am nördlichen Ortseingang hat der Giebelstadter Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung ein Paket vervollständigt, das inzwischen rund zehn Millionen Euro schwer ist. "Es ist ein großer Baustein unseres Rahmenplans", sagt Bürgermeister Helmut Krämer. Es geht also um einen städtebaulichen Meilenstein, an dem seit Jahren geplant wird, und an dem auch die möglichen Folgen der Corona-Krise nicht rütteln.

Der Großparkplatz soll einmal Platz für 151 Pkw bieten und gleich mehrere Funktionen erfüllen: als Parkplatz und Bushaltestelle für die benachbarte Schule und die ebenfalls geplante Sporthalle und als Entlastung für die umliegenden Wohnquartiere, insbesondere für die Schulstraße, aus der man den Fahrzeugverkehr weitgehend verbannen will. Außerdem soll es dort einige Motorrad-Stellplätze und zunächst sechs Ladestellen für E-Mobile geben. Und dann denkt man noch daran, im benachbarten Gutshof ein Ärztehaus unterzubringen, für das ebenfalls Stellplätze benötigt würden.

Gleichzeitig soll der Parkplatz von der Größe zweier Fußballfelder üppig begrünt werden und so das Ortsbild positiv beeinflussen, wie Planer Ralph Schäffner vom Kitzinger Büro Arc.Grün in der Sitzung ausführte. Das Ganze für Kosten von rund 1,5 Millionen Euro.

"Ein Parkplatz für eineinhalb Millionen Euro, das ist schon ein Wort."
Matthias Raps, Gemeinderat (BBO)

Zu dem Gesamtpaket, das der Gemeinderat bereits vor drei Jahren nach einem Planer-Workshop und der Beteiligung der Bürger geschnürt hat, gehören eine Dreifach-Sporthalle für rund sieben Millionen Euro als Ersatz für die alte Schulturnhalle, eine Außensportfläche, die bis zu einer Million Euro kosten kann und eine parkähnliche Grünanlage, die Altort und Schulumfeld mit der angrenzenden Neubausiedlung verbindet.

Rund die Hälfte der rund 12 000 Quadratmeter großen Parkplatzfläche soll grün bleiben. Für die Stellflächen hat man versickerungsoffenes Fugenpflaster gewählt. Asphaltiert werden nur die Fahrstreifen. Regenwasser wird über Mulden und Rigolen aufgefangen und vorgereinigt und soll in einem flachen Auffangbecken zum größten Teil versickern können.

Erstaunt über hohe Kosten

So weit ist sich auch der neu gewählte Gemeinderat über die Entscheidungen des Vorgängergremiums einig. Was einige der Gemeinderäte dennoch erstaunt, sind die Kosten. "Ein Parkplatz für eineinhalb Millionen Euro, das ist schon ein Wort", meint etwa Matthias Raps (BBO). Er hat sich deshalb die Kostenberechnung genauer vorgenommen und erstaunt festgestellt, dass einer der vandalensicheren Müllbehälter allein schon 1100 Euro kosten soll und jeder der geplanten 70 Bäume rund 1000 Euro.

Planer Ralph Schäffner führt die Kosten unter anderem auf den erforderlichen Unterbau zurück, weil der Boden aus lockerem Löß besteht und verfestigt werden muss, damit sich sie Fläche nicht nach wenigen Jahren zu setzen beginnt. Der Preis für hochwertige Abfällbehälter inklusive Montage sei marktüblich. Und bei den Bäumen sollte es sich um bereits etwas größere Exemplare handeln. Pflanzung und eine Anwachsgarantie seien dabei bereits inbegriffen.

"Ich behaupte, das Ganze ist, trotz der Mindereinnahmen, die sicher kommen werden, solide finanziert."
Helmut Krämer, Bürgermeister

Skeptisch ist Ernst Merz (UWG), ob die fünf Motorrad-Stellplätze ausreichen. Und sein Fraktionskollege Armin Kolb legt Wert darauf, dass die E-Mobil-Ladestation bei Bedarf erweitert werden kann. Am Ende sprachen sich die Gemeinderäte aber einstimmig für den Bau des Großparkplatzes aus und auch für die erforderliche Linksabbiegespur auf der Bundesstraße 19, die zusätzlich mit rund 200 000 Euro in Rechnung geht.

Bauantrag für Sporthalle bereits genehmigt

Damit ist der Weg frei für den Bauantrag. Für die Sporthalle ist dieser bereits genehmigt. Demnächst sollen die Arbeiten ausgeschrieben werden, sagt Bürgermeister Helmut Krämer und rechnet damit, dass beide Projekte im kommenden Frühjahr begonnen werden können. Offen ist hingegen noch, wie die geplante Außensportfläche neben der Halle aussehen soll. Soll sie nur für den Schulsport dienen, würde ein kleiner Hartplatz reichen. Will man sie öffentlich zugänglich machen, wie es die örtliche Jugend wünscht und die Mehrheit im Gemeinderat begrüßt, dann könnte es Probleme mit dem Schallschutz geben.

Deshalb will man vor einer Entscheidung einen Schallschutzgutachter hinzuziehen. Sollte der sich gegen einen öffentlichen Bolzplatz aussprechen, gäbe es als alternativen Standort auch noch Platz an der Mehrzweckhalle, meint Hubert Stahl (BBO).

Gemeinderat hält trotz Corona an den Plänen fest

Von möglichen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie will sich der Giebelstadter Gemeinderat jedenfalls bei der Umsetzung seiner Pläne nicht beirren lassen. "Ich behaupte, das Ganze ist, trotz der Mindereinnahmen, die sicher kommen werden, solide finanziert", meint Bürgermeister Helmut Krämer und nennt mehrere Gründe dafür:

 Zum einen verfüge die Gemeinde noch über hohe Rücklagen, für die seit Jahren sogar Strafzinsen fällig werden, zum anderen sei ein möglicher Einbruch der Gewerbesteuer für die Gemeindefinanzen verkraftbar, weil sie sich inzwischen hauptsächlich über die Anteile an der Einkommenssteuer finanzieren.

Es komme hinzu, dass vermutlich, wie bereits in der vergangenen Jahren, manche Maßnahme aus Kapazitätsgründen ins kommende Jahr verschoben werden muss. "Unsere Planungen sind so, dass wir sie sowieso nicht alle umsetzen können, das entspannt das Ganze", sagt der Bürgermeister dazu - ganz entspannt. 

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