ROTTENDORF

Kalte Dusche für die Bewohner

Duschen verboten: Im Hochhaus in der Rottendorfer Frankenstraße wurden im Warmwasser gefährlich Krankheitserreger festgestellt.
| Duschen verboten: Im Hochhaus in der Rottendorfer Frankenstraße wurden im Warmwasser gefährlich Krankheitserreger festgestellt.

Das Duschverbot im Hochhaus in der Frankenstraße sorgt bei vielen Mietern und Eigentümern der 80 Wohneinheiten für Verwirrung. Weil die Legionellen-Konzentration im Warmwasser zu hoch ist (siehe Info-Box), hat das Würzburger Gesundheitsamt das Verbot erlassen. Bei einer Umfrage unter den betroffenen Bewohnern war die meist geäußerte Feststellung: Beim Baden dampft es doch auch.

Fachleute sehen das anders. Beim Duschen wird Wasser vernebelt. Dadurch können Legionellen in die Raumluft gelangen, die dann von den Menschen eingeatmet werden. Dies kann vor allem bei älteren und bereits immungeschwächten Menschen zur Legionärskrankheit, einer Lungenentzündung führen.

Eine Wohnungseigentümerin erklärte, dass sie nur eine Dusche hätte. Bei der Hitze der vergangenen Tage hätten sie und ihr Mann gar keine andere Möglichkeit gehabt, als unter die Brause zu gehen. „Wir duschen eben nicht so lange wie sonst, eben so schnell es geht.“ Die Leitungsrohre in dieser Eigentumswohnung sind neu und die Bewohner hoffen, dass dies einen positiven Effekt hat.

Ein anderes Eigentümer-Ehepaar hat nicht so viel Glück. Als sie die Wohnung vor sieben Jahren erwarben, war das Bad neu gemacht. Niemand dachte an die dahinter liegenden Rohre. Sollte die Legionellenproblematik mit Desinfektion und Austausch des Wasserbehälters nicht gelöst werden, müssen die Steigrohre ausgetauscht werden, „da kommen enorme Kosten auf uns zu!“

Schon länger merken sie, dass das Wasser nur schwach läuft und die Rohre wahrscheinlich verkalkt sind. Immerhin würde dieses Problem dann damit auch gelöst. „Insgesamt war ich mit der Wasserqualität auch vorher nicht zufrieden. Manchmal bildete sich in der Kaffeemaschine ein brauner schmieriger Belag“, so die Eigentümerin.

Das Wasser kocht sie jedenfalls ab, auch für die Kaffeemaschine, oder greift auf Mineralwasser zurück. Sie selbst duscht jedenfalls nicht, höchstens unter dem Wasserschlauch in ihrem Gartenhäuschen, wo das Wasser aber ziemlich kalt ist. Sie hat bereits Probleme mit dem Immunsystem und will kein Risiko eingehen. Ihr Mann sieht es etwas lockerer und duscht weiterhin.

Von dem Problem erfuhren die Eheleute, als sie aus dem Urlaub zurückkamen. Doch mehr als dass sie nicht duschen dürften, sei ihnen nicht gesagt worden. „Etwas mehr Informationen wären schön gewesen. So weiß man gar nichts.“ Eine bessere Informationspolitik hätten sich auch einige Mieter gewünscht. Die meisten bekamen nur einen Zettel vom Hausmeister in die Hand gedrückt.

Woanders duschen kommt für die meisten nicht in Frage. „Man will Verwandte und Freunde nicht belästigen“, war die Meinung. Das Duschverbot ist auch ein finanzielles Problem: Beim Baden verbraucht man mehr Wasser, was die Kosten zusätzlich in die Höhe treibt. Das Fazit der Befragung war, dass die meisten zwar weniger duschen, aber nicht ganz darauf verzichten.

Kinder können mit abgekochten und abgekühlten Wasser gewaschen werden oder es wird auf Mineralwasser zurückgegriffen. Bei einem Schwimmbadbesuch kann dort geduscht werden. „Mein Mann und mein Sohn sind Arbeiter, die müssen duschen! Wir wissen doch gar nicht, wie lange diese Legionellen schon in dieser hohen Konzentration vorkommen“, meinte eine Mieterin. Es ist gut, dass sie nun entdeckt wurden und Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Darüber sind sich alle Befragten einig. Vorwürfe werden keine laut, aber man spürt, dass die Menschen verunsichert sind und auf eine baldige Lösung hoffen.

Legionellen

Warmwasseranlagen mit mehr als 400 Litern Volumen, und Warmwasserleitungen die mehr als drei Liter Inhalt zwischen Großboiler und Wasserhahn aufweisen, müssen seit Oktober 2011 regelmäßig untersucht werden.

Dies betrifft auch die Wohnanlage in der Frankenstraße in Rottendorf. Wie es das Gesetz verlangt, wurde dort das Wasser untersucht. Bei den Messungen stellte sich heraus, dass die Legionellen-Konzentration mit 20 000 Kolonien bildenden Einheiten (KBE) pro 100 Millimetern weit über der Obergrenze 100 KBE/100 ml liegt.

Die gefährlichen Bakterien entwickeln sich unter anderem in Wasserleitungen, bevorzugt Warmwasserleitungen. Sie werden vor allem durch das Einatmen feinster Flüssigkeitstropfen in Duschen und Whirlpools übertragen. Große Warmwasseranlagen sollen mindestens einmal am Tag auf 70 Grad hochgeheizt werden, da Legionellen bei 60 Grad absterben. Hochrechnungen gehen von bundesweit 15 000 bis 35 000 Erkrankungen pro Jahr aus. Bis zu 15 Prozent der betroffenen Personen sterben daran.

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