Würzburg

Glosse: Der Brückenschoppen-Song unter Quarantäne

In den Würzburger Wahrheiten ist unser Autor auf der Suche nach dem Song zur Coronakrise und landet dabei beim bisher verbotenen Brückenschoppen auf der alten Mainbrücke.
Durch die Corona-Krise gibt es aktuell keinen Brückenschoppen und deshalb singt auch niemand den Brückenschoppen-Song.
Durch die Corona-Krise gibt es aktuell keinen Brückenschoppen und deshalb singt auch niemand den Brückenschoppen-Song. Foto: Thomas Obermeier

Was ist das passende Lied zur Corona-Krise? Viele tippen auf "Bridge over troubled water". Rolf Zuckowski weiß es besser: "Lieder, die wie Brücken sind, die braucht jeder Mann", singt er, "jede Frau und jedes Kind braucht sie sicher irgendwann". Wie steht es um den Brückenschoppen-Song - die weinselig-lahmarschige Liebeserklärung an "Wörzburch" und den "Mee", die sich auch nach fünf Silvanern gerührt lallen lässt? Zugegeben, der Sänger Peter Auffermann verkauft sich da unter Wert. Man hat ihn (nicht nur als Anwalt vor Gericht) schon anspruchsvollere Arien schmettern gehört.

Aber die Hymne der Schoppenfetzer reift gerade zum Symbol. Denn sie hält die Erinnerung an schöne Momente wach, seit der eilige Markus in München alle Brücken abgebrochen hat, zwischen uns Weintrinkern und unseren Brückenheiligen. Man fügt sich der Vernunft. Aber uns fehlt das Schwätzen beim Schoppen mit Blick auf Festung und Käppele - ein Ausdruck fränkischer Freiheitsliebe (oder Sturheit?). Dieses Recht auf Ratschen beim Riesling unter freiem Himmel hatten wir uns in mehrjähriger Anstrengung hart ertrunken - gegen zähen Widerstand von Bürokraten und Gastronomen.

Ansteckungsgefahr bei der sympathischen Nachbarin

Im Schatten von Kilian und Co. war das ein Stück Heimat: Der Main rauschte unter unseren Füßen vorbei und der Wein in uns hinein - und unsere größte Sorge war, dabei nicht zu eng mit der sympathischen Nachbarin zu kuscheln, damit Radfahrer problemlos durch die Menge kamen. Aber seit das Problem im Anstecken statt Anecken liegt, bauen wir Mauern statt Brücken – und die sind schwer einzureißen. Noch gilt bereits das zufällige Aufeinandertreffen von mehr als zwei Weintrinkern als gesundheitsgefährdende Zusammenrottung.

Man muss das Schlimmste befürchten - sogar, dass der Brückenschoppen-Song noch länger unter Quarantäne gestellt wird. Bei der steigenden Hysterie ist nicht undenkbar, dass dieses liebenswert naive Geträller sogar als "volksverhetzende Aufforderung zur fahrlässigen Tötung" verboten wird, weil es irgendwie zur großen Corona-Party auf der Alten Mainbrücke missinterpretiert werden könnte. Aber bis dahin schöpfen wir Trost aus dem Trällern der Strophe: "Bist du a mal räudig und fühlst dich ganz alee, dann gehst du zu der Brügge: weil die kann dich versteh."

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