Würzburg

Interview: Wie sich Corona auf Würzburger Gästeführer auswirkt

Gästeführungen sind seit 30. Mai wieder erlaubt. Michael Schurr, Gästeführer und Mitglied des städtischen Gästeführervereins, hofft nun auf Gäste aus Würzburg und der Region.
Der Würzburger Gästeführer und Mitglied des städtischen Gästeführervereins Michael Schurr weiß um die schwierige Lage der Gästeführer in der Stadt.
Foto: Thomas Obermeier | Der Würzburger Gästeführer und Mitglied des städtischen Gästeführervereins Michael Schurr weiß um die schwierige Lage der Gästeführer in der Stadt.

Michael Schurr, Gästeführer und Mitglied des städtischen Gästeführervereins, geht von einem starken Einbruch der Nachfrage an Gästeführungen aus. "Gästeführer, die sonst 20 Führungen im Monat hatten, freuen sich jetzt schon über zwei", so Schurr. Er sei erleichtert, dass Führungen nun wieder stattfinden dürfen, wisse aber auch, dass dieses Jahr kein leichtes für die Gästeführer werde. Im Gespräch erzählt er, wie er sich Führungen in Zeiten von Corona vorstellt und wann es seiner Meinung nach eine Rückkehr zur Normalität geben wird. 

Frage: Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Würzburger Gästeführer?

Michael Schurr: Gästeführungen waren von heute auf morgen komplett untersagt. Das galt ab dem 12. März, weswegen auch der Weltgästeführertag am 15. März nicht stattfinden konnte. Die Konsequenzen und Folgen für die Gästeführer hängen immer auch davon ab, inwieweit jemand ausschließlich davon lebt. In Würzburg haben wir da eine ganz unterschiedliche Struktur. Ein großer Teil macht Gästeführungen neben seinem eigentlichen Beruf. Wir haben aber auch einen Teil, der von den Führungen lebt und dieser ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Für diese war das Führungsverbot ein absoluter Schlag. Sie kamen aus der ohnehin ruhigen Winterpause und wollten ab März eigentlich wieder loslegen. Doch dann war die Saison zunächst auf Eis gelegt. Bei der Förderung durch Soforthilfen sind selbstständige Gästeführer in Bayern unten durchgefallen. Die Hilfen gibt es nur für Betriebe mit Unternehmensflächen und Angestellten. Das trifft auf Gästeführer nicht zu, da bleibt nur der Antrag auf Hartz IV.

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf Ihre Tätigkeit im Jahr 2020?

Schurr: Wir sind jetzt wieder an dem Punkt, dass seit 30. Mai Führungen erlaubt sind. Diese Möglichkeit nutzen wir und hoffen, dass Gäste unsere Angebote annehmen. Gestartet sind schon die Nachtwächterführungen, Regelführungen und auch eine Stadtverführung hat bereits wieder stattgefunden. Aber bis das Ganze wieder in einen normalen Rahmen kommt, ist es noch ein langer Weg. Das wird wahrscheinlich noch das ganze Jahr nicht der Fall sein.

Wie wird künftig Ihre Arbeit aussehen, beziehungsweise wie werden die Führungen ablaufen?

Schurr: Auch für unsere Führungen gelten besondere Vorschriften. Aber bis wir die hatten, war es eine Hängepartie. Am 15. Mai wurde in der Kabinettssitzung beschlossen, dass ab dem 30. Mai Führungen stattfinden dürfen. Bis zum 30. Mai kamen allerdings keine genauen Vorgaben für diese. Bei der Staatskanzlei hieß es dann 'macht erstmal und haltet euch an die üblichen Richtlinien'. In der Nacht zum 30. Mai kamen dann auch noch genauere Vorgaben. Diese wurden dann in ein Rahmenkonzept umgesetzt, das für alle Gästeführer gilt. Führungen dürfen zunächst nur im Freien und in kleineren Gruppen stattfinden. Auch auf die Alte Mainbrücke dürfen wir mit unseren Führungen aufgrund von Platzmangel noch nicht, unter anderem auch wegen der neu aufgestellten Tische.

Kommt durch die momentane Situation vielleicht auch mehr Nachfrage von Einheimischen, die ihre Stadt besser kennenlernen wollen?

Schurr: Ich habe am Samstag mit Führungen angefangen und da waren vorwiegend Personen aus der Umgebung dabei. Das ist also eine Hoffnung von uns und auch eine herzliche Einladung an alle aus der Gegend: entdeckt eure Stadt mal wieder neu. Würzburg hat das ganze Jahr hindurch mit verschiedenen Führungen wirklich viel zu bieten. Gäste von außerhalb werden noch auf sich warten lassen. Zum einen durch die eingeschränkten Busfahrten, diese sind zwar theoretisch wieder erlaubt, aber nur für Individualreisen also nicht für Gruppen. Zum anderen sind Gäste in Würzburg oftmals älter und diese haben noch Angst und sind mit Reisen und Ausflügen etwas vorsichtiger.

Glauben Sie, dass sich auch die Wiedereröffnung der Hotels auf Sie auswirken wird?

Schurr: Ja, sicherlich wird es so sein, dass durch die Hoteleröffnungen Gäste auch irgendwann wieder von außerhalb kommen und Privatreisen machen. Dadurch werden auch wir wahrscheinlich mehr Nachfrage haben, aber natürlich nicht wie im gewohnten Maß.

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