WÜRZBURG

Großartiges Konzert der Dommusik in der Neubaukirche

Singen kann ein Ausdruck echter Gemeinschaft sein. Zumindest wenn es auf so hohem Niveau geschieht, wie es jetzt beim bestens besuchten Konzert der Würzburger Dommusik in der Neubaukirche der Fall war.

Denn bei ihrer freudestrahlenden und plastischen Art und Weise, mit der sie Felix Mendelssohn Bartholdys 2. Sinfonie interpretierten, wuchsen die über 100 Sängerinnen und Sänger des Domchors, des Herrenchors der Domsingknaben und der Mädchenkantorei A am Dom unter Domkapellmeister Martin Berger zu einer organischen Einheit zusammen. Begleitet von der herrlich kräftig und intonationsrein spielenden Camerata Würzburg (Konzertmeister: Sören Uhde) trugen die Choristen das Werk, das den Beinamen „Lobgesang“ trägt, mit so viel Feuer und Einfühlungsvermögen vor, dass Mendelssohns Botschaft überaus deutlich wurde.

Die Aussage dieses Stückes, das sich auf der Grenzscheide von Sinfonie und Kantate bewegt, lautet, dass sich wahrer gesellschaftlicher Zusammenhalt nur auf der Grundlage gemeinsamer christlicher Werte erreichen lässt. Das geht zwar auch bei Mendelssohn nicht ohne soziale Konflikte und individuelle Seeelennöte ab, aber mündet letztlich doch in den großen Chor: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn.“

Dass Mendelssohns musikalischer, christlich begründeter Optimismus gerade deswegen glaubwürdig ist, weil es eine mühsam errungene Haltung ist, verdeutlichten die Aufführenden mit großer Gestaltungskraft. Allen voran der Chor, der vom anrührend a-cappella vorgetragenen „Nun danket alle Gott“ bis zum festlichen Schlusschor „Ihr Völker, bringet her dem Herrn Ehre und Macht“ sowohl in den schlichten wie auch in den komplex gewebten Chorsätzen mit stimmlicher Klasse und Expressivität brillierte.

Famoses Können

Bei der Auswahl der Solisten bewies die Dommusik ein feines Händchen. Die beiden Sopranistinnen präsentierten ihr famoses Können bereits in Mendelssohns Vertonung von Psalm 42, die nach der „Paulus“-Ouvertüre in der ersten Konzerthälfte erklungen war. Beim Psalm und in 2. Sinfonie entfaltete Franziska Bobe ihren wunderschönen warm gefärbten Sopran, während Ina Siedlaczek mit ihrer klaren und silbrig glänzenden Stimme überzeugte. Für dramatischen, aber nie exaltierten Elan sorgte der sehr gute Tenor Hans Jörg Mammel, insbesondere in der fast szenischen Zuspitzung des Kampfes von Licht und Finsternis gegen Ende des „Lobgesang“.

Das alles freilich wäre nicht möglich gewesen ohne das ungemein sensible und sachgemäße Dirigat von Domkapellmeister Berger. Wie er ohne Allüren, mit großer Meisterschaft, viel Liebe zum Detail und dennoch mit sagenhafter Übersicht die Sänger der Dommusik und die in allen Instrumentengruppen überzeugende Camerata Würzburg führte, war von allererster Güte.

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