REGION WÜRZBURG

Im Rekordtempo auf ein Rekordtief

Drehscheibe ÖPNV: Am Würzburger Bahnhof treffen städtische und überregionale Busse, Straßenbahn und Eisenbahn aufeinander. Seit dem 1. August 2013 sind Stadt und Landkreis Würzburg sowie die Kreis Kitzingen und Main-Spessart im Verkehrsverbund Mainfranken (VVM) vereinigt. Aber es ziehen dunkle Wolken ziehen am Verbunds-Himmel auf: Main-Spessart droht, die Gemeinschaft zu verlassen.
Foto: Norbert Schwarzott | Drehscheibe ÖPNV: Am Würzburger Bahnhof treffen städtische und überregionale Busse, Straßenbahn und Eisenbahn aufeinander. Seit dem 1.

Der eine droht, der andere sieht's gelassen. So stellt sich derzeit die Situation beim Verkehrsverbund Mainfranken (VVM) dar. Dabei herrschte am 1. August vergangenen Jahres noch eitel Sonnenschein. Der Landkreis Main-Spessart (MSP) hatte sich dem Verkehrsverbund angeschlossen und alle Beteiligten waren fast aus dem Häuschen – ebenso die Fahrgäste. Die reagierten allerdings stinksauer.

Es hagelte Proteste und Beschwerden. Die Stimmung kippte im Rekordtempo auf ein Rekordtief. Mittlerweile droht der MSP-Kreis offen mit seinem Austritt. VVM-Geschäftsführer Paul Lehmann reagiert äußerst gelassen: „So einfach ist das nicht“, sagt er auf Anfrage der Main-Post. Komplexe Zusammenhänge würden dem entgegenstehen.

Nun war dieser Tage eine Gesellschafter-Versammlung anberaumt. Mitglieder sind neben MSP bislang Stadt und Landkreis Würzburg sowie Kitzingen. Die Frage, ob über eine Lösung gesprochen wurde, verneint Lehmann. Das Thema sei zwar angesprochen worden. Weiter vertieft wurde es offensichtlich nicht.

Kern der MSP-Forderungen ist eine Reduzierung der Waben, um die Tarifspitzen zu kappen auf zwölf oder zehn. Stadt und Landkreis Schweinfurt liebäugeln im Falle eines Beitritts mit zehn Waben. Und darauf hoffen die MSP-Verantwortlichen. Weiter pochen sie auf Nachbesserungen, beispielsweise die Einführung einer Familienkarte und dass auch die Bahncard wieder genutzt werden kann. Auf dem Wunschzettel steht auch die Reduzierung des Spitzentarifs.

MSP-Landrat Thomas Schiebel bezeichnete die bisherigen Verhandlungen als ernüchternd. Und er legt nach: Sollten bis August keine nennenswerte Verbesserungen eintreten, will der Landkreis gemeinsam mit den Verkehrs-Unternehmen aus dem Verbund austreten.

VVM-Geschäftsführer Paul Lehmann tritt auf die Bremse. So einfach sei da nicht, betont er nochmals eindringlich. Es gehe ums Geld sagt er.

„Sollte die Bahncard Realität werden, könnte die Straßenbahn abschließen“
Paul Lehmann VVM-Geschäftsführer

Schließlich betreffe das auch die 24 im Verbund zusammengeschlossenen Verkehrsunternehmen. „Eine Menge Fördergelder stehen auf dem Spiel, ungefähr 500 000 Euro.“

Lehmann geht in die Gegenoffensive, wirbt für die Sache: Mainfranken brauche einen Verkehrsverbund, das sei ein „infrastruktureller Auftrag“. Es geht ihm auch um die „schweigende Mehrheit“, zufriedene Fahrgäste also. Zudem sei ein Verkehrsverbund äußerst wichtig für die Anbindungen an die Metropoloregionen Frankfurt und Nürnberg.

Unterstützung bekommt MSP unterdessen auch aus dem Landkreis Würzburg. Die grüne Landtagsabgeordnete und Kreisrätin Kerstin Celina (Kürnach) fordert ebenfalls Nachbesserungen. In einer Pressemitteilung spricht sie sich für die Anerkennung der Bahncard. Zur Information: Von den rund 7400 Besitzern aus MSP haben mittlerweile über 220 ihre Bahncard gekündigt.

Für Geschäftsführer Lehmann ist das kein Thema. Eine Bahncard sei für den Fernverkehr und somit kein Verbundschein. Sollte das jemals Realität werden, „könnte die Straßenbahn abschließen“, prognostiziert er. Celina unterstützt auch die Forderung nach freier Mitfahrt für Kinder bis 14 Jahren, wie dies im Bahnverkehr vor Einführung des Verkehrsverbundes galt. Im VVM müssten schon für Kinder ab sechs Jahren Fahrkarten gelöst werden.

Als „geradezu kundenfeindlich“ bezeichnet Kerstin Celina, dass Fahrkarten im Voraus in Main-Spessart nur bei Verkaufsstellen in Gemünden, Karlstadt und Lohr und eben nicht an den Automaten gelöst werden können, auch im Internet seien derzeit überhaupt keine Fahrscheine für den VVM zu bekommen. „Wenn wir mehr Menschen in Bus und Zug bringen und damit die Straßen und Kommunen entlasten wollen, dann muss hier erheblich nachgebessert werden“, fordert sie.

Die Abgeordnete Celina appelliert deshalb an die Verantwortlichen, sich erneut mit den Wünschen und Forderungen auseinanderzusetzen. Einen Austritt von Main-Spessart aus dem VVM, der sich deutlich abzeichne, würde sie sehr bedauern. Gerade im Hinblick auf die angelaufenen Verhandlungen mit der Region 3 sehe sie aber die Chance dafür, dass sich der Verbund neu orientiere und kundenfreundlicher gestaltet würde, heißt es abschließend.

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