WÜRZBURG

Junge Frauen retten 82-Jährigem das Leben

Der Notarzt wäre zu spät gekommen: Zwei junge Frauen haben einem 82-jährigen Rentner in der Kaiserstraße das Leben gerettet – mit beherzter und professioneller Wiederbelebung. Eine der beiden Retterinnen ist noch unbekannt. Sie soll sich bei der MAIN-POST melden, der Überlebende möchte sie kennenlernen.
Lebensretterin       -  Schöne, couragierte Frau: Gemeinsam mit einer Unbekannten rettete Zahnarzthelferin Hava Bilgic einem 82-Jährigen in der Fußgängerzone das Leben.
Foto: FOTO Thomas Obermeier | Schöne, couragierte Frau: Gemeinsam mit einer Unbekannten rettete Zahnarzthelferin Hava Bilgic einem 82-Jährigen in der Fußgängerzone das Leben.

Es müssen dramatische Minuten gewesen sein an jenem Freitagmorgen, dem 23. November. Obwohl die Geschäfte noch geschlossen sind, ist schon Leben in der City. Viele sind auf dem Weg ins Büro oder zur Arbeit. So wie Hava Bilgic aus Lengfeld. Sie macht eine Ausbildung als Zahnarzthelferin in der Praxis Dr. Aben in der Kaiserstraße. Kurz bevor sie dort ankommt, sieht sie in einer Seitengasse einen älteren Mann regungslos auf dem Boden liegen.

Einige Passanten stehen hilflos herum. Nicht so die junge Frau: Sie zögert keine Sekunde, wirft ihre Handtasche zur Seite und kümmert sich um den 82-jährigen Rentner aus dem Landkreis. „Er war ganz weiß im Gesicht und seine Lippen waren schon bläulich“, schildert die 18-Jährige später ihre Eindrücke am Ort des tragischen Geschehens. Der Rentner atmet nicht mehr, seine Augen sind verdreht. Es geht um Leben oder Tod. Hava Bilgic misst den Puls und beginnt sofort mit der Reanimation, mit Mund-zu-Mund-Beatmung sowie einer Herz-Druck-Massage.

Eine zweite Jugendliche kommt dazu und hilft ihr ebenso engagiert. Eine dritte Frau hat in der Zwischenzeit den Notarzt verständigt. Doch bis der eintrifft, vergehen lange Minuten. Nach Aussagen der zwei Helferinnen muss es mindestens eine Viertelstunde gewesen sein. Ohne den Einsatz der jungen Frauen hätte der alte Mann den plötzlichen Herzstillstand nicht überlebt. Er war nicht allein unterwegs zu einem Arzt-Termin, sondern in Begleitung seiner 75-jährigen Frau. Doch sie ist viel zu schockiert, um ihren Ehemann retten zu können.

Ganz anders Hava Bilgic. Sie bleibt ruhig und zieht die Wiederbelebung durch, bis endlich der Notarzt eintrifft. Dann geht die Lengfelderin in ihre Zahnarztpraxis, fast als wäre nichts gewesen. Fast. „Ich hatte nur eine Panik“, erzählt sie der MAIN-POST auf Anfrage. „Dass er es nicht überlebt.“ Doch der Rentner schafft es. Als diese Botschaft wenig später der Notarzt in die nahe Praxis bringt – erst da geht es der Lebensretterin wieder richtig gut. Zehn Tage musste der 82-jährige im Juliusspital verbringen.

Er, seine Frau und die ganze Familie sind überglücklich über das Handeln der jungen Frauen, von denen bis dato nur die eine, Hava Bilgic, bekannt ist. Nun hofft der Überlebende auf die MAIN-POST, um auch die zweite kennenzulernen. Sie hatte ebenso zufällig den Unglücksort passiert, wie sie ihn anschließend wieder verlassen hatte. Um sich selbst will der Rentner kein Aufhebens machen, namentlich nicht genannt werden. Doch er möchte sich unbedingt bei seinen beiden Retterinnen bedanken. Deshalb der Appell: Die zweite couragierte Nothelferin möge sich in unserer Redaktion, Tel. (09 31) 6 00 14 31 melden. Wir vermitteln sie dann an die Familie des Überlebenden weiter.

Dessen Tochter ist überwältigt von den Jugendlichen: „Da sage noch einer, die jungen Leute würden sich um nichts mehr scheren.“ Die selbstlose Hilfe der beiden Frauen sei ein tolles Beispiel für die vielgeforderte Kultur des Hinschauens. „Mein Vater weiß: Ohne die beiden wäre er nicht mehr am Leben.“ Auch die Klinikärzte haben ihren Einsatz gewürdigt: Sie hätten gezeigt, wie mit den richtigen Handgriffen ein Menschenleben zu retten ist. Dass diese Kenntnisse nicht angeboren sind, sondern erlernt werden müssen – auch das belegt dieser Fall. Hava Bilgic konnte nur deshalb so beherzt eingreifen, weil sie vor zwei Jahren einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hatte.

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