Rieden

Kabarett in Rieden: Fränkisch, frech und unter freiem Himmel

Manfred 'Mäc' Härder kann nicht nur Kabarett: Auch Jonglieren steht in seinem Programm.
Foto: Natalie Dees | Manfred "Mäc" Härder kann nicht nur Kabarett: Auch Jonglieren steht in seinem Programm.

"Wir haben nicht gegoogelt, wir haben überlegt!", heißt das Programm, mit dem Manfred "Mäc" Härder, Kabarettist, Jongleur, Autor und TV-Moderator eineinhalb Stunden die Lachmuskeln der Riedener forderte. "Seit dem 7. März trete ich heuer erst zum sechsten Mal auf", begrüßte der 60-Jährige freudig sein Publikum am Tag der Deutschen Einheit im Pfarrgarten und genoss sichtlich den Begrüßungsapplaus.

Eigentlich sollte die neunte Kabarett-Veranstaltung des Heimat- und Kulturvereins (HUK) in Serie im historischen Rathaus stattfinden. Ein unterhaltsamer Abend mit heimeliger Atmosphäre und der wohl kleinsten Bühne Unterfrankens. Das ist seit 2012 Tradition im Dorf. Doch wegen Corona wurde aus dem geplanten Abend ein Kabarett-Nachmittag.

Komiker Mäc Härder sagte sofort zu, die Veranstaltung im Freien durchzuführen. "Was in früheren Jahren kein Problem war, ist zurzeit nicht möglich", erklärt Organisator Willi Pfeuffer, der vor zwei Jahren bereits Härders Frau, "Annette von Bamberg", engagierte. "Im historischen Rathaus hätten sich die Abstandsregeln, aufgrund der räumlichen Enge, für die 60 Zuschauer nicht realisieren lassen."

Diese saßen mit Decken, Sitzkissen, mitgebrachten Getränken und in warmer Kleidung großzügig verteilt auf den Bierbänken und Stühlen, welche die Vorstandschaft des HUK samt Helfer mit viel ehrenamtlichem Engagement zuvor aufgestellt hatte. Da es den ganzen Nachmittag hindurch immer wieder regnete, musste das Organisationsteam abermals improvisieren und die Sitzgelegenheiten – anstatt auf der Wiese – unter der Überdachung neu arrangieren.

Wie Franken und Bayern entstanden sind

"Stellt euch vor, wir hatten früher ganze Häuser zum Telefonieren", klärte Mäc Härder mit einem Augenzwinkern die heutigen 20-Jährigen auf. "Heutzutage wird bei Fragen und Problemen alles gegoogelt. Früher wurde man ans Gymnasium geschickt." Wenn junge Leute ihr Essen posten, würden sie es einer Spinne gleich tun: diese stelle ihr Essen auch ins Netz.

In einem rasanten Tempo und mit viel Wortwitz folgen amüsante Anekdoten von den Unterschieden zwischen Jung-Alt, Frauen-Männer bis hin zum beliebten Thema Franken- Bayern. Auch hier hat der Kabarettist eine logische Erklärung parat und gibt zum Besten, wie Franken und Bayern entstanden sind: "Zur Zeit der Völkerwanderung, die vom Norden aus erfolgte, stand an der Donau ein Schild 'Hier bitte nicht weitergehen'. Die lesen konnten, überquerten den Fluss nicht..."

"Mir Franken können a mal a nix mach' und nur klotz', ohne dass mir des' gleich Yoga nennen", bringt der gebürtige Rhöner die Mentalität Einheimischer auf den Punkt. Damit kennt sich er sich aus: Als echtes Dorfkind, aufgewachsen in Wollbach bei Bad Neustadt a. d. Saale, erlebte er viele Begebenheiten hautnah mit und hat heute ein Vergnügen daran, sein Programm mit diesen Anekdoten zu spicken. "Wenn der Franke sein Unmut äußern kann, dann wird er gesprächig!"

Publikum darf mitmachen beim Werbesprüche komplettieren

Höhepunkte waren zweifelsohne die gelungene Jonglage mit drei leeren Flaschen, die symbolisch für die Regierenden Trump, Erdogan und Putin standen sowie die Gags über Menschen im Ruhestand. "Rentner sind nachwachsende Rohstoffe", ist sich Mäc Härder sicher. Mit augenfälligem Hochgenuss witzelte er über diese Altersgruppe, was in der Pointe "Kaffeetrinken ist deren Kernkompetenz" gipfelte. "Lange kann ich die Nummer nicht mehr bringen, ich gehöre ja auch bald dazu", nahm er sich postwendend selber auf dem Arm. Auch wenn zwischendurch manchmal der Regen auf das Dach prasselte, ein frischer Wind um die Beine fegte und kühle Temperaturen frösteln ließen, war die Stimmung unter den Gästen überaus gut.

Den Abschluss bildete das Werbesprüche komplettieren: Der Kabarettist legte vor und das Riedener Publikum vervollständigte mit Begeisterung die bekannten Sprüche aus der Fernsehreklame der 70er und 80er Jahre. Tosender Applaus und stehende Ovationen für den Komiker. "Ihr ward' ein klasse Publikum – ich kumm' auf jeden Fall wieder!"

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