REICHENBERG

Guitar Masters: Larry Coryell rockt Bühne und Publikum

7. Guitar Masters in Reichenberg: Jazzrock-Legende Larry Coryell vorn mit Bassist Dave King.
Foto: Harald Keitel | 7. Guitar Masters in Reichenberg: Jazzrock-Legende Larry Coryell vorn mit Bassist Dave King.

Er kann es noch. Larry Coryell rockt kraftvoll über die Bühne, treibt seine Mitspieler mit lauten Rufen bis zum Schweißausbruch an, duelliert sich mit den Schlagwerkern in rhythmischen Phrasen. Den 71-jährigen Altmeister des Jazzrock reißt es selbst vom Stuhl, wenn ihm sein ekstatisches Gitarrenspiel durch den Körper fährt.

So energiegeladen wie am Samstag hat man den Texaner Coryell, Stammgast beim Reichenberger Guitar Masters, schon lange nicht mehr dort erlebt. Das lässt sich auch Kollege Peter Horton nicht entgehen, der nach seinem eigenen Konzert in Rottenbauer noch als Zuhörer kommt.

In der 7. Auflage des Gipfeltreffens für Jazz-, Fingerpicking- und Bossa-Nova-Gitarristen versammelt sich am Ende eine siebenköpfige Allstar-Band um die Legende Coryell. Er gibt den Ton an und die Stilrichtung vor, vielseitig wie kaum zuvor in der Wolffskeelhalle, die 400 Besucher fasst, in die aber viel mehr hineinwollen. – Seit Wochen ausverkauft.

Mit dem Schotten Martin Taylor wird Coryell am schnellsten warm. Das Duo spielt Reminiszenzen an einen anderen Schotten: Jack Bruce, im Herbst verstorbenes Gründungsmitglied von „Cream“ und gleichen Jahrgangs wie Coryell. Der Hit „Sunshine of your love“ wird den Konzertabend beenden.

Die Ein-Mann-Combo Taylor eröffnet den ersten Set. Britisches Understatement in der Moderation, eine feingeistige Spielweise, die Melodieführung, Basslinie und Harmoniebegleitung in kongenialer Perfektion auf einer Gitarre vereint, machen schnell Laune. Taylor wechselt zwischen Samba, Blues-Ballade, Gershwin-Interpretation und karibisch inspirierten Eigenkompositionen.

Schwerer hat es der zweite Akt: Der Brasilianer Robertinho de Paula ist in der Klassik seiner Heimat bestens bewandert. Mühelos trägt er fein ziselierte Sambas und Bossa Novas vor, aber mit den italienischen Begleitpercussionisten findet er nicht so recht zur gemeinsamen Linie. So wirkt ihr Schlagwerk oft störend. De Paula wäre mehr Konzentration auf sein Spiel zu gönnen gewesen.

Zu fortgeschrittener Stunde tut es gut, dass mit dem Niederländer Harry Sacksioni eine „Rampensau“ das Publikum mit ihren fluffig-leicht präsentieren Fingerpicking-Kompositionen und witzigen Anekdoten unterhält. Mit kindlicher Freude und raffiniert arrangierten Pop-Hits spielt er sich in die Herzen der Zuhörer.

Dann Coryells Combo, die den Star in den Mittelpunkt stellt, mal rockig, mal balladesk, aber auch dem explosiven, schwindelerregenden Spiel von Schlagzeuger Paul Wertico Raum lässt. „Power Trio“ – das passt.

Nach sechs Stunden ist das Publikum noch aufnahmebereit für die Schluss-Session, die Coryell dominiert, ohne die Kollegen an die Wand zu spielen. Alle haben ihren Spaß. Und ganz besonders das Publikum.

7. Guitar Masters in Reichenberg: Robertinho de Paula aus Brasilien. Foto: Harald Keitel
| 7. Guitar Masters in Reichenberg: Robertinho de Paula aus Brasilien. Foto: Harald Keitel
7. Guitar Masters in Reichenberg: Harry Sacksioni aus den Niederlanden. Foto: Harald Keitel
| 7. Guitar Masters in Reichenberg: Harry Sacksioni aus den Niederlanden. Foto: Harald Keitel
7. Guitar Masters in Reichenberg: Martin Taylor aus Schottland.
Foto: Harald Keitel | 7. Guitar Masters in Reichenberg: Martin Taylor aus Schottland.
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