Würzburg

Junge Leute singen Alte Musik

Dirigent Julian Habryka (am Klavier) leitet den Schütz-Kammerchor, der sich an jedem Dienstag zum proben trifft.
Foto: Pat Christ | Dirigent Julian Habryka (am Klavier) leitet den Schütz-Kammerchor, der sich an jedem Dienstag zum proben trifft.

Andere Leute in Gabriel Schmitts Alter hören HipHop. Oder Heavy Metal. Schmitt ist 27. Und interessiert sich für eine außergewöhnliche Musikrichtung: Alte Musik. Bach ist ihm schon zu modern. Spannender sind für seine Ohren Motetten von Heinrich Schütz.

Die singt der Physik-Masterstudent seit einem Jahr im „Schütz Kammerchor“, dessen Initiator er ist. Die versierten Sänger um den Bassisten proben ihr drittes Programm. Am 21. und 22. Juli wird es um 17 Uhr in der Kirche St. Stephan zu hören sein.

Ein Physik-Student mit Liebe zu klassischer Musik

Dass ein Physik-Student eine so große Liebe zu klassischer Musik entwickelt, erscheint ungewöhnlich. Doch der Würzburger wuchs umspült von Klassik auf. Seine Mutter war die vor zwei Jahren verstorbene Sopranistin Susanne Pfitschler-Schmitt. Sein Vater, der Komponist Jürgen Schmitt, lehrt an der Würzburger Musikhochschule Klavier und Experimentelle elektronische Musik.

„Zehn Jahre lang traf ich mich mit anderen Sängern jedes Jahr zum Weihnachtssingen“, erzählt Schmitt. Damals dachte noch niemand an Auftritte. Man sang im heimischen Wohnzimmer allein aus Vergnügen an der Alten Musik. Bis Schmitt auf die Idee kam, aus dieser Keimzelle den Schütz-Chor zu gründen: „Denn ich habe gesehen, dass es in Würzburg keinen Chor gibt, der seinen Fokus ausschließlich auf Alte Musik legt.“

Ein protestantischer Kirchenmusiker im katholischen Italien

Schmitt gefällt nicht nur Heinrich Schütz' Musik. Auch das Leben des Komponisten, der 1585 als Sohn eines Gastwirts das Licht der Welt erblickte, ist für ihn interessant. Er, der protestantische Kirchenmusiker, begab sich ins katholische Italien, um zu lernen, wie man dort komponiert. In seinen Kompositionen kombinierte Schütz das, was er in Italien kennen lernte, mit dem, was ihm aus Deutschland vertraut war.

Auch Marcel Maryniak ist ein junger Sänger. Zusammen mit Gabriel Schmitt besuchte der 27-jährige Informatiker das Veitshöchheimer Gymnasium. Sein Schulkamerad machte ihm den Chor der Schule schmackhaft. Angesprochen, ob er sich vorstellen könnte, am Schütz Kammerchor mitzuwirken, musste Maryniak nicht lange überlegen: Er war sofort dabei.

Unsicherer Start

Würde sich der neue Chor in der reichen Würzburger Chorszene durchsetzen können? Anfangs, gibt Schmitt zu, war man sich nicht so sicher. Bisher trat der Kammerchor auf Spendenbasis auf. Das soll auch beim dritten Projekt so bleiben. Obwohl Solisten und Musiker, die historische Instrumente spielen, engagiert werden. Der Würzburger Unternehmer Reinhold Schöberl ermöglicht es dem Chor, sich jenseits allzu harscher Geldzwänge zu entfalten. Er gehört inzwischen auch dem Vorstand des im Oktober gegründeten Vereins „Schütz Kammerchor Würzburg“ an.

Mit Julian Habryka fand Gabriel Schmitt einen Chorleiter, der besser nicht passen könnte: Der Musiker promoviert gerade über Heinrich Schütz. Dessen Opus ist umfangreich. Über 500 Stücke sind überliefert. „Selbst wenn wir uns für jedes Projekt zehn Werke vornehmen, könnten wir 50 Projekte gestalten“, sag Habryka. Wobei der Schütz Kammerchor nicht ausschließlich Schütz-Kompositionen einstudiert. Auch Werke von Zeitgenossen werden im Juli zu hören sein. Etwa von Giovanni Gabrieli, Claudio Monteverdi und Leo Hassler.

Ein musikalisches Abenteuer

Im Mittelpunkt des aktuellen Projekts steht die „Cantate Domino“ von Schütz. Mitte April begannen die Proben. „Wir nahmen uns zum Auftakt einen ganzen Sonntag Zeit“, erklärt Maike Hansen, Professorin an der Würzburger Fachhochschule und ebenfalls Liebhaberin der Alten Musik. Insgesamt stehen nur drei Monate zur Verfügung, um sich neun neue Stücke draufzuschaffen. Allein das, so Hansen, bedeutet ein musikalisches „Abenteuer“.

Julian Habryka begeistert „seine“ Sänger nicht nur mit neuen Techniken des Liedeinstudierens. Er bringt den Chormitgliedern auch das Werk des Komponisten nahe. Als „schwebend“ und „transparent“ bezeichnet Maike Hansen die Werke des Hofkapellmeisters in Dresden. Schütz-Liebhaber sprechen auch von der „schwermütigen Schönheit“ von Schütz' Musik. Für Gabriel Schmitt ist sie „erhebend“ und gleichzeitig „beschwingt“ und „erfrischend“. Was er und seine Mitsänger ab 21. Juli zeigen wollen.

Der Schütz Kammerchor

Wer Interesse am Mitsingen hat, kann per E-mail unter schuetz.vorstand@gmail.com Kontakt aufnehmen. Der Chor ist auch für Veranstaltungen zu buchen.
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