REGION WÜRZBURG

Historische Graffitis in jüdischer Schule

Um eindrucksvolle Denkmäler und ehrwürdige Bauten zu sehen muss man keine weite Reise auf sich nehmen, im Landkreis liegen sie direkt vor der Haustüre. Am Tag des offenen Denkmals wurden zahlreiche Führungen angeboten und mach Denkmal, das für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich ist, öffnete seine Tore.
Restaurator Edgar Hartmann hat im Judenhof in Zell historische Wandmalereien freigelegt.
| Restaurator Edgar Hartmann hat im Judenhof in Zell historische Wandmalereien freigelegt.

„Es liegt wohl an der Zeit“, mutmaßt Ulrich Rüthel, Direktor der Verbandsschule Eisingen-Waldbrunn, hinsichtlich der wenigen Besucher, die zur Gottesdienstzeit am Sonntagvormittag gekommen waren. Gemeinsam mit dem ehemaligen Bürgermeister von Waldbrunn, Arnulf Wilhelm, führt er Besucher durch die Ruinen des Fürstbischöflichen Jagdhauses Mädelhofen. Aus der Aula seiner Schule hat er extra ein detailliertes Modell des Baus mitgebracht, um den Besuchern einen Einblick in das von Balthasar Neumann entworfene Gebäude zu geben. „Es ist toll zu wissen, was wir in Waldbrunn haben“, sagt Alexandra Breuer. Viele Male ist sie mit ihrer Familie an den Grundmauern des Anwesens vorbeigelaufen und freut sich, nun mehr über dessen Geschichte zu erfahren. Fürstbischof Johann von Schönborn hatte den Bau des Jagdhauses 1724 begonnen. Aufgrund seines frühen Todes wurde er allerdings nie vollendet.

Im einige Kilometer entfernten Zell am Main startet Restaurateur Edgar Hartmann zur gleichen Zeit seine erste Führung durch den leerstehenden „Judenhof“. Im Frühjahr 2008 hatte er von der Gemeinde Zell den Auftrag erhalten, das Gebäude zu untersuchen. An mehreren Stellen hatte er mühevoll Schicht für Schicht von den Wänden abgetragen und erstaunliche Funde zu Tage gebracht. Viele Laiengemälde zieren die Wände des Gebäudes. „Auf manchen sind sogar Jahreszahlen vermerkt, ein wahrer Glücksfall“, freut sich Hartmann über die „historischen Graffitis“. So konnte er das Baujahr exakt auf 1607 datieren. Zwischen dem frühen 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts war in dem Anwesen der Propsteihof und die Wirtschaftsräume des Unterzeller Frauenstiftes der Prämonstratenser untergebracht. Außerdem lebte der bekannte jüdische Händler und Gelehrte Mendel Rosenbaum ab 1822 in dem Haus und betrieb mit zwei seiner Söhne eine Talmud-Tora-Schule. Bis etwa 1908 wurde das Haus von jüdischen Familien bewohnt. Seit dieser Zeit ist der ehemalige Propsteihof als „Judenhof“ bekannt.

In der Gemeinde Thüngersheim haben sich Michael Junginger und Sylvia Peter vor drei Jahren einen großen Wunsch erfüllt. Gemeinsam haben sie den Winzerhof Alter Stern in Thüngersheim gekauft. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt Künstlerin Peter. Gemeinsam mit Architekt Felix Tannenberg renoviert das Paar seit Januar dieses Jahres das historische Anwesen – die ersten Ergebnisse präsentierten sie am Sonntag der Öffentlichkeit. „Es ist uns wichtig, so viel Historisches zu erhalten, wie möglich“, erklärt Junginger. Finanzielle Unterstützung erhalten sie dabei unter anderem vom Landesamt für Denkmalpflege. „Ohne Zuschüsse wäre unser Projekt nicht möglich.“

Junge Füße auf alten Mauern: Beim Tag des offenen Denkmals zeigt Alexandra Breuer aus Waldbrunn ihrer Tochter Lea-Maria die Grundmauern des fürstbischöflichen Jagdhauses.
Foto: FOTOs Jochen Feldle | Junge Füße auf alten Mauern: Beim Tag des offenen Denkmals zeigt Alexandra Breuer aus Waldbrunn ihrer Tochter Lea-Maria die Grundmauern des fürstbischöflichen Jagdhauses.
Themen & Autoren
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)