Würzburg

Im Labyrinth durchs Theater

Theaterfest: Tausende von Besuchern erkundeten das Mainfranken Theater, in Führungen, bei Vorführungen oder auf geheimnisvollen Wegen durch das riesige Gebäude.
Theaterfest       -  Kleine Ballettänzerinnen beim Theatefest.
Foto: Patty Varasano | Kleine Ballettänzerinnen beim Theatefest.

Neben, unter und schräg hinter dem Großen Haus des Mainfranken Theaters erstreckt sich ein Labyrinth. Daraus zogen de Macher des Theaterfests am Samstag einen großen Nutzen. Sie führten ihre Gäste hindurch und nannten diese Aktion: „Labyrinth“.

Schon die Werkstattführungen am Kardinal-Faulhaber-Platz waren stets beliebt. Das Labyrinth ist aber keine Führung. Hier steht man plötzlich direkt neben zwei Schauspielern, die ihren Text einüben. Oder man tritt zu barocken Klängen einem Schneider gegenüber. Die Theaterfest-Gäste hatten gleich eine ganze Reihe Fragen an ihn, etwa zur Ausbildung eines Kostümmachers.

Über vier Etagen schlugen die Theaterleute ihre Stationen auf, wer alles mitmachte, war leicht zwei Stunden unterwegs. Und das schönste: Keiner der Besucher wusste vorher, was ihn erwartet. Mancher hatte zwar von einer ähnlichen Aktion 2014 gehört, viele kamen aufgrund der wenigen Stichworte im Programmblatt. Alle bekannten auf Nachfrage, warum sie sich hier eine halbe Stunde lang anstellten: „Neugier.“

Das heißt zugleich: Die Festgäste brachten dem Theater großes Vertrauen entgegen, dass es ihre Neugier nicht enttäusche. Und das Vertrauen blieb. Denn eineinhalb Stunden nach dem Aktionsbeginn maß die Warteschlange immer noch längs durchs halbe Foyer.

Hier mischten sich viele junge Menschen unter, während vor der großen Draußen-Bühne eher ergraute Herrschaften saßen. Sie genossen Chöre und Solisten aus künftigen oder kürzlich abgespielten Inszenierungen. Was im Kino die Vorschau-Trailer sind, geht im Theater live über die Bühne. Gestartet hatte die Darbietungen die Ball Bearing Jazzband. Das Sextett gastierte zum 30. Mal beim Theaterfest und spielte mit Eleganz alles an die Wand, was beim gleichzeitigen Stadtfest am Samstagmittag von den Musikbühnen ertönte.

„Je länger die Band gespielt hat, desto besser wurde das Wetter!“, pries Bürgermeister Adolf Bauer bei der offiziellen Begrüßung, wenn auch jenseits jeglicher Faktenlage. Da habe den Bürgermeister „sein gutes Herz wieder mitgerissen“, entschuldigte ein Musiker am Rand der Veranstaltung den Politiker, der zur künftigen Sanierung und Erweiterung des Hauses sprach: „Es geht nahtlos weiter.

Die Kunst hat einfach Bestand.“ Dann eröffnete Intendant Hermann Schneider das Theaterfest und damit die Spielzeit 2015/16.

Der immer wieder mal von Schauern geplagte Festbetrieb ähnelte einer Premiere mit viel Stammpublikum. Zum Beispiel im oberen Foyer, Seite Ludwigstraße. Dort reihten sich die Ständer voller Kostüme, die aus dem Fundus ausschieden. Als „ganz guten Jahrgang“ bewerteten erfahrene Kaufinteressenten das Angebot. Bei manchem früherem Theaterfest kamen zu viele Kleider von spartanischen Kostümbildnern in den Verkauf. Diesmal ließ sich frohen Herzens manches gewagte Stück anprobieren. Vieles davon geht an Kleintheater im Umland.

Verkaufsstände für Textiles, aber auch für Bücher, Würstchen oder Theaterabonnements zerstreuten die Gäste, die ihren Stars wie der Barbara Schöller und Sonja Koppelhuber ungeschminkt in allernächster Nähe begegneten. Dabei funktioniert die Teilnahme am Theaterfest nur dann richtig, wenn man sich mindestens einem langen Programmpunkt hingibt. Dann lassen sich auch Pausen genießen, in denen mal nichts geschieht. Aber meist geschieht ja was. Weil beim Theaterfest auch Hunde mitfeiern dürfen, kam es gegen 13 Uhr vor der Garderobe zu dem schier endlosen Einakter: „Ein Herrchen wird begrüßt.“

Spätestens bei der Drei-Uhr-Führung des kaufmännischen Theaterdirektors Dirk Terwey überlappten sich die Klangkulissen. Terwey, gelernter Posaunist, stellte bei seiner Führung durch die Zukunft des sanierten Gebäudes neben allerhand bekannter Zahlen besonders die Transparenz nach dem Umbau heraus: zwischen dem neuen 330-Plätze-Saal und den Foyers beispielsweise. Und dass Straßenpassanten schon morgens durch ein großes Fenster sehen können, wie das Ballett probt: „Das Team gibt ja heute schon alles, aber hinter dicken Mauern, so dass es keiner sieht.“

Bei der Beliebtheit dieser Sparte winkt hier ein echter Image-Gewinn. Beweis: Begonnen hatte das Theaterfest des Mainfranken Theaters sogleich mit einem fast vollen Großen Haus. Zwei Tanzschulen hatten ihren Ballettnachwuchs hergeschickt. Die Könnensproben hatten gleich dreifachen Effekt: Es gab putzige Kinder zu sehen. Auch der Laie erkannte, welche Fortschritte zwischen sechs und 16 Jahren möglich sind. Und dem geschärften Blick zeigten die besten Schülerinnen, wo der Sprung zur Überwindung der Schwerkraft losgeht.

So trug der Trubel zur Spielzeiteröffnung sogar noch zur Verfeinerung des ästhetischen Urteils bei.

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