Höchberg

Klimawandel: Die Buchen machen schlapp

Nach der Baumfällung wird durch Naturverjüngung oder Neupflanzung versucht die entstehenden kahlen Flächen zu schließen
Foto: Matthias Ernst | Nach der Baumfällung wird durch Naturverjüngung oder Neupflanzung versucht die entstehenden kahlen Flächen zu schließen

Wer derzeit durch den Wald am Höchberger Hexenbruch laufen möchte, stößt unweigerlich auf abgesperrte Wege und Trassierband, das den Zutritt verwehrt. Hintergrund sind Baumpflegemaßnahme der Bayerischen Staatsforsten mit ihrem Betrieb in Arnstein.

Vor allem die Buche hat im letzten Jahr vielfältig Schaden genommen. Viele Bäume sind bereits abgestorben oder stark geschädigt. Bis Mitte März schätzt Michael Grimm, stellvertretender Forstbetriebsleiter in Arnstein, wird die Maßnahme noch dauern. Eigentlich sollte es schon im Spätherbst letzten Jahres losgehen, aber die wenigen Betriebe in der Gegend, die diese Arbeiten durchführen können, sind voll ausgelastet. Und mit den eigenen Waldarbeitern kommt der Forstbetrieb ebenfalls nicht gegen die Flut der Baumpflegemaßnahmen an.

So wurde es eben Mitte Februar, bis der Staatswald in Zell, zu dessen Gemarkung das Waldgebiet am Höchberger Hexenbruch eigentlich gehört, dran war. Zells Bürgermeisterin Anita Feuerbach war deshalb ebenso bei der Begehung mit von der Partie wie ihr Waldbüttelbrunner Amtskollege Klaus Schmidt und Höchbergs Bürgermeister Peter Stichler. Dazu gesellten sich noch rund 30 Bürger. "Mit diesem Interesse hätten wir nie gerechnet", gibt Forstbetriebsleiter Christoph Riegert zu. Er und Michael Grimm hatten viel Anschauungsmaterial mitgebracht, um zu verdeutlichen, dass sich die Waldschäden durch den Klimawandel begründen lassen. "Wir haben derzeit im Sommer ein Klima wie im Kaukasus", sagte Grimm und da mache die heimische Buche einfach schlapp. Der Übergang vom Waldklima zum Steppenklima sei unübersehbar.

Trockenschäden bei Buchen

Im Jahr 2019 wurden bayernweit 100 000 Festmeter Buche gefällt, ein Viertel davon allein im Bereich des Forstbetriebes Arnstein. Vor allem der Niederschlag hat in den vergangenen Jahren gefehlt, dazu kamen im vergangenen Jahr noch viele Tage mit Temperaturen über 40 Grad Celsius im Schatten. Früher galt Deutschland als "Buchenland", besonders für Unterfranken scheint das nicht mehr zu gelten. Schon im Juli war der Mangel an Wasser im Boden festzustellen, so Riegert. Das brachte der Buche extreme Trockenschäden. Zum Glück sei in vielen Teilen Unterfrankens ein guter Mix an Baumarten anzutreffen.

Viele der nun geschlagenen Bäume sind krank. Meist sieht man es an der Borke, die in der Höhe einfach vom Stamm abplatzt, so Riegert. In der Wurzel konnte kein Wasser mehr aufgenommen werden und nach oben in die Krone transportiert werden. Das Ende der Buche war nicht vorhersehbar, so sagen alle Fachleute. Sie tun sich auch schwer, zu empfehlen, welche Bäume in Zukunft in den Wäldern wachsen werden. Die Trockenheit in Unterfranken mache alle Berechnungen sehr schwierig.

Der stellvertretende Forstbetriebsleiter Michael Grimm zeigte bei einer Informationsbegehung mit interessierten Bürgern die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald
Foto: Matthias Ernst | Der stellvertretende Forstbetriebsleiter Michael Grimm zeigte bei einer Informationsbegehung mit interessierten Bürgern die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald

Um die Waldarbeiter zu schützen, wird auch bei der Abholzung in Höchberg mit Maschinen gearbeitet. Die können viel präziser und vorsichtiger arbeiten, als es Menschenhand bei aller Vorsicht kann. Die Staatsforsten bitten deshalb auch um Verständnis, dass der Wald an der Zeller Waldspitze gesperrt bleibt und bittet alle Waldbegeher und -befahrer, dieses Areal zu meiden. Es bestehe eine hohe Verletzungsgefahr.

Nach der Rodung wird versucht, mit Naturverjüngung, also durch die Saaten der Bäume, neue Mischwälder entstehen zu lassen. Wo dies nicht möglich ist, muss mit Setzlingen gearbeitet werden. Ziel ist es, den Wald der Zukunft möglichst breit aufzustellen, damit, wenn eine Baumart ausfällt, die anderen überleben können, so Michael Grimm, der sich für die Teilnahme an der Informationswanderung bei den Bürgern bedankte.

In einer früheren Version des Textes wurde Bauamtsleiter Alexander Knahn erwähnt. Tatsächlich war in offizieller Funktion für den Markt Höchberg Bürgermeister Peter Stichler vor Ort.

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