Würzburg

Inklusion auf dem Wasser

Eine Herausforderung war für die sehbehinderten Schüler die Kanu-Fahrt auf dem River Tay. Trotz einiger Schwierigkeiten schafften alle die Wildwasser-Passagen am Ende der Strecke.
Foto: Christoph Hofmann | Eine Herausforderung war für die sehbehinderten Schüler die Kanu-Fahrt auf dem River Tay. Trotz einiger Schwierigkeiten schafften alle die Wildwasser-Passagen am Ende der Strecke.

Nach den Besuchen in Würzburgs Partnerstädten Caen und Umea war nun Dundee in Schottland das Ziel der jugendlichen Sportler aus dem Blindeninstitut und der Kanu-Abteilung der TG Heidingsfeld.

Neue sehbehinderte Teilnehmer der Graf-zu-Bentheim-Schule waren zur Trainingsgruppe gestoßen und mussten in relativ kurzer Zeit zunächst im Schwimmbad, dann auf dem Main und zum Schluss auf der etwas unruhigeren Wiesent lernen, sich in Wildwasserstufe 1 und 2 im Boot zu halten und beim Kentern das Kanu nach Abziehen der Spritzdecke sicher zu verlassen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Dank der Unterstützung der beiden TGH–Übungsleiterinnen Karin Thompson und Claudia Messerer wurde das Lernziel erreicht, so dass dem Befahren des River Tay in Schottland nichts mehr im Wege stand.

So machten sich Ende August 14 Jugendliche – darunter 5 sehbehindert – mit 10 Betreuern auf den Weg in die schottischen Highlands; die meisten per Flugzeug sowie die Kanus mit weiterem Equipment in zwei Bussen des Blindeninstituts über die Landroute samt Fähre von Dünkirchen nach Dover.

Vom Standort Crianlarich aus wurden zwei landschaftlich herrliche Paddeltouren zusammen mit Experten der Kanu-Clubs Dundee und Perth unternommen. Mit solch ortskundigen Kanusportlern zur Seite wurden die jungen Kanuten bestens auf die problematischen Passagen des Flusses eingestellt.

Nach der ersten, noch nicht allzu schweren, Tour von Kenmore am Loch Tay nach Aberfeldy ging es beim zweiten Ausflug in Stanley nahe Perth doch etwas abenteuerlicher zu. So mussten einige Teilnehmer zwischendurch kurzfristig unter die Schwimmer gehen. Aber letztlich schafften alle auch die Wildwasser–Passage am Ende der Strecke.

Schottische Tänze kamen gut an

Zur Belohnung wurde die gesamte Gruppe von den neuen Begleitern zum Abendessen mit anschließendem traditionellen Ceilidh, einem geselligen Beisammensein, eingeladen. Besonders die gemeinsamen schottischen Tänze machten allen großen Spaß und so mancher freundschaftliche Kontakt wurde geschlossen. Die schottischen Kanuten haben auch einen Gegenbesuch in Würzburg avisiert.

Auch in der Unterkunft „Ben More Lodge“ waren die Abende zum Wohlfühlen, da sowohl der Würzburger Harvey Knörr zur Gitarre griff, als auch der in der Lodge ansässige Gitarrist der ehemaligen Brit-Pop-Band „Marmelade“ aufspielte und vor allem die behinderten Jugendlichen ins Musizieren einbezogen.

Zwei Tagen im Zeichen des Wassersports standen drei Tage Sightseeing–Programm gegenüber. Bei eher untypisch britischem, also angenehmem Sonnenwetter, bewunderte die Jugendlichen und ihre Betreuer die Landschaften wie das Rannoch Moor und das geschichtsträchtige Glencoe, steuerte Ft. William an sowie Urquart Castle am Loch Ness mit Besuch der Nessi-Ausstellung – da sich das echte See-Ungeheuer leider nicht zeigte.

Ein weiterer Ausflug führte in die Fischerei-Stadt Oban an der Westküste, wo am Hafen mancher zum ersten Mal frisch gefangene Muscheln probierte. In der Oban-Distillery standen dann die Geheimnisse der Single-Malt-Whisky-Herstellung auf dem Programm.

Auch eine Fahrt nach Edinburgh durfte nicht fehlen. Dort erkundete die Reisegruppe das sehenswerte Castle, flanierte entlang der Royal Mile und traf sich traditionell im Hard-Rock-Café in der George Street, um unter den Gitarren von John Mayall oder Jack Bruce einen Burger zu essen. Aber auch die unvermeidlichen Fish and Chips probierten die Jugendlichen und mancher traute sich sogar an das traditionelle Haggis, einer Spezialität der schottischen Küche.

Fahrzeuge erlitten Schäden

Dem ungewohnten Linksverkehr auf engen Sträßchen samt Schlaglöchern und hohen Bordsteinen fielen zwei Reifen der Miet-Pkw zum Opfer und auch ein Bus blieb nach einer Motor-Panne und großem Umladen in Schottland zurück, um auf die Reparatur zu warten.

Pünktlich mit der Abreise lag dann ganz Britannien unter dem erwarteten Tief, das zumindest den Busfahrern eine zehnstündige Regenfahrt bescherte, die erst am Abend in Dover trocken endete.

Diese erlebnisreiche Reise wird allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben. Der besondere Dank gilt den Unterstützern aus dem Fachbereich Sport der Stadt Würzburg, dem Stadtjugendring, der Sparkassenstiftung sowie dem Bezirk Unterfranken, die dieser internationalen Inklusions-Aktion finanziell unter die Arme griffen.

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