Würzburg

Hotel-Planung  in Würzburg: Überraschende Kehrtwende am Paradeplatz

Erst gab es Zustimmung für ein geplantes Innenstadt-Hotel, jetzt hat der Würzburger Planungsausschuss den Bebauungsplan abgelehnt. Wie es hinter dem Dom weitergehen könnte.
Der Paradeplatz hinterm Dom mit der jetzigen Post. Die 'Paradepost' soll zu großen Teilen abgerissen werden, an ihrer Stelle soll das neue Hotel entstehen.
Foto: Fabian Gebert | Der Paradeplatz hinterm Dom mit der jetzigen Post. Die "Paradepost" soll zu großen Teilen abgerissen werden, an ihrer Stelle soll das neue Hotel entstehen.

Damit hatten weder Würzburgs Baureferent Benjamin Schneider noch der Investor gerechnet: Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Mobilität (Puma) hat der Bebauungsplan-Satzung für ein neues Hotel mit 230 Zimmern am Paradeplatz die Zustimmung verweigert.

Überraschend ist die Entscheidung deshalb, weil Aufstellung und Auslegung des Bebauungsplans vom Puma jeweils mit Mehrheit befürwortet wurde und sich an dem Vorhaben nichts Wesentliches geändert hat. Das Hotelprojekt ist damit vor allem wegen einer Kehrtwende von CSU, FDP/Bürgerforum und Freien Wählern erst einmal ausgebremst.

So soll das künftige Hotel am Paradeplatz von außen aussehen: Der Siegerentwurf des Fassadenwettbewerbs kommt vom Büro Geisel Architekten aus Würzburg. Ob so wie auf der Illustration auch Parkplätze wegfallen, steht allerdings nicht fest.
Foto: Illustration: Geisel Architekten | So soll das künftige Hotel am Paradeplatz von außen aussehen: Der Siegerentwurf des Fassadenwettbewerbs kommt vom Büro Geisel Architekten aus Würzburg.

Was ist geplant?

Die FV Parade-Invest GmbH hat den Gebäudekomplex zwischen Hofstraße, Paradeplatz und Ebracher Gasse vor einigen Jahren gekauft. Im ersten Bauabschnitt wurde der Gebäudeteil an der Ecke Hofstraße/Paradeplatz saniert. Dort hat inzwischen das "Wirtshaus am Dom" eröffnet und die Dolmetscherschule neue Räume bezogen.

Jetzt soll die heutige Paradepost abgerissen und ein Hotel mit etwa 230 Zimmern und einem weiteren gastronomischen Betrieb im Erdgeschoss gebaut werden. Alle Zimmer können doppelt belegt werden, in der Summe wären das rund 460 Betten. In einer früheren Berichterstattung dieser Redaktion war irrtümlich von einem 200 Betten-Haus die Rede: "Das ist nicht korrekt, es ging immer um circa 230 Zimmer", betont Michael Rieckenberg, einer der Geschäftsführer der FamilyValue Management GmbH, die hinter dem Projekt steht.

Was sollte der Puma beschließen?

Beschlossen werden sollte jetzt der vorhabenbezogene Bebauungsplan, dessen Aufstellung der Puma im Januar – also noch in alter Besetzung vor der Kommunalwahl – einstimmig in Auftrag gegeben hat. Auch der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans hatte der Ausschuss Mitte Juli in neuer Besetzung mit elf zu vier Stimmen zugestimmt. Die vier Gegenstimmen kamen von den Grünen, denen schon damals die Bettenanzahl zu hoch war. Außerdem kritisieren sie, dass die Fassade des Hotels nicht begrünt werden soll und keine Photovoltaikanlage auf dem Dach vorgesehen ist.

Warum wurde der Bebauungsplan jetzt abgelehnt?

Von den Grünen aus denselben Gründen wie bisher. Ihre bisherige Meinung geändert haben die Ausschussmitglieder von CSU, Freien Wählern und Bürgerforum/FDP. Sie bemängeln die ihrer Ansicht nach zu geringe Anzahl von Stellplätzen für das Hotel. Laut Bebauungsplan muss der Investor wegen der zentralen Lage und der guten ÖPNV-Anbindung nur die Hälfte der normalerweise für ein Hotel dieser Größe erforderlichen Pkw-Stellplätze nachweisen. Das ist aber nicht neu, sondern stand so auch schon in dem Entwurf, dem im Juli zugestimmt wurde. Konkret handelt es sich um rund 40 Stellplätze im Innenhof und einer bestehenden kleinen Tiefgarage mit Zufahrt aus der Ebracher Gasse.

Kann ein so großes Hotel mit dieser Stellplatzanzahl funktionieren?

Baureferat und Investor sagen: Ja. Das Mobilitätskonzept und damit auch die Zahl der Stellplätze sind mit dem künftigen Pächter und Betreiber des Hotels – nach Informationen der Redaktion ist es die Motel-One-Gruppe – abgestimmt. "Der künftige Pächter betreibt auch Innenstadt-Hotels ganz ohne Stellplätze, das funktioniert", versichert Michael Rieckenberg. Auch Stadtbaurat Benjamin Schneider ist sich sicher, dass die vorgesehenen Parkmöglichkeiten ausreichen.

CSU, FWG und FDP/Bürgerforum waren davon nicht zu überzeugen: "Ich mag nicht glauben, dass die meisten Gäste zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem ÖPNV kommen", sagte Josef Hofmann (FWG). Charlotte Schloßareck (Bürgerforum) geht davon aus, "dass 80 Prozent der Menschen mit dem Auto kommen, gerade Geschäftsreisende".

Der Paradeplatz ist zurzeit vor allem eines: ein großer Parkplatz. 
Foto: Silvia Gralla | Der Paradeplatz ist zurzeit vor allem eines: ein großer Parkplatz. 

Hat das Hotelprojekt Auswirkungen auf die Situation am Paradeplatz?

Ja und Nein. Die für das Hotel vorgesehenen Pkw-Stellplätze befinden sich komplett auf dem Grundstück des Investors. Die Belebung durch Hotel und Gastronomie an der Touristenmeile zwischen Residenz und Dom könnte aber dazu führen, dass die Pläne der Stadt, die Stellplätze hinter dem Dom zu reduzieren oder komplett zu streichen, eine neue Dynamik bekommen.

Vor einigen Jahren scheiterte das Vorhaben an einer konservativen Mehrheit im Stadtrat, sogar staatliche Fördermittel mussten zurückgezahlt werden. Derzeit bereitet die Verwaltung eine Ausweitung des Sanierungsgebiets "südlicher Bischofshut" vor, die Beteiligung der Bürger ist Anfang 2021 geplant. Zu diesem Prozess gehört irgendwann auch die Entscheidung des Stadtrats, "wie wir in diesem Bereich künftig mit dem öffentlichen Raum umgehen", sagt der Baureferent.

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Wie reagiert der Investor auf die Kehrtwende im Stadtrat?

"Bisher hatten wir immer Unterstützung und es war ein gewolltes Projekt, deshalb bin ich überrascht. Wir machen so etwas aber nicht zum ersten Mal und sind Kummer gewohnt", meint Michael Rieckenberg und sagt: "Wir nehmen es als Herausforderung und hoffen, dass sich die Sache mit einigen Korrekturen gemeinsam mit Politik und Verwaltung lösen lässt. Ich hätte mich aber gefreut, wenn mich die Fraktionen vorher angesprochen hätten."

Wie geht es jetzt weiter?

Eigentlich sollte im Hauptausschuss am Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung der Durchführungsvertrag für das Projekt beschlossen werden. Nach Auskunft von Stadtsprecher Christian Weiß wurde der Vertragsinhalt zwar vorgestellt, aufgrund der Ablehnung im Puma aber auf eine Abstimmung verzichtet. "Vor einer weiteren Befassung in den Gremien wird versucht, gemeinsam mit dem Investor eine Lösung zu finden", so Weiß. Das bedeutet, dass der Bebauungsplan-Beschluss auch von der Tagesordnung des Stadtrats in der kommenden Woche genommen wurde.

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