Zell

Keine Fahrradstraße im Zeller Altort

Im Zeller Altort leben Fahrradfahrer und Fußgänger gefährlich.
Foto: Jörg Rieger | Im Zeller Altort leben Fahrradfahrer und Fußgänger gefährlich.

Die erste Fahrradstraße im Landkreis Würzburg wird wohl noch länger auf sich warten lassen. In Zell kommt sie jedenfalls bis auf Weiteres nicht. Selbst der bereits beschlossene Probelauf ist nun erst einmal vom Tisch. Das hat die Gemeinderatssitzung am Dienstagabend ergeben. Der örtliche Bund Naturschutz hatte eine solche Fahrradstraße quer durch den Altort beantragt.

Bedenken der Verkehrsbehörde

Letztlich waren die Bedenken von Seiten der Polizei, vor allem aber von der Unteren Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes zu groß. An sie hatte sich die Zeller Verwaltung gewandt, um die Fahrradstraße in die Tat umzusetzen. Anfang April ging die Antwort im Rathaus ein. Bürgermeister Joachim Kipke (Zeller Mitte/Freie Wähler) las sie nun in Auszügen vor. Darin heißt es unter anderem: "Mit Hinblick auf die gute Anbindung des Ortes an den Main-Radweg durch gesicherte Zufahrtsmöglichkeiten, der bereits eine Bündelung des Radverkehrs erfüllt, wird die Frage aufgeworfen, ob tatsächlich ein derart hohes Radverkehrsaufkommen vorliegt, dass die Einrichtung einer Fahrradstraße zu Lasten aller anderen Verkehrsteilnehmer gerechtfertigt ist."

Grüne sehen "Drohgebärde"

Vor allem den drei Vertretern der Grünen im Gremium stießen solche und andere Formulierungen sauer auf. "Das ist für mich eine Standardantwort, wenn eine Gemeinde eine Haupt- in eine Fahrradstraße umwandeln will", bemerkte Jessica Hecht. Man müsse Verkehr generell neu denken. Ihre Fraktionskollegen  und Martin Küpper sahen in dem Schreiben eine "Drohgebärde" und sprachen sich – genau wie Christian Naser von der Zeller Mitte – für den anvisierten Probelauf der Fahrradstraße von mehreren Wochen aus.

Doch es gab im Gemeinderat auch gänzlich andere Ansichten. "Es ist grundsätzlich immer noch eine Haupterschließungsstraße für Zell", erklärte Silvia Schlagmüller (CSU/Freie Zeller Bürger): "Wenn die Autos zudem an jeder Maingasse wegen des dann geltenden Rechts-vor-links halten müssen, wird es durch das Stop-and-go sicher nicht leiser." In Margetshöchheim und Erlabrunn würden die Fahrradfahrer selbst im Winter den Mainradweg nutzen, so Dirk Stumpf (CSU/FZB).

Haftungsfrage aufgeworfen

Bernd Spengler (SPD/Junge Liste Zell) führte rechtliche Bedenken an. "Bei aller Sympathie für die Fahrradstraße kann ich nicht entgegen der eindeutigen behördlichen Empfehlung dafür stimmen. Das ist auch eine Haftungsfrage, wenn nach der Einführung etwas passiert."

Für Bürgermeister Kipke stellten sich auch noch viele praktische Fragen, etwa das korrekte Aufstellen von Verkehrsschildern oder den etwaigen Wegfall von Förderungen, wenn die Hauptstraße nur noch ein beschränkt-öffentlicher Weg ist. Messungen haben ergeben, dass zwischen 1600 und 1800 Fahrzeuge täglich durch den Altort fahren; nur ein Drittel hält sich offenbar an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h. Eigentlich darf die Zeller Hauptstraße nur von Anliegern und Bussen durchfahren werden.

Stimmenpatt beim Probelauf

Letztlich sprach sich die Mehrheit gegen den Antrag aus, eine Fahrradstraße durch den engen Altort einzurichten. Dass der Beschluss eines Probelaufs dennoch nicht aufgehoben ist, lag an einem Kuriosum. Denn es kam hier zu einem Stimmenpatt. Allen voran die grünen Ratsmitglieder setzen darauf, dass sich die politische Großwetterlage im Herbst ändert und künftige Gesetze eine leichtere Umsetzung einer solchen Fahrradstraße erlauben.

Ausbau des Mainradwegs

Zuvor hatte das Gremium über den Ausbau des Maintalradweges beraten. Schlagmüller zeigte sich überrascht, dass man hier nicht schon weiter sei, obwohl es schon lange entsprechende Pläne gebe. Nun ist jedenfalls Eile geboten. Denn das neue Radförderprogramm des Bundesverkehrsministeriums beinhaltet eine Antragsfrist bis zum 1. August dieses Jahres, die Maßnahmen müssen bis Ende 2023 umgesetzt sein. Doch betonierte Wege entlang von Flüssen brauchen besonders viele Genehmigungsstufen, unter anderem ist das Wasserwirtschaftsamt involviert. Kipke will in Erfahrung gebracht haben, dass solche Verfahren derzeit rund ein Jahr benötigen. Das wiederum stieß auf Unverständnis im Gremium. Nun soll das ohnehin schon mit der Sache betraute Architekturbüro beauftragt werden, welche Abschnitte des Mainradweges man in der Kürze der Zeit sanieren bzw. ausbauen könnte.

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