Würzburg

"Keine Perspektive": Jugendkreisräte fordern Impfungen für Schüler

Bei der Jugendkreistagssitzung diskutieren Würzburger Schülervertreter mit Politikern über die Impfreihenfolge. Ihre Forderung: Jugendliche sollen schneller geimpft werden.
Jugendkreisräte aus Würzburg fordern schnellere Impfungen von Jugendlichen. Ihr Wunsch: geimpft ins neue Schuljahr starten.
Foto: Fabian Gebert | Jugendkreisräte aus Würzburg fordern schnellere Impfungen von Jugendlichen. Ihr Wunsch: geimpft ins neue Schuljahr starten.

Der Jugend fehle es an Perspektiven, lautete der Tenor der Schülervertreter in der Sitzung des Jugendkreistags am Montag. Nicht nur im Sozialleben und im Bildungswesen, sondern auch bei der Corona-Impfung fänden Kinder und Jugendliche zu wenig Beachtung, so die Jugendkreisräte. 

Bereits in der letzten Sitzung des Jugendkreistags Ende März forderten sie deshalb eine schnellere Impfung von Jugendlichen in der Pandemie. Nun fand am Montag eine Sondersitzung statt, in der sie mit Abgeordneten des Bundes- und Landtages diskutieren. Konkret ging es dabei um Impfungen für Jugendliche bis zum Start ins neue Schuljahr. 

Hohes Ansteckungsrisiko für Schüler

"Ein 50-Jähriger, der zu Hause im Home Office arbeitet, ist nicht so gefährdet wie Schüler, die in die Schule gehen", sagte ein Schüler. Es sei bewiesen, dass die Inzidenz bei jungen Menschen höher ist als im Rest der Bevölkerung. 

Die Jugendlichen würden sich bei der Impfung nicht vordrängeln wollen, hätten aber Angst, vergessen zu werden. Auch die Unklarheit, wann jüngere Personen geimpft werden können, sei eine Belastung. "Für uns macht die Priorisierung absolut Sinn. Aber es ist Zeit, dass man auch auf uns schaut", so der Jugendkreisrat.

Ohne Impfung keine Perspektive

"Wenn wir in der Impfpriorisierung nicht beachtet werden, haben wir keine Perspektive." Die Schülervertreter schlugen deshalb vor, Jugendliche mit in Priorisierungsgruppe drei zu nehmen, die aus den 60- bis 70-Jährigen besteht.

"Bei der Priorisierung stand keine Willkür im Vordergrund, sondern der Schutz der vulnerablen Gruppen." 
Paul Lehrieder(CSU), Mitglied des Bundestags 

Der Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder(CSU) entgegnete, dass er verstehe, wie sehr die Jugendlichen durch die Pandemie belastet würden. Dennoch sprach er sich gegen eine Änderung der Impfreihenfolge aus: "Bei der Priorisierung stand keine Willkür im Vordergrund, sondern der Schutz der vulnerablen Gruppen, in denen es zu den meisten Todesfällen kommt."

Impfung nur in Ausnahmefällen möglich

Die bestehende Regelung diene auch dem Erhalt des öffentlichen Lebens, argumentierte der Landtagsabgeordnete Manfred Ländner (CSU). Zusätzlich sei es schwer, den Forderungen aller nachzukommen:  "Ich kenne keine gesellschaftliche Gruppe in diesem Land, die nicht stichhaltige Gründe für eine schnellere Impfung hat." Dem Tenor schloss sich auch die Landtagsabgeordnete Kerstin Celina (Bündnis90/Die Grünen) an. Als Ausnahmemöglichkeit sehe sie höchstens die Impfung von Jugendlichen, die eine Risikoperson in der Familie haben.

"Es ist im Augenblick nicht der Fall, dass die Impfung gleichzeitig Freiheit bedeutet."
Volkmar Halbleib, Mitglied des Landtags (SPD)

Ein weiterer Einwand kam vom SPD-Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib: Impfen sei nicht der Schlüssel um alle Einschränkungen der Pandemie aufzuheben. "Es ist im Augenblick nicht der Fall, dass die Impfung gleichzeitig Freiheit bedeutet." 

Start ins neue Schuljahr nur mit Impfungen

Dennoch blieben die Jugendkreisräte standhaft: Der Präsenzunterricht sei verantwortungslos, solange Schüler und Lehrer nicht geimpft sind. Sowohl Schüler als auch Lehrer könnten das Virus aus der Schule mit nach Hause nehmen und Familienmitglieder oder Partner anstecken.

Landrat Thomas Eberth (CSU) schlug daraufhin vor, einen Forderungskatalog mit dem Titel "Geimpft ins Schuljahr 2021/2022" an die Impfkommission, sowie an den Bundes- und den bayerischen Gesundheitsminister zu schicken. Die Jugendkreisräte einigten sich und beschlossen den Vorschlag einstimmig. Wie weit das aber umgesetzt werden kann, ist fraglich. Zur Zeit gibt auch noch keinen Impfstoff, der für Kinder unter 16 Jahren zugelassen ist.

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