Rimpar

Jüdisches Erbe: Die ungewisse Zukunft der Rimparer Synagoge

Das Freilandmuseum Fladungen möchte das Gebäude aus dem Jahr 1792 nicht. Deshalb soll jetzt bald eine Machbarkeits- und Nutzungsstudie im Gemeinderat vorgestellt werden.
Noch vor wenigen Jahren waren Giebel (rechts) und Turm von der Straße aus zusehen. Heute ist auch diese Ansicht verbaut.
Noch vor wenigen Jahren waren Giebel (rechts) und Turm von der Straße aus zusehen. Heute ist auch diese Ansicht verbaut. Foto: Archiv/Christian Will

Das Schicksal der Rimparer Synagoge ist weiterhin offen. Pläne für einen Abbau und eine Verlagerung ins Freilandmuseum nach Fladungen hatten sich im vergangenen Jahr schon bald zerschlagen. Ariane Weidlich, die Museumsleiterin, hatte bei der Versammlung des Zweckverbands Fränkisches Freilandmuseum nochmals bestätigt, dass es kein Interesse an dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1792 gebe und dies dem hohen Aufwand für Abbau und Rekonstruktion des schwer zugänglichen Baus begründet.

Auf der Arbeitsliste des neuen Rimparer Bürgermeisters Bernhard Weidner steht die Synagoge jedoch ganz oben, wie er auf Nachfrage versicherte. "In der Verwaltung haben wir uns intensiv damit befasst und Gespräche geführt", erklärt er. Die Marktgemeinde wolle ihrer Verantwortung gerecht werden und die "dorfprägende" Synagoge erhalten. Eine Versetzung der kompletten Synagoge, die der Gemeinderat im Januar 2019 einstimmig befürwortet hatte, sei nur eine von mehreren Optionen gewesen, so Weidner: "Die Tür ist offen." Die Gemeinde werde mit der Synagoge verantwortlich umgehen.

"Das letzte Wort hat dann der Gemeinderat"
Bernhard Weidner - Rimparer Bürgermeister

Eine erste Weiche dafür hat der alte Gemeinderat noch kurz vor der Wahl mit der Beauftragung einer Machbarkeits- und Nutzungsstudie gestellt. Die Ausschreibung und Prüfung der Angebote hat das Landesamt für Denkmalschutz übernommen. Die eingegangenen Angebote sollen, so Weidner, in einer der kommenden Sitzungen auf der Tagesordnung stehen. Er geht davon aus, dass dabei unterschiedlich aufwendige Varianten für eine Sanierung geprüft werden. "Das letzte Wort hat dann der Gemeinderat", so Weidner.

Zwei Anwesen versperren den Zugang zur Synagoge.
Zwei Anwesen versperren den Zugang zur Synagoge. Foto: Christian Ammon

Die Entscheidung von Januar 2019 war auf heftige Kritik getroffen. Auch innerhalb des Gemeinderats. So fühlt sich die Fraktion IGU-RL falsch informiert. Für Irritationen hatte vor allem die Entscheidung gesorgt, die im nichtöffentlichen Teil der gleichen Sitzung gefallen war,  das Vorkaufsrecht für ein Grundstück, das den Zugang ermöglicht, nicht wahrzunehmen. Dies sei zum Zeitpunkt der Abstimmung nicht bekannt gewesen. Auch der Zustand der Synagoge sei damals falsch und die Renovierungskosten mit geschätzt zwei Millionen Euro deutlich zu hoch dargestellt worden.

"Die Synagoge ist von bestem Rimparer Maurerhandwerk"

Auch aus einem Förderkreis, der sich seit Jahren um die Erhaltung der Synagoge sorgt, gab es Kritik. "Die Synagoge ist von bestem Rimparer Maurerhandwerk", erklärte später Sprecherin Hannelore Mintzel: Ein Zimmerer haben zudem bestätigt, dass die Dachkonstruktion solide gearbeitet sei. Die Schäden an einer Empore im Dachbereich seien durch eindringendes Regenwasser entstanden. Die Gemeinde hatte damals kurzfristig reagiert und den weiteren Verfall gestoppt, indem sie das Dach mit der Lkw-Plane absicherte. Dennoch sind die Schäden unübersehbar: Eine Zwischendecke hängt durch und ist nicht betretbar. Gesteinsbrocken und Putz liegen im Raum. Laut Statikern ist es derzeit nicht möglich, das ungesicherte Gebäude zu betreten.

"Hier ist nichts für ein- und allemal in Stein gemeißelt"

Auf Anfrage versicherte der frühere Bürgermeister Burkard Losert, dass die Annahme des Vorkaufsrechts damals finanziell nicht darstellbar und die Option auch nicht unbegrenzt hinausschiebbar gewesen sei. Er sieht jedoch gute Möglichkeiten, den gordischen Knoten doch noch zu zerschlagen. "Hier ist nichts für ein- und allemal in Stein gemeißelt." Die im ausgehenden 18. Jahrhundert noch vor der rechtlichen Gleichstellung der Juden in Bayern errichtete Synagoge war bewusst schwer einsehbar errichtet worden.

Rimpar will sich seiner Geschichte stellen. Daran lässt Bürgermeister Weidner keinen Zweifel: Es soll neben dem vorhandenen Mahnmal im Schlosshof für die Ausschreitungen vom 9. November einen weiteren Gedenkort für die Deportation der Juden geben. Ihn gestaltet eine Schulklasse des Gymnasiums Veitshöchheim. Dabei soll ein wie vergessen wirkender Koffer aufgestellt werden. Das Gegenstück befindet sich am kürzlich eingeweihten Gedenkort am Würzburger Bahnhof.

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