Würzburg

Im Haus verschanzt und Polizisten mit Waffe bedroht

Weil er unter anderem seine Frau im Wohnhaus festhielt, wurde ein 36-Jähriger nun wegen Freiheitsberaubung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt.
Weil er sich mit seiner Lebensgefährtin im Haus verschanzt hat und die Polizei mit einer Schusswaffe bedrohte, musste sich nun ein 36-Jähriger vor dem Amtsgericht in Würzburg verantworten.
Foto: Christopher Schulz | Weil er sich mit seiner Lebensgefährtin im Haus verschanzt hat und die Polizei mit einer Schusswaffe bedrohte, musste sich nun ein 36-Jähriger vor dem Amtsgericht in Würzburg verantworten.

Viel fehlte an einem Sonntagabend im März 2017 nicht, und ein Sondereinsatzkommando hätte ein Haus in Eibelstadt gestürmt: Ein aggressiver 36-Jähriger hatte sich dort mit seiner Lebensgefährtin verschanzt und die erste Polizeistreife vor Ort mit einer Schusswaffe in der Hand aus dem Gebäude vertrieben. Jetzt wurde der Täter wegen Freiheitsberaubung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte im besonders schweren Fall zu 10 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Der Prozess am Amtsgericht war kürzer als die Tat selbst: Über eine Stunde lang hielt der Angeklagte seine damalige Lebensgefährtin in dem Wohnhaus fest, ehe er sich festnehmen ließ. Hintergrund der Tat waren Probleme in der Beziehung, daher hatte die Frau schon die Nacht zuvor nicht zuhause verbracht. Erst als der Angeklagte drohte, sich selbst zu verletzten, fuhr sie am 19. März 2017 zu ihm.

Suizidversuch hinter sich

Im Zeugenstand berichtete sie von depressiven Phasen des 36-Jährigen: "Er hat sich immer wieder in ein schwarzes Loch hinein geredet. Er hatte schon einmal einen Suizidversuch, deswegen habe ich ihn ernst genommen", berichtete die 39-Jährige. Ein vernünftiges Gespräch war mit dem Mann aber nicht zu führen: "Er war sehr in Rage und wollte mich nicht mehr gehen lassen." Seine aufgestauten Aggressionen ließ der 36-Jährige während des Gesprächs am Mobiliar seiner Wohnung aus.

Nachdem der Mann ihr klar gemacht hatte, dass sie das Haus ohne Hilfe nicht verlassen würde, rief die 39-Jährige die Polizei. Die erste Streife vor Ort versuchte sich Zutritt zum Haus zu verschaffen, was wegen der herumliegenden Möbel schwierig war. Als der erste Beamte dann im Hausflur stand, sah er sich dem 36-Jährigen gegenüber, der eine schwarze Pistole in der Hand hielt und die Polizisten aufforderte, zu verschwinden. "Er war extrem aggressiv und hat uns angeschrien. Danach war innerhalb von wenigen Minuten ganz Eibelstadt voller Polizei", gab der Beamte zu Protokoll.

Dass es sich bei der Waffe um eine geladene Schreckschusspistole handelte, stellte sich erst später am Abend auf der Dienststelle heraus. "Sie sah täuschend echt aus. Ich hatte in meinen achteinhalb Jahren im Dienst noch nie so viel Schiss", sagte der Zeuge. Gut 20 Polizeibeamte waren zusammen mit Feuerwehr und Sanitätern vor Ort, umstellten das Haus, versuchten mit dem 36-Jährigen zu sprechen und forderten Sondereinsatzkräfte an.

Lebensgefährtin warf Waffe aus dem Fenster

Leicht entschärft wurde die Situation, als die Frau den Angeklagten überreden konnte, ihr die Waffe zu geben - sie konnte sich dann im Obergeschoss des Hauses einsperren und die Pistole aus dem Fenster werfen. Allerdings war sie nicht bereit, das Gebäude über eine Feuerleiter zu verlassen. "Das hätte unsere Arbeit sehr erleichtert", so der Polizeibeamte.

Noch bevor das Sondereinsatzkommando (SEK) eintraf, gelang es dem Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Ochsenfurt, den Angeklagten zu beruhigen und zur Aufgabe zu bewegen. Für den 36-Jährigen endete der Abend mit der Einweisung ins Bezirkskrankenhaus Lohr, im Haus fand die Polizei nicht nur jede Menge zerschlagenes Mobiliar, sondern auch einen Baseballschläger und Skalpelle.

"Wenn ich ihm seine Erinnerungslücke glauben würde, wäre das ein Geständnis."
Der Staatsanwalt

Der 36-Jährige hat die Tat nicht abgestritten, kann sich nach eigenen Angaben aber nicht mehr daran erinnern. "Wenn ich ihm seine Erinnerungslücke glauben würde, wäre das ein Geständnis", sagte der Staatsanwalt, der 14 Monate Gefängnis auf Bewährung beantragte - unter anderem deshalb, weil die ehemalige Lebensgefährtin keinerlei Interesse an einer Bestrafung hat.

Ein schriftliches psychiatrisches Gutachten bescheinigt dem 36-Jährigen eine "Störung der Impulskontrolle" und am Abend der Tat einen "affektiven Ausnahmezustand", hält ihn aber für voll schuldfähig. "Momentan" drohe keine Wiederholung der Tat, sagte der Angeklagte - obwohl er keine Medikamente nimmt und auch keinen Anlass für eine Therapie sieht: "Wenn es mir heute nicht gut geht, schlafe ich einfach eine Nacht drüber." Als Bewährungsauflage muss er 2000 Euro an die Staatskasse bezahlen, das Urteil ist rechtskräftig.

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