GROMBÜHL

Grombühl: Bunt, vielfältig und oft unterschätzt

Grombühl: Der Stadtteil ist jung, verändert sich ständig. Aus dem Arbeiterbezirk ist ein alternativer Bezirk geworden, mit dem größten Arbeitgeber der Region. Der Wandel geht weiter – und kann für die Grombühler teuer werden.
Berg- und Talfahrt: Wie wellig der Weg durch die Petrinistraße zur alten Uni-Klinik ist, sieht man erst, wenn man ihn von der Brücknerstraße aus mit dem Teleobjektiv fotografiert.
Foto: Theresa Müller | Berg- und Talfahrt: Wie wellig der Weg durch die Petrinistraße zur alten Uni-Klinik ist, sieht man erst, wenn man ihn von der Brücknerstraße aus mit dem Teleobjektiv fotografiert.

Grombühl bedeutet immerwährender Krach. Krach von Autos, Krach von Zügen. Noch oben am Lindlein, in der Schiestlstraße, hört man, wenn der Wind ungünstig steht, die Durchsagen vom Hauptbahnhof.

Grombühl ist unter den Würzburger Stadtteilen einer der vielfältigsten. Er hängt am Hang, eingeklemmt zwischen Steinberg und Eisenbahnschienen, und von allem, was man über ihn sagt, stimmt auch das Gegenteil.

Grombühl bedeutet Stille. Steigt man in der Schiestlstraße ein in die Schlucht am Schalksberg – im Stadtplan steht sie als Rimparer Steige –, dann ebbt der Lärm ab. Auf dem schmalen Weg unter den hohen Bäumen verschluckt die Schlucht den Wanderer, nimmt ihn auf in eine grüne, freundlichere Welt, in das Rauschen des Windes durch das Laub der Buchen. Dann hört er sich selber den steilen Pfad hoch schnaufen, und unter ihm liegt das wuselige Grombühl, und bald hat er es vergessen, so schön ist es da oben auf dem Kamm des Steins.

Gute Güte, ist Grombühl langweilig. In diesen Sommertagen liegen die Straßen am Tag wie ausgestorben da. Kaum jemand ist unterwegs, auch keine Kinder, wo doch Ferien sind. In Grombühl liegt der Hund begraben.

Die Grombühlerin Gisela Schüttler sagt, Grombühl sei „total cool, da findet man alles“. Und sie erzählt von den jungen Leuten, den Studenten, die von überall herkämen, zunächst ein bisschen unsicher, dann immer besser eingelebt in ihren Wohngemeinschaften, die neuerdings keine Vorhänge mehr in die Fenster hängten. Und dann sehe man, wie sie heimkommen, spät nachts, und wie sie Feste feierten bis in die Früh und dass es keinen Ärger gebe, denn „die Grombühler sind unheimlich tolerant“. Schüttler erzählt von den Alten, die keine Ansprache mehr hätten, wenn man ihnen nicht zulachte oder mit ihnen plauderte. Und dann „haben wir noch die Leute“, die gerne am Wagnerplatz ein Bier tränken oder auch mehr. Die seien nicht rasiert und sähen auch sonst mitgenommen aus, neben ihnen gut gekleidete Hausfrauen und Omas, und die säßen da, weil sie schon immer auf den Bänkchen am Wagnerplatz sitzen, und das ließen sie sich nicht nehmen.

Im Internet kursiert seit Jahren ein krawalliger Videoclip von jugendlichen Grombühler Rappern, die zu Gewalt- und anderen Straftaten aufrufen. Würzburgs Polizeisprecher Wolfgang Glücker berichtet, vor Jahren habe es im Stadtteil „Probleme“ gegeben, insbesondere am Wagnerplatz. Da hätten sich „Leute aufgehalten, die nicht hingehörten“, mit Trinkgelagen und Pöbeleien. Die Polizei habe die Lage „durch Kontrollen in den Griff bekommen“. Vor knapp zwei Monaten sei es wieder losgegangen, die Polizei habe wieder kontrolliert und auch kleinere Mengen Rauschgift gefunden. Die Leute hätten sich dann am Josefsplatz getroffen, nach erneuten Kontrollen seien sie auch da verschwunden. Glücker glaubt, „wir haben die Lage im Griff“.

Im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) der Stadt Würzburg steht, der Anteil der Transferleistungsempfänger (Sozialhilfe, Hartz IV) sei in Grombühl vergleichsweise hoch. Das städtische Sozialreferat empfiehlt, die künftige Entwicklung verstärkt „mit sozialarbeiterischen Initiativen und Maßnahmen“ zu begleiten.

Grombühl, sagt Klaus Walther, der Wirtschaftsförderer der Stadt, sei „ein unterschätzter Stadtteil“. Die Wohnlage sei sehr schön, hier gebe es Hinterhof- und andere kleine Läden, die Kneipen um die Ecke, Handwerker, alles Mögliche. Walther fühlt sich beim Flanieren an Pariser Ecken erinnert, an Montmartre zum Beispiel. Die meisten Würzburger würden das gar nicht mitbekommen, die kämen nur wegen der Uni-Klinik hierher. Er meint, Grombühl sei wie „eine abgeschottete Insel“.

Grombühl ist eine wilde Mischung. Über allem thront die gewaltige Uni-Klinik, dazu gibt es eine Reihe sozialer Einrichtungen wie die Evangelische Kinder- und Jugendhilfe und reichlich Kleingewerbe. Ein echtes Zentrum zum Verweilen hat der Stadtteil nicht, aber eines zum Einkaufen: die Brücknerstraße mit interessanten kleinen Läden, die in der Altstadt wegen der hohen Mietpreise keine Chance hätten.

Grombühl ist ein vergleichsweise junger Stadtteil, entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts, mit dem Anschluss Würzburgs ans Eisenbahnnetz und wegen der zunehmenden Zahl von Arbeitsplätzen im Gewerbe und im Handel. Anders als etwa im Ruhrgebiet, das vor allem durch den Zuzug polnischer Arbeiter groß wurde, zogen die meisten Neu-Würzburger aus dem Umland nach Grombühl. Im dritten Band der „Geschichte der Stadt Würzburg“ steht zu lesen, vor allem die lohnabhängige Bevölkerung sei gewachsen, von „sozial segregierten Vororten“ ist da die Rede, was bedeutet, dass sich Menschen bestimmter Schichten, hier die Arbeiter, niederließen. Ähnliches wie in Grombühl ereignete sich auch in der Zellerau – bis heute holt die SPD bei Wahlen in den beiden Stadtteilen ihre besten Ergebnisse. Anders als in anderen Großstädten zogen die Neu-Würzburger vornehmlich aus dem Umland nach Grombühl.

Im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept der Stadt Würzburg steht Grombühl beschrieben als ehemaliges Arbeiterviertel, hauptsächlich geprägt durch den Eisenbahnbetrieb, aus dem „inzwischen in durchmischter Stadtteil geworden“ sei. Insbesondere die Uni-Klinik habe zu diesem Wandel beigetragen, weil Studierende und Klinik-Personal den Stadtteil zum Wohnen auswählten. Dem ISEK zufolge ist Grombühl „von überwiegend einfacher Bausubstanz geprägt“, mit „moderaten“ Immobilienpreisen. Aber eine Gentrifizierung sei zu erwarten, „die sich voraussichtlich in einer weiteren Aufwertung des Stadtteils und steigenden Preisen ausdrücken“ werde.

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