ESTENFELD

Junger Ingenieur aus Estenfeld hat tragbare Wasseraufbereitungsanlage für Afrika entwickelt

Zwei Tüftler: der Estenfelder Ingenieur Raphael Schönweitz (rechts) und sein Mitentwickler Philipp Odernheimer.
Foto: privat | Zwei Tüftler: der Estenfelder Ingenieur Raphael Schönweitz (rechts) und sein Mitentwickler Philipp Odernheimer.

Ein Verkaufshit für erlebnishungrige Outdoor-Touristen wird der Rucksack wohl nicht werden, den drei junge Tüftler um den Estenfelder Ingenieur Raphael Schönweitz entwickelt haben. Eher ähnelt er einem der sperrigen Metallkästen wie sie die Astronauten bei der ersten Mondlandung aufgeschnallt hatten. Er könnte jedoch zu einer entscheidenden Waffe im Kampf gegen Krankheitserreger wie Ebola im von Epidemien geplagten Afrika werden. Der Kniff: In den Rucksack ist eine komplette Wasseraufbereitungsanlage integriert. Der dafür nötige Strom wird kurzerhand selber erzeugt.

„Als Rucksack kann das Gerät ein einzelner Helfer leicht selbst in die entlegensten Regionen bringen“, erklärt der 27-jährige Raphael das kompakte Format. Wie sehr es dort gebraucht wird, hat er selber 2006 bei einem Besuch mit der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) Würzburg in Tansania beobachtet. „Es fehlt an einfachsten Hilfsmitteln wie an sauberem Wasser oder Strom, um das Operationsbesteck zu desinfizieren“, erzählt er.

Oft werden die Operations-Werkzeuge einfach nur mit Wasser abgekocht oder in Sand gesteckt, ohne damit jedoch alle gefährlichen Keime zu entfernen. Nicht selten schaden chirurgische Eingriffe den Menschen mehr, als sie ihnen helfen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass bis zu ein Viertel der Infektionskrankheiten bei Operationen übertragen wird, darunter auch Aids und Tuberkulose.

Gelingt es, diese Probleme in den Griff zu bekommen, könnte die medizinische Versorgung in den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer einen Sprung nach vorne erleben. Hier setzt die Ausstattung des Rucksacks an. Der Wiederaufbereitungsanlage genügt Schmutzwasser, das selbst aus verkeimten Flüssen, Tümpeln oder Brunnen entnommen werden kann. Die Energie, um es in reines Wasser zu verwandeln, liefern ausklappbare Solarkollektoren. Die Temperatur im Rucksack wird auf 125 Grad Celsius erwärmt, was sämtliche Keime abtötet. Schon nach einer Aufwärmphase von einer halben Stunde kann der Arzt, sein Skalpell sterilisieren.

Damit der medizinische Rucksack auch tatsächlich den schwierigen Bedingungen in Afrika standhält, arbeitet das Team eng zusammen mit Hilfsorganisationen und den Ärzten des Missionsärztlichen Instituts in Würzburg. So haben die Drei den Rucksack bewusst robust gestaltet, auf störanfällige Komponenten verzichtet und ihn mit einer besonders widerstandsfähigen Außenhaut ausgestattet, die selbst starken Witterungseinflüssen standhält. Auch ist die Bedienung möglichst einfach gestaltet.

Die Idee für den Wunderkasten kam den Drei, als sie sich über die Probleme Afrikas unterhielten. Schon während ihres Ingenieur-Studiums in Kassel haben Raphael Schönweitz und Philipp Odernheimer eine erste Wasseraufbereitungsanlage entwickelt. Martin Reh, der sich als Wirtschaftswissenschaftler um die Finanzen kümmert, rundet das Team ab. „Die Ärzte, die in Entwicklungsregionen arbeiten, sind von unserer Idee so begeistert, dass sie es kaum noch abwarten können, den Rucksack mit zu ihren Einsätzen zu nehmen“, freut sich Raphael.

Schon bald könnte es tatsächlich so weit sein: Mithilfe einer Crowdfunding-Aktion, bei der sie weltweit über das Internet 42 000 Euro an Spenden gesammelt haben, haben die Tüftler einen ersten Prototyp in ihrer Werkstatt hergestellt.

Im kommenden Jahr planen die Drei einen ersten Feldversuch in Afrika. Eine Auszeichnung des Grönemeyer Institut für Mikrotherapie macht Hoffnung. Auch haben Unternehmen Interesse signalisiert.

Doch ein Problem bleibt: Aus eigenen Kräften werden sich die wenigsten Krankenstationen im Subsahara-Afrika den medizinischen Rucksack leisten können.

Nicht gerade handlich aber tragbar: der Notfallrucksack.
Foto: privat | Nicht gerade handlich aber tragbar: der Notfallrucksack.
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