Ochsenfurt

Kein Besuch bei den Rehen

Eine Nacht im Tierpark Sommerhausen hätten die Kinder verbringen können, wenn das Projekt nicht gescheitert wäre.
Foto: ArchivGerhard Meissner | Eine Nacht im Tierpark Sommerhausen hätten die Kinder verbringen können, wenn das Projekt nicht gescheitert wäre.

70 Arbeitsstunden hat Andrea Trumpfheller in ihr Projekt für arme Kinder investiert, hat Gespräche geführt und Fragebögen entworfen, Termine organisiert und rechtliche Fragen geklärt. Und jetzt das: Niemand hat sein Kind angemeldet. Damit ist das Projekt gestorben – vorläufig. Denn Andrea Trumpfheller glaubt zu wissen, wo das Problem lag, und will sich nun daran machen, es zu beheben.

Wie berichtet, hatten die unter dem Namen „Die Drei vom Mee“ gemeinsam auftretenden Stadtführer Andrea Trumpfheller aus Ochsenfurt, Siegbert Fuchs aus Sommerhausen und Lothar Schenk aus Eibelstadt sowie der Erzieher Thomas Rütten vorgehabt, ein kostenloses Freizeitvergnügen für Kinder aus armen Familien anzubieten. Eine spannende Ortsführung in Sommerhausen war geplant sowie eine nicht weniger aufregende Übernachtung im Tierpark.

Doch schon bald zeichnete sich ein Problem ab: Für private ehrenamtliche Initiativen scheint es derzeit unmöglich zu sein, die gewünschte Zielgruppe direkt ansprechen zu können. Bei den „Drei vom Mee“ wären es Kinder aus den genannten drei Gemeinden gewesen, zwischen fünf und zehn Jahren alt, deren Eltern ihr Arbeitseinkommen durch Sozialleistungen aufstocken müssen. Doch die Gemeindeverwaltungen wissen nicht, welche ihrer Bürger diese Voraussetzungen erfüllen. Und das Landratsamt darf solche Daten nicht herausgeben.

Deshalb wählten die Organisatoren mit Hilfe von Allianzmanager Holger Becker den Weg über einen Aufruf in den Mitteilungsblättern der Gemeinden. Davon fühlten sich die infrage kommenden Eltern aber offenbar nicht angesprochen, denn keine einzige Anmeldung ging bei Holger Becker ein. Also entwickelten Andrea Trumpfheller, Thomas Rütten und Holger Becker einen Plan B: Die Bürgermeister der drei Gemeinden, die die finanzielle Unterstützung des Projekts bereits zugesagt hatten, erhielten Briefe mit der Projektbeschreibung und der Bitte, diese an die Schulen und Kindergärten in ihren Kommunen weiterzugeben.

Trumpfheller und Rütten gehen davon aus, dass ihre Briefe die Einrichtungen erreicht haben. Denn ein Kindergarten meldete sich mit der Bitte um 14 Anmeldeformulare. Und Thomas Rütten weiß von einer Schule, dass das Schreiben dort ausgehangen haben muss. Der Erfolg blieb aber aus. Trotz Fristverlängerung bis zum 13. März meldete sich nicht ein einziger Interessent. „Ich kann nicht glauben, dass es in ganz Ochsenfurt, Eibelstadt und Sommerhausen keine bedürftigen Familien gibt“, sagt Andrea Trumpfheller.

Aber sie glaubt, dass diese Eltern daran interessiert sind, ihren Kindern eine spannende Freizeitgestaltung zu ermöglichen. Dass sich trotzdem niemand gemeldet hat, liegt ihrer Meinung nach an der Kommunikation. Ein Aufruf per Mitteilungsblatt oder Aushang in der Schule regt offenbar nicht zum Mitmachen an. „Die Leute müssen direkt angesprochen werden“, glaubt Andrea Trumpfheller. Thomas Rütten weiß aus seiner Arbeit als Erzieher, dass die Menschen persönlich angesprochen und an die Hand genommen werden müssen.

Und so könnte sie sich den Ablauf vorstellen: Private Ehrenamtliche stellen ihr Projekt samt Zielgruppe beim Landratsamt vor. Dieses filtert die Zielgruppe heraus – „Das sind nur ein paar Klicks“ – und übermittelt die Daten an eine Vertrauensperson in der jeweiligen Gemeindeverwaltung, am besten einen Beamten, der das Datengeheimnis wahren wird. Diese Person schreibt die Zielgruppe an. Der Eingangsstempel auf den Anmeldungen entscheidet dann über die Teilnahme am Projekt. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, sagt Holger Becker.

Dass private Initiativen Angebote nicht an bestimmte Personen richten können, empfindet Andrea Trumpfheller als nicht zeitgemäß. „Das Vereinsleben verändert sich“, sagt sie. Viele Menschen wollten sich nicht mehr über Jahre hinweg an einen Verein binden, seien aber trotzdem bereit zum ehrenamtlichen Engagement. Auf welcher Ebene dieses Thema angegangen werden könnte, will Andrea Trumpfheller jetzt auskundschaften. Vielleicht sei der Kreistag befugt, solche Entscheidungen zu treffen. Dann müsste eine höhere politische Ebene gar nicht angerufen werden.

Als verlorene Zeit betrachten die Organisatoren ihre Bemühungen nicht, auch wenn sie zumindest vorläufig umsonst waren. „Die drei Gemeinden haben bei diesem gemeinsamen Projekt über den Tellerrand hinausgeguckt“, sagt Andrea Trumpfheller. Und auch Holger Becker empfindet die Zusage der drei Bürgermeister als positives Signal. Sollten die formalen Hürden eines Tages aus dem Weg geschafft sein, wollen die „Drei vom Mee“ ihr Projekt in jedem Fall wiederbeleben.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Ochsenfurt
Claudia Schuhmann
Armut
Kundenkreise und Zielgruppen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!