Würzburg

IHK und HK fordern: Bus und Bahn in Mainfranken schneller machen

Das Verkehrsministerium hat den Deutschland-Takt 2030 vorgestellt, mit dem es den öffentlichen Personen- und Güterverkehr verbessern will. Wie die Region profitieren soll.
Ein Intercity-Express (ICE)  verlässt den Würzburger Bahnhof.
Foto: Daniel Peter | Ein Intercity-Express (ICE) verlässt den Würzburger Bahnhof.

Die Region Mainfranken steht im Wettbewerb zu den benachbarten Metropolen und zu anderen Wirtschaftsräumen in Deutschland. Als wichtigen Standortfaktor haben die Betriebe, die in Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer (HK) verbunden sind, deshalb den öffentlichen Personen- und Güterverkehr ausgemacht. In einer Resolution mit weiteren Wirtschaftskammern wenden sie sich an das Bundesverkehrsministerium.

Das Ziel: Zwischen Nürnberg, Würzburg und Frankfurt soll eine Infrastruktur geschaffen werden, die eine schnelle und verlässliche Fahrgast- und Warenbeförderung auf der Schiene ermöglicht. Dazu gehört, vorhandene Gleise zu erneuern und neue zu bauen. Im gleichen Zug soll der Busverkehr in der Region Mainfranken verbessert werden. Im Idealfall fährt ein Bus oder Sammeltaxi am Ende jede Gemeinde mindestens im Stundentakt an. Damit das gelingen kann, müssten allerdings alle politischen Ebenen, von der Kommune bis zum Bund, an einem Strang ziehen, sagt Simon Suffa,  Verkehrsreferent der IHK Würzburg-Schweinfurt. 

Das Ziel: Schneller und häufiger mit Bus und Bahn

Der Zeitpunkt scheint günstig: Das Verkehrsministerium hat gerade seine Schienenausbau-Strategie unter dem Titel "Deutschland-Takt 2030" vorgestellt. Damit sollen sich Reisezeiten verkürzen und die Transportkapazitäten geschaffen werden, die es laut Prognosen für die Energiewende in Deutschland braucht. Soll sie gelingen, würden deutlich mehr Fahrgäste auf die Bahn umsteigen und mehr Güter auf der Schiene statt auf der Straße transportiert werden müssen. 

Neun Industrie- und Handelskammern und sechs Handwerkskammern zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und der Oberpfalz haben dazu im Vorfeld eine Resolution verfasst. Hauptforderung aus Mainfranken sind schnellere Zugverbindungen zwischen Würzburg und Frankfurt sowie Würzburg,  Nürnberg und München.

Tatsächlich stehen im Entwurf für den Deutschland-Takt folgende Fahrzeitverkürzungen: Der ICE von Würzburg nach Nürnberg soll die Distanz künftig in 29 Minuten schaffen, 23 Minuten schneller als heute. Damit wären Zugreisende in maximal 99 Minuten in München. In Richtung Frankfurt soll die Fahrzeit 17 Minuten kürzer werden. Also könnten Reisende aus Würzburg nach 51 Minuten am Frankfurter Hauptbahnhof und nach 68 Minuten am Flughafen aussteigen.

Schienennetz stößt ständig an seine Grenzen

Doch das alles ist Zukunftsmusik, denn das Schienennetz auf der Main-Donau-Achse gelangt ständig an Grenzen, die höhere Geschwindigkeiten und mehr Züge nicht zulassen. Die Probleme: schlecht ausgebaute Strecken, zu wenige Ausweichgleise für die langen, aber langsamen Güterzüge, zu wenige Schnelltrassen für den ICE Sprinter. Teilweise stammen die Streckenführungen mit engen Kurvenradien noch aus dem 19. Jahrhundert, sagt IHK-Verkehrsexperte Suffa.

Gerade die Nadelöhre in der Region gelte es zu beseitigen. Dazu gehört der Spessart, der einerseits mit dem neuen Schwarzkopftunnel und andererseits durch die Umfahrung über die Mottgers-Spange schneller überwunden werden soll. Andererseits verlaufen zwischen Würzburg und Nürnberg einige Kurven sehr eng. Um einen ICE Sprinter einsetzen zu können, müsste laut Suffa gar eine zweite ICE-Strecke zwischen Würzburg und Nürnberg gebaut werden. 

Wann kommt der nächste Bus und was kostet die Fahrt? Nicht immer ist das leicht herauszufinden.
Foto: Maria Faiß | Wann kommt der nächste Bus und was kostet die Fahrt? Nicht immer ist das leicht herauszufinden.

Die Forderungen aus Mainfranken und der Entwurf des Verkehrsministeriums stehen noch unter dem Vorbehalt des Bundesverkehrswegeplans. Darin legt der Bundestag fest, welche Projekte mit welcher Priorität verwirklicht werden. Zeit und Geld spielen eine wichtige Rolle. Bis das Parlament über die Wünsche der Verkehrsplaner entscheidet, wird es dauern. Und noch länger, bis die angedachten Verbesserungen tatsächlich umgesetzt werden. 

Wirtschaftskammern drängen auf besseren ÖPNV

In der Zwischenzeit drängen die Wirtschaftskammern in der Region die Kommunalpolitiker, ihre Hausaufgaben zu machen. Verkehrsverbünde sollen durchlässig, Tickets einheitlich buchbar und Fahrpläne leicht lesbar werden. Am besten, sagt Suffa, würde alles in einer App zusammenfließen, die dem Passagier für sein Reiseziel automatisch die schnellste und günstigste Verbindung vorschlägt. "Das alles muss einprägsam, passend und verlässlich sein", sagt der Verkehrsexperte.

Der IHK-Verkehrsreferent denkt dabei für die Region Mainfranken an eine App wie im Verkehrsverbund Nürnberg: Sie reagiert auf aktuelle Staus oder Verspätungen in Echtzeit und schlägt dem Reisenden sofort die passende Alternativroute vor. Doch bis solche Wunschträume verwirklicht werden, müssen die Landkreise und kreisfreien Städte erst noch viel Vorarbeit leisten. Die gute Nachricht: Sie arbeiten daran. Verbesserungen im Verkehrsverbund sind zwischen den Landkreisen besprochen und sollen nach und nach eingeführt werden. Beispiele dafür sind besondere Schüler-Tickets oder die Wiederbelebung der Mainschleifenbahn als landkreisübergreifender Pendler-Zug. 

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